Galapagos Archipel

Am Tag unseres 25. Hochzeitstages sitzen wir im Büro der Safari Tours in Quito und Eduardo stellt uns eine 8-tägige Reise zu verschiedenen Inseln vor. Weil dieser Ausflug über die Ostertage stattfindet, müssen wir nach der Nordtour das Schiff wechseln. Wir finden das nicht so schlimm und schliessen den Vertrag ab. Schon in zwei Tagen geht’s los.

 

Nach einem ruhigen Flug landen wir auf der Insel Baltra, wo wir bereits erwartet werden. Mit dem Bus fahren wir zum Kanal de Itabaca, überqueren diesen mit der Fähre – und stehen nun auf der zweitgrössten Insel des Archipels – auf Santa Cruz. Diese muss nun wieder mit dem Bus überquert werden um zum Hafen Ayora zu gelangen, wo die Motor Yacht Eden auf uns wartet. Im Hochland von Santa Cruz wird die Fahrt drei Mal unterbrochen. Zum einen besuchen wir zwei riesige Einsturztrichter  der Vulkaninsel, die sinnigerweise Los Gemelos , die Zwillinge, heissen. Zum anderen wandern wir in einem 800 Meter langen und 10 Meter hohen Lavatunnel der uns vor dem Ausstieg in die Knie zwingt und auf der Butterfly Ranch begegnen wir den ersten Riesenschildkröten.

Mit einem Beiboot werden wir zu ‚unserem’ Schiff abgeholt. Beziehen unsere Zimmer und schon vor dem Nachtessen werden wir mit der Schiffsglocke zum Briefing gerufen. Hier stellt sich unser Begleiter für die nächsten Tage vor und erklärt uns, was wir Morgen sehen werden. Noch in der Nacht fahren wir zur Insel Santiago. Begleitet mit dem Brummen der Motoren werden wir in den Schlaf geschaukelt.

 

Nach einer Nasslandung - das heisst vom Beiboot ohne Steg ans Ufer - im Bucaneer Cove, wandern wir dem Strand entlang und haben die ersten Begegnungen mit Felsenkrabben und Meeresechsen. Besonders schön ist dann die Fahrt der Küste entlang zur Insel Bartolomé. Die speziellen Felsformationen wie den betenden Mönch mit einem kleinen Elefanten an seiner rechten Seite, bieten ganz spezielle Eindrücke. Am Strand werden wir von den Galapagos Pinguinen erwartet, die sich einen Spass daraus machen neben uns im Wasser liegend im Meer zu Schnorcheln! Ein kurzer Spaziergang bringt uns auf die andere Seite der Insel wo hunderte von Spuren im Sand die Nester der Meeresschildkröten verraten. Heute ist Vollmond und bereits kreisen verschiedene Vögel am Himmel und am Strand warten Graureiher und Felsenkrabben auf die schlüpfenden Jungtiere. Leider (für uns) können wir nicht hier bleiben und dieses Schauspiel erleben. Zum einen ist es im Naturschutzgebiet der Galapagos nicht erlaubt nach 18.°° Uhr die Inseln zu betreten, zum anderen sind wir dann schon auf dem Weg zur Isla Genovesa. Vorher heisst es aber noch den 114 Meter hohen Aussichtspunkt zu erklimmen. Der Weg führt uns durch eine herrliche Lavalandschaft und bietet einen einzigartigen Weitblick, vorbei am Pinnacle Rock zurück zur Insel Santiago.

 

In der Nacht fahren wir zur nördlichsten Insel die besucht werden kann. Die See ist ziemlich unruhig. Trotzdem schlafen wir bald ein und erwachen, weil es so still an Bord ist. Nach sieben Stunden haben wir Genovesa erreicht und liegen in der Darwin Bay.

Gleich nach dem Frühstück wandern wir an einer Rotfusstölpel-Kolonie vorbei, sehen der Begrüssungszeremonie der Blaufusstölpel zu und bewundern die prallgefüllten Kehlsäcke der Fregattvögel. Jedes Männchen das auf sich hält hat sich einen möglichst attraktiven Nistplatz gesucht und wartet nun auf ein Weibchen das über ihn hinweg fliegt. Dann geht die Show ab! Der rote Kehlsack wird bis kurz vor dem Platzen gefüllt, die Schwingen werden flatternd ausgebreitet und mit lauter Stimme wird versucht den Nachbar zu übertönen: „Hierher Mädchen, hierher. Ich bin der Grösste“! Sie nun aber segelt hoheitsvoll über die Bewerber hinweg, setzt sich schon mal beim Einen oder Anderen hin, steigt dann elegant noch einmal auf um sich zu vergewissern, ob es vielleicht doch noch etwas Besseres gibt?  Während einige Weibchen das Auswählen können noch geniessen, sind andere schon am Brüten. In einigen Nestern können wir schon flaumigweiche Kücken bewundern. Allgegenwärtig sind auch die Galapagos-Spottdrossel, die (je nach Insel) verschiedenen Finkenarten und die kleinen Galapagos-Tauben. Sehr glücklich ist aber unser Guia, als er uns in einem Felsspalt die seltene Sumpfohreule zeigen kann. Auf dem Rückweg über die trockene Vulkaninsel, vorbei an Kakteen, zwischen Crotongebüschen und an gelb blühenden Cordien, bewundern wir die weissen Maskentölpel mit ihren schwarzen Augenbinden, die Bindenfregattvögel und die Gabelschwanzmöwen. Das Brutgeschäft ist in ganz verschiedenen Stadien zu beobachten. Die Einen sammeln noch Nistmaterial, Andere sitzen auf ihrem Ei oder füttern bereits ihr Junges. Aber auch in diesem Paradies bewahrheitet sich der Spruch: „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben ……..“. Vor allem die Fregattvögel sind regelrechte Nesträuber und scheuen auch nicht davor zurück die viel kleineren Tölpel im Flug anzugreifen um ihnen das Nistmaterial zu stehlen.

Bevor wir wieder zum Schiff zurückfahren, gleiten wir mit dem Beiboot an der Küste entlang und schauen bei einer Kolonie Pelzrobben rein, die in den Felsen faulenzen.

 

Nach der Siesta besuchen wir die Darwin Bay Beach und müssen bei der Landung mitten durch eine Seelöwen-Kolonie. Einige Jungtiere schmiegen sich eng an ihre Mutter um sich immer mal wieder an der Milchbar zu bedienen. Teenager lassen sich genüsslich an der Wasserkante von den Wellen hin und her rollen oder fordern ihre Spielkameraden zum Wettschwimmen oder Zweikampf heraus. Einige Machos stellen sich zur Schau während die Weibchen einzeln oder in kleinen Gruppen in der warmen Sonne dösen. Ach ja – das Leben kann soo schön sein!

Einige von unserer Gruppe wollen hier am Strand Schnorcheln. Wir anderen gehen weiter, vorbei an den Vogelkolonien und den Nachtreihern zur Kliffkante, von wo man einen herrlichen Blick in die Darwin Bay hat. Auf dem Rückweg werden wir noch auf eine Besonderheit dieser Insel hingewiesen. Weil es hier weder Schildkröten noch Echsen gibt die an den Kakteen knabbern, haben diese im Laufe der Evolution ihre harten Stacheln in weiche, borstenähnliche Haare umgewandelt.

Wie immer, wenn wir von einem Ausflug zurück an Bord kommen, werden wir mit einem erfrischenden Getränk und einem kleinen Snack verwöhnt. Danach ist genug Zeit um sich in den Liegestühlen an der Sonne zu räkeln, die gemachten Fotos zu begutachten, zu lesen oder sich einfach in der Kajüte auszustrecken und zu dösen. Ach ja – das Leben kann soo schön sein!

 

Eine ruhige Nachtfahrt hat uns zurückgebracht zur Insel Santa Cruz. Diesmal ankern wir im Norden  und fahren mit dem  Beiboot in die Mangrovenbucht Caleta Tortuga Negra. Hier können wir ganze Rochengruppen und Meeresschildkröten beobachten, die zur Paarung diesen Platz aufsuchen. An der Playa de las Blachas dann sehen wir leider nicht die erwarteten Flamingos, dafür aber andere seltene Vögel und Meeresechsen.

Am nahen Canal de Itabaca verabschieden sich unsere Mitreisenden. Von hier können sie bequem mit dem Bus zum Flughafen fahren. Wir bleiben noch an Bord und lassen uns zum Hafen schippern, wo wir dann auf die Motor Yacht Guantanamera wechseln. Mit ihr erkunden wir die Südinseln. Zu uns stossen noch je ein Paar aus Dänemark, Deutschland und Burma, sowie aus New York ein chinesischer Mann mit seiner 15-jährigen Tochter.

 

Unsere erste gemeinsame Erkundigung gilt der Insel Plaza Sur nahe der Westküste der Insel Santa Cruz. Sie ist sehr klein und ragt nur 24 Meter über Meer. Unser Beiboot fährt zum Landungssteg – und wird von Seelöwen am Anlanden gehindert. Trotz allen Bemühungen unseres erfahrenen Ranchers sind sie nicht bereit den Steg zu räumen. Im Wasser der angrenzenden Lavafelsen toben die Jungen. Aber mit viel Geschick umfährt sie unser Bootsführer und wir können doch noch über die Felsen trockenen Fusses auf die Insel. Hier treffen wir das erste Mal auf Landleguane. Ein knapp einstündiger Spaziergang der uns zum Teil durch einen Kaktuswald führt, bringt uns wieder zum Ausgangspunkt zurück. Schon während wir das Mittagessen einnehmen, startet unser Kapitän sein Schiff zur Insel Santa Fe. Hier haben wir die Gelegenheit zum Schnorcheln in einer tollen Lavafelsen- Unterwasserlandschaft. Leider haben wir keine Unterwasserkamera um all die Schönheiten einzufangen. Riesige Fischschwärme die Wolkengleich an mir vorüberziehen. Rochen mit vielen weissen Punkten die wie Perlen schimmern, Meeresschildkröten die am Grund grasen, Fische in allen möglichen Farben und Formen, Seesterne und und und. Was wir nicht antreffen sind die Weissspitzen- und Hammerhaie die uns versprochen wurden. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich das nun bedauern soll – oder ob ich nicht doch eher froh darüber bin. Sehr schön ist auch der Landausflug der uns, vorbei an Seelöwen zu den 25 Meter hohen Kliffs führt von wo man herrlich den Flugmanövern der Seevögel zuschauen kann. Wir erfahren, dass die Leguane schlechte Schwimmer sind, was dazu führt, dass der hier lebende gelbe Landleguan auf keiner anderen Insel vorkommt. Dieses Naturgesetz gilt auch für viele andere Tiere und Pflanzen dieses einzigartigen Archipels. So hat jede Insel ihr eigenes ‚Gesicht’. Keine gleicht der Anderen und jedes Mal wird der Landgang wieder zum neuen Erlebnis.

 

Für uns heisst es einmal mehr Abschied nehmen. Im Briefing vor dem Nachtessen werden wir auf die südlichste Insel unserer Reise eingestimmt. Unser Schiff ist ein umgebautes Fischerboot. Der Kiel ist nicht sehr tief und entsprechend unruhig ist die Nachtfahrt zur Insel Española. Aber der Sonnenuntergang gestern Abend war grossartig!

Schon um 8.°°Uhr landen wir an der Gardner Bay mitten unter den Seelöwen. In der Bucht erhebt sich eine zerissene Felseninsel in deren Höhlen Hundshaie liegen sollen. Natürlich lassen wir es uns nicht nehmen mit der Schnorchelausrüstung hinaus zu schwimmen. Wieder verzaubert uns die Unterwasserwelt die aber, durch das kühle Wasser des Humboldtstromes, nicht so bunt wie in den Korallenmeeren ist. Aber in ihrer Einzigartigkeit trotzdem ein besonderes Erlebnis.

Am Nachmittag erkunden wir den Wanderweg auf der gegenüber liegenden Seite der Insel. Die Westseite am Punto Suarez zeigt ein ganz anderes Gesicht. Wieder gehen wir an den verschiedensten Vogelarten vorbei bis wir zu der Albatrosskolonie kommen. Was für eindrückliche Vögel! Das hohe Kliff nutzen sie um sich in die Lüfte zu erheben. Wir sind mitten in ihrem ‚honeymoon’ bei ihnen eingetroffen und können ihr Liebesspiel beobachten. Bevor wir zum Boot zurück gehen setzen wir uns an die Kliffkante, schauen den Seevögeln zu und bewundern die Blowhole die, aus einem eingebrochenen Basaltloch das mit dem Meer verbunden ist, seine 20 Meter hohe Wasserfontäne in die Luft speit.

Sobald wir an Bord sind, startet der Kapitän die Motoren. Noch bevor wir schlafen gehen haben wir die Insel Floreana erreicht, was eine ruhige Nacht verspricht. Der ruhige Abend wird plötzlich mit dem Ruf: „ Wal bläst voraus“! unterbrochen. Alles läuft zum Bug – und tatsächlich – da sind sie! Der Kapitän wendet das Schiff, drosselt die Motoren und wir gleiten langsam auf die Wale zu. Sie sind schnell unterwegs. Aber immer wieder sehen wir ihre Atemfontäne und im eleganten Bogen tauchen sie wieder ab um an ganz anderer Stelle erneut aufzutauchen. Sie schwimmen in entgegen gesetzter Richtung und nach einer Weile wendet unser Boot und auch wir fahren unserem Ziel entgegen, direkt in einen farbenprächtigen Sonnenuntergang.

 

Am Morgen erwachen wir am Punta Cormorant am olivgrünen Strand der Insel Floreana, spazieren an der Flamingobucht vorbei zum schneeweissen Strand  an dem sich Seelöwen räkeln und Meerechsen sonnen. In der Flamingobucht ist nur eine ganz kleine Kolonie weit draussen zu sehen. Der Rancher erzählt uns, dass sie sich nicht erklären können, warum die Population von mehreren hundert Tieren auf diese wenigen zusammengeschrumpft ist. „Die Bedingungen für die Tiere ist hier ideal. Es ist genug Futter da und alles Andere stimmt auch. Wir können nur hoffen, dass im nächsten Jahr wieder mehr Tiere hierher finden“. Wieder haben wir viel Zeit zum Schnorcheln bevor wir uns aufmachen zu den Lavatunnels in der Post Office Bay die schon seit Jahrzehnten von Schiffen angefahren wird um einerseits seine eigenen Briefe in einem Fass zu hinterlegen, aber auch um zu schauen ob Briefe darin liegen die mitgenommen werden können, weil sie an der eigenen Route liegen. Natürlich nutzen auch wir diesen einzigartigen Service – und werden selber zum Postboten.

Kaum hat unser Schiff wieder Fahrt aufgenommen werden wir durch den Ruf des Kapitäns: „ Delfine am Bug“! an die Reling gelockt. Was für ein Bild! Zehn Hintern hängen in der Luft – nur wird hier nicht ‚gespukt’ sondern gejauchzt. Die wunderschönen Tiere schwimmen mit uns um die Wette. Es ist wirklich nicht ganz klar, wer mehr Spass hat. Sie oder wir. Mühelos schwimmen sie hart am Boot, machen kleine Sprünge, gleiten zur Seite ab nur um das Schiff von hinten wieder zu überholen. Was für ein Schauspiel! Noch beim Briefing sind sie DAS Thema! Danach geht’s zum letzten Nachtessen an Bord und wir werden zum Abschied vom Koch mit einer wunderschönen Torte überrascht.

 

An unserem letzten gemeinsamen Morgen auf Santa Cruz Island besuchen wir die Darwin Forschungsstation. Erfahren hier viel über die Arbeit der Rancher und Forscher und besuchen natürlich auch Lonesome George – den einsamen George. Den letzten Überlebenden seiner Art von der Insel Pinta. Man hat ihm zwei Weibchen derselben Schildkrötenfamilie von einer anderen Insel ins Gehege gegeben und war überglücklich als sie Eier legten. Leider stellte sich heraus, dass sie nicht befruchtet waren. Also heisst die Devise: Weiter hoffen und gaanz fest die Dauen drücken!

Auf der Rückfahrt zum Flughafen ist es im Bus sehr still. Jeder träumt wohl wie ich von den vergangenen Tagen. Der einzigartigen Tierwelt, den Inseln mit ihren unterschiedlichen ‚Gesichtern’. Den Sandstränden die auf dem Archipel in den Farben Weiss, Schwarz, Olivgrün, Rot und Gold leuchten. Der Unterwasserwelt, den Sonnenuntergängen und dem Verwöhnt werden an Bord, die tolle Reisegruppe ……. eine ganz besondere Zeit auf unserer Weltreise.