Panama

 

Die Grenzformalitäten von Costa Rica nach Panama sind zügig und ohne Probleme abgelaufen. Wir bezahlen drei Dollar für die Desinfektion des Fahrzeuges. Allerdings sprüht die Anlage durch die wir fahren müssen nichts aus den Düsen. Scheint aber niemand zu stören – uns auch nicht.

Schon bald erreichen wir David und fahren zum Einkaufscenter das unter Traveller als Treffpunkt gehandelt wird. Es ist unglaublich heiss und wir entschliessen uns, nach dem Kauf einer guten Strassenkarte nach Boquete zu fahren. Unterwegs haben wir Kontakt mit einer Schifffahrtsgesellschaft aufgenommen um wegen einer Ueberführung unseres Autos nach Ecuador angefragt. Wir sind darum froh, dass wir beim Hotel Estancia den Computer benutzen dürfen. Herr Mock hat auch schon geantwortet. Wir müssten schon in 5 Tagen in Panama City sein um die Formalitäten zu erledigen. Am 11. Januar kommt das Schiff an und das würde für uns bedeuten, dass wir im Sauseschritt durch dieses Land düsen müssten. Das ist nun doch zu schnell, selbst für abgefahrene Oldies! Das nächste Schiff kommt erst Mitte Februar an, das hingegen ist uns wieder zu spät. Also sagen wir ab und schreiben eine 2. Gesellschaft an, die nach Kolumbien fährt. Wieder bekommen wir sofort Antwort. Jede Woche gibt es einen Anschluss und die Preise sind auch okay. Margit und Jörg wollen noch mit einem weiteren Unternehmen Kontakt aufnehmen. So haben wir die Möglichkeit die Preise und Leistungen zu vergleichen. Wir sind gespannt was sie für Infos zum Treffpunkt in Panama City mitbringen.

 

Heute Morgen wollen wir zum Nationalpark Vulkan Baru hochfahren. Zuerst führt uns eine recht gute Teerstrasse an Hochland-Kaffeeplantagen vorbei. Dann aber zweigt der Weg ab und die steile Naturstrasse wird so schlecht, dass wir umdrehen müssen. Bei unserer Rückfahrt ins Dorf Boquete machen wir an  einem Aussichtspunkt halt und steuern da das  Informationscenter an. Hier hören wir, dass wegen des lang anhaltenden Regens die meisten Strassen zu den Ausflugszielen gesperrt sind. Die wenigen offenen Wege dürfen nur mit Führer besucht werden. Für uns heisst es darum weiterfahren in Richtung Süden. Kurz nach dem Abzweiger nach La Mesa erreichen wir das evangelische Campamento das vom Schweizer Missionsehepaar Erika und Heinz Notter geführt wird. Wir glaubten hier einen Campingplatz zu finden und staunen nicht schlecht, in unserer Heimatsprache begrüsst zu werden. Wir werden sehr herzlich aufgenommen und dürfen uns direkt neben dem Schulgebäude der beiden – inzwischen erwachsenen Töchter – hinstellen. In den knapp 20 Jahren in denen Erika und Heinz hier tätig sind, haben sie einen heimeligen Ort geschaffen. So wurde ein Bach zu einem herrlichen See aufgestaut und Heinz hat über 45 000 Bäume angepflanzt, die zu einem Wald herangewachsen sind. Dazu hat er uns folgende Geschichte erzählt: „Ich habe die Samen gekauft und sie angezogen bis sie, kurz vor der Regenzeit stark genug zum Auspflanzen waren. Vier Arbeiter waren nur damit beschäftigt die Bäume zu bewässern. Zu Zweit begannen sie Anfang der Woche am jeweiligen Ende. Bis zum Samstag trafen sie sich in der Mitte, hatten am Sonntag frei und begannen am Montag wieder von vorne. Das ging so lange, bis die Regenzeit das giessen übernahm. Danach waren die Bäume stark genug um selber zu überleben“. Wir finden das ist eine gute Geschichte um zu zeigen mit wie viel Engagement die Beiden ihre Aufbauarbeit für Gott und die Natur angehen. Es sind tolle Tage die wir hier verbringen dürfen. Ganz selbstverständlich darf ich die Waschmaschine nutzen, wir werden zum gemeinsamen Essen eingeladen, sind Gäste am Geburtstagstisch von Heinz und führen lange Gespräche über Gott, die Aussagen in der Bibel und den Glauben an Jesus Christus. Es ist eine gute Zeit für Körper und Seele die wir hier verbringen dürfen. Am Vorabend unserer Abreise kommen noch Margit und Jörg dazu und auch sie werden herzlich zum Geburtstagskuchen eingeladen. Am Abend besprechen wir unsere Weiterfahrt und die  Planung der Verschiffung unserer Autos. 

Ganz herzlich verabschieden wir uns am 7. Januar mit dem gegenseitigen Versprechen in Kontakt zu bleiben. Unsere Freunde sind etwas früher abgefahren. Sie wollen auf der Azuero Halbinsel eine andere Route fahren als wir. Wir verlassen die Interamericana nach Chitre und fahren weiter bis Las Tablas. Nach einem Rundgang im Dorf finden wir beim Restaurant Sirena del Mar einen Standplatz für die Nacht.

 

Bei der Rückfahrt zur Interamericana biegen wir kurz vor Chitre ab zur Playa el Rompi, wo wir noch einen Tag die Nähe des Pazifik geniessen wollen, bevor wir am nächsten Morgen durch eine eigenartige hügelige Landschaft einen Abstecher nach Ocu machen. Die kegelförmigen Erhebungen stehen in den verschiedensten Grössen  mal eng verbunden, mal durch Täler getrennt und erinnern ein wenig an verwachsene Pyramiden.  Bei Santa Clara biegen wir ab zum Balneario, wo wir direkt am Strand zwei Tage stehen wollen.

 

Es ist ziemlich heiss und ausserdem ist Wochenende. Ganze Busladungen fahren zum Strand und es geht hier zu und her wir auf dem Jahrmarkt. Aus mehreren Autos trönt die Musik und wir fliehen in die Berge. In El Valle finden wir ein gutes Internet in der hiesigen Bibliothek – und werden von einem Schweizer Ehepaar angesprochen. Sie sind ebenfalls pensioniert und haben sich zur Auswanderung nach Panama entschieden. Erst seit drei Wochen leben sie hier  und laden uns ein bei ihrem Haus die Nacht zu stehen. Bei Spagetti und Wein verbringen wir einen gemütlichen Abend mit Maya und Peter. Sie haben so viel Interessantes zu erzählen, dass wir alle überrascht sind wie spät es schon ist. Höchste Zeit für uns, wollen wir doch Morgen nach Panama City.

 

Ueber die berühmte Brücke Las Amerikas erreichen wir die Hauptstadt des Landes. Beim Yachtclub, direkt an der Einmündung des Panamakanals auf der Pazifikseite, stehen Christina und Welf die wir schon vom Campingplatz Belen in Costa Rica kennen. Da gibt es ein grosses Hallo und gemeinsam mit Margit und Jörg, die kurz nach uns ankommen, gibt es viel zu erzählen. Christine und Welf sind in den letzten Vorbereitungen für die Verschiffung nach Ecuador und sie können uns einige Tipps geben. In drei Tagen verlassen sie Mittelamerika.

 

Die nächsten Tage sind für uns ausgefüllt mit: Autoservice in der Garage, den Reisebericht von Costa Rica  an Christian senden, neue Kamera kaufen, zu den Schleusen Miraflores fahren, der Buchung der Plätze auf einer Fähre für unsere Autos, sowie den Flug nach Barranquilla für uns und ein Hotelzimmer bis wir unsere Fahrzeuge wieder in Empfang nehmen können und wir erobern zu Fuss die Altstadt. Nur am Rand nehmen wir die Slums war. Selbst am Tag verweigern einige Taxifahrer die Fahrt durch diese Quartiere. Uns beeindrucken die grossen Unterschiede zwischen der schmutzigen, gefährlichen, heruntergekommenen Trostlosigkeit und der glanzvollen Bankenwelt in dieser Stadt. Die laaangen Abende aber geniessen wir im fröhlichen Beisammensein. Am 16. Januar sind die ersten Vorbereitungen abgeschlossen.

 

Wir haben noch eine knappe Woche Zeit bis zum Endspurt und wollen diese Zeit nutzen um die Atlantikseite von Panama kennen zu lernen. Kurz vor Portobelo schlafen wir erstaunlich gut in einem Balniario direkt am Meer. Erstaunlich darum, weil wieder einmal Wochenende ist mit Musikgetröne und Saufgelage. Bei einem Spaziergang am Wasser allerdings vergeht uns die Lust aufs Baden. Ich hab noch nie einen soo schmutzigen Strand gesehen. Eigentlich ist es mehr eine Schuttablage mit Sand drum herum. Jeder lässt seinen Abfall einfach fallen – und mitten drin sieht man Babys schlafen und Kleinkinder spielen.

 

Eine brenzlige Situation erleben wir dann in Portobelo. Dieser Ort bekam seinen Namen von Kolumbus als er die Bucht entdeckte. Dieser Hafen wurde zu einem wichtigen Verschiffungshafen der Schätze von der neuen Welt nach Spanien. Heute ist es ein heruntergekommener Ort. Schon vor 9.°°Uhr haben Betrunkene die einzige Durchfahrt versperrt und verlangen von allen Reisenden Geld. Die Stimmung ist ziemlich gereizt. Schwankende Frauen halten die Becher hoch für den verlangten Obolus während einige Männer an den Fenstern der Busse hängen um von den Reisenden etwas zu fordern. Mitten in der Strasse wurde eine Holzsperre errichtet und von einem Betrunkenen besetzt, sodass der Holzkasten nicht einfach weggeschoben werden kann. Hanspeter fährt langsam auf die Frauen zu die auch tatsächlich ausweichen. Kurz entschlossen umfährt er die Sperre über den Gehsteig. So kommen wir ungeschoren vorbei und schon bald ist das Drohgeschrei nicht mehr zu hören.

 

Wir wollen weiter zum Nationalpark Portobelo. Leider finden wir keine Hinweisschilder und fragen  Personen die vor  einem Haus stehend miteinander reden – und erfahren zu  unserem Erstaunen, dass wir mitten drin sind. Etwas ungläubig schauen wir uns um. Obwohl wir ein ganzes Stück gefahren sind, sind wir mitten in einem landwirtschaftlich genutzten Gebiet und immer wieder fahren wir durch kleine Dörfer. Nichts von dem ersehnten Naturschutzgebiet! Wir bekommen den Rat doch weiter zu fahren bis zur ‚grossen Insel’. Da gäbe es auch wunderschöne Strände. Also fahren wir weiter und haben auch immer wieder schöne Blicke auf den Atlantik. Nur, überall wo es einen Sandstrand gibt, sind auch die überlauten Musikboxen und der Müll. Am Ende der Strasse finden wir einen eingezäunten Parkplatz der etwas Sicherheit verspricht. Bei unserer Anfrage verlangt der Besitzer 14 Dollar für den Parkplatz. Das ist uns dann doch zu viel. Wir drehen um und ziemlich frustriert fahren wir den Weg wieder zurück. Unterwegs hierher habe ich ein kleines gepflegtes Restaurant gesehen, das nicht am Strand liegt und darum auch weg vom Rummel ist. Wir fragen da um die Erlaubnis ob wir auf dem Parkplatz übernachten dürfen? Herzlich werden wir willkommen geheissen und in französischer Sprache gefragt, aus welchem Teil der Schweiz wir kommen? Der Wirt ist Franzose und lebt hier mit seiner einheimischen Frau und ihren Kindern.  Wir haben ein nettes Plätzchen unter grossen Bäumen bekommen und verbringen den restlichen Nachmittag mit Reisebericht schreiben und Fotos bearbeiten. Am Abend geniessen wir ein feines Nachtessen im gemütlichen Restaurant, kurz unterbrochen von Margit und Jörg die ebenfalls in der Gegend unterwegs sind und schnell hallo sagen. So hat dieser Tag nun doch noch ein gutes Ende gefunden.

 

Unser heutiges Ziel sind die Kanalschleusen auf der karibischen Seite Panamas. Zwischen den   obersten Schleusen liegt der Gatunsee auf 26 M.ü,Meer, der zugleich Wasserspeicher für die Schleusungen und Fahrrinne für die Schiffe bildet.

Der Panamakanal mit seinen 6 mal 2 Schleusen wurde am 7. Januar 1914 vom Kranschiff „Alexander“ das erste Mal in seiner ganzen Länge durchfahren. Die offizielle Einweihung jedoch, wurde mit der Durchfahrt der SS Ancon, am 15. August 1914 gefeiert. Bei den Ausgrabungen des 12.6 Km langen Gaillard – Einschnitts und der Schleusenkammern an und für sich wurden über 152 Millionen Kubikmeter Material ab transportiert, was einen Eisenbahnzug ergäbe, der 4 mal um die Erde reichen würde.

1928 schwamm Richard Halliburton in 10 Tagen durch den ganzen Kanal und musste dafür US$ 0.36 Cent bezahlen. Seit dem 12. Mai 1963 wird der Kanal rund um die Uhr betrieben. Die Schleusenkammern können Schiffe mit den folgenden, maximalen Ausdehnungen aufnehmen: Länge: 294.13 Meter, Breite: 32.31 Meter und Tiefe: 12.04 Meter. Die Durchfahrt vom Atlantik zum Pazifik oder umgekehrt, dauert 8 bis 10 Stunden. Dies sind nur einige der imposanten Informationen die man als Besucher der Anlagen erhält. Unser Höhepunkt heute ist, dass bei unserer Ankunft die General Guisan mit Heimathafen Basel in den Staustufen einfährt – eines der 6 Hochseeschiffe der Schweiz. Es ist schon ein grosser Zufall, dass wir genau in diesem Moment hier sind und ich gebe es gerne zu – ein bisschen Stolz sind wir schon!

Nach der Besichtigung fahren wir noch bis zum Eintritt des Lago Gatun in die Staustufen und schauen zu, wie die wartenden Schiffe von Bugsierbooten abgeholt werden. Danach fahren wir zur Shelter Marina Bay. Hier waren die Amerikaner stationiert bis sie den Kanal der Regierung von Panama übergaben. Die ganzen Gebäude sind dem Verfall preisgegeben. Weil die Amis für die Anlage nicht die geforderte Summe bekamen, haben sie kurzerhand alles herausgerissen aus den Gebäuden und diese unbewohnbar gemacht. Weiterhin in Betrieb ist die Marina, wo heute die privaten Segelschiffe und Jachten anlanden. Wir nutzen das Angebot des Jachthafens, waschen die Wäsche und schreiben Mails bis der Compi raucht. Gegen Abend ziehen wir uns in den nahen Nationalpark zurück und übernachten beim Fort San Lorenzo, das eine lange Geschichte repräsentiert. Es wurde 1597 zum Schutz gegen Piraten gebaut, dann aber doch 1671 von Henry Morgen eingenommen und später zerstört bevor er es aufgeben musste. 1677 wurde es von den Spaniern wieder aufgebaut, wurde Jahrzehnte später wieder zerstört und noch einmal aufgebaut. Diese Ruinen sind heute noch sichtbar. Zuletzt wurde dieser Standplatz von den Amerikanern während des 2. Weltkrieges als militärischer Stützpunkt genutzt. Ein wahrhaft geschichtsträchtiger Ort der uns heute als Schlafplatz dient.

 

Die letzten Tage in Panama City sind ausgefüllt mit den verschiedensten Behördengängen für die Verschiffung unseres Schnüfeli. Erleichtert wird das ganze Procedere, weil Margit und Jörg ihren Whity auch nach Barranquilla verladen. Geteiltes Leid ist ja bekanntlich halbes Leid. Alles braucht halt viel Zeit, eine Menge Formulare und Stempel – und jede Stelle ist wieder an einem anderen Ort. Aber schlussendlich haben wir alles beisammen, unsere Flüge und die Hotelzimmer in Barranquilla sind auch gebucht.

Leider bekommen wir die Nachricht, dass meine Schwester Sonja schwer erkrankt ist. Am liebsten würden wir Heim fliegen. Sie meint aber, dass wir uns nah sind, auch wenn die halbe Welt zwischen uns liegt. Wir begleiten sie mit all unserer Liebe und bitten Euch mit uns für ihre Gesundheit zu beten.

 

Am 27. Januar 2009 fahren wir Frauen im Mietauto hinter unseren Männern her. Unser Ziel ist Colon wo wir die Camper zum Verladen hinbringen müssen. Wieder heisst es neue Formulare unterschreiben und weitere Stempel einholen – und dann ist es so weit. Unsere Männer fahren die Fahrzeuge ins Hafengelände und wir Frauen schauen von aussen zu wie die Hunde der Zollbehörde nach verbotenen Substanzen schnüffeln. Nun noch die Schlüssel abgeben – und mit dem Mietauto und dem Gepäck von der Atlantikküste zurück zum Pazifik und zum internationalen Flughafen. Wir fliegen nach Kolumbien!