Costa Rica

 

An der Grenze Nicaragua/Costa Rica stehen kilometerweit LKW’s. Seit Tagen wird gestreikt und wir erfahren, dass zurzeit gar nichts geht. Hanspeter nimmt sich einen Helfer der uns mit Hilfe von (viel zu vielen) Dollars durch die Grenze lotst. In Liberia kaufen wir ein und fahren dann zum Nationalpark Rincon de la Vieja. In der Hacienda Guachipelin erfahren wir, dass der angegebene Campingplatz nicht mehr betrieben wird. Weil es schon eindunkelt, nehmen wir ein Zimmer im Hotel. Draussen stürmt es so stark, dass die Gäste gebeten werden ihre Autos umzustellen. Hoffentlich geht’s unserem Schnüfeli Morgen noch gut.

 

Nach einem herrlichen Frühstück fahren wir bei weiterhin stürmischen, aber schönem Wetter zum Nationalpark. Unterwegs steht an einem Zauntor ein Mitarbeiter der Hacienda und erklärt uns, dass dies eine Privatstrasse ist und von ihnen instand gehalten werde. Dafür haben sie das Recht, Strassenzoll zu verlangen. Pro Person bezahlen wir 700 Colones (ca. 1.30 Fr.). Die Quittung ist offiziell vom Nationalpark. So bleibt uns nichts anderes als zu zahlen. Costa Rica wird uns wohl lieb und teuer in Erinnerung bleiben.

Vor dem Parkeingang ist ein grosszügiger Parkplatz mit einer tollen Weitsicht angelegt und die Rancher erlauben uns da GRATIS für die Nacht zu stehen, WOW! Hier in der Parksektion Pailas sind verschiedene Wanderwege angelegt. Wir entschliessen uns für den 3km langen Rundgang. Der Park und seine Wege sind sehr naturbelassen. Nur einmal hilft uns eine Hängebrücke über ein Gewässer. Sonst heisst es über Stock und Stein, oder halt auch auf Baumstämmen die Gewässer überqueren. Ein stetiges Auf und Ab führt uns durch diesen traumhaften Wald und zu seinen vielen Höhepunkten wie: Wasserfall, kochende Wasserlöcher, heisse blubbernde Schlammlöcher, Fumarolen, einem kleinen rauchenden Vulkan und und und. Wir sind begeistert und können kaum glauben, dass die 3 Kilometer schon abgelaufen sind. Hier im Wald haben wir von dem Sturm draussen kaum etwas gemerkt. Jetzt sind wir doch etwas besorgt weil wir auf dem Parkplatz ungeschützt stehen. Unsere Frage ob wir uns innerhalb des Parkgeländes, vom Rancherhaus geschützt, aufstellen dürfen wird mit einem: „Es tut mir leid, das darf ich leider nicht erlauben“, beantwortet. Er rät uns aber zu warten bis der Kiosk unterhalb des Parkplatzes schliesst und dann dieses Gebäude als  Windschutz zu nutzen. Ein Rat den wir nur zu gerne befolgen. Morgen wollen wir zur Sektion Santa Maria weiterfahren, wo uns ein Campingplatz mehr Schutz bietet.

 

Pünktlich um 8.°°Uhr steht der Rancher, den wir nach Santa Maria mitnehmen, vor unserem Auto. Nur zwei Kilometer unterhalb des Parkplatzes geht eine Verbindungsstrasse links ab.  Auch hier ist die Naturstrasse in relativ gutem Zustand. So sind die mehreren 15%-Steigungen und Senkungen ohne Probleme zu bewältigen. Vorbei an der Baustelle eines geothermischen Kraftwerkes und durch eine weitere Zahlstelle der Privatstrasse kommen wir gut voran bis zur Abzweigung die rechts nach Liberia und links zu unserem heutigen Ziel führt. Ab hier gibt’s doch einige Schwierigkeiten, die die Männer sogar einmal zur Tiefenkontrolle eines Schlammloches zum Aussteigen zwingt. Dann aber stehen wir in einer Waldlichtung vor dem Rancherhaus. Etwas unterhalb dürfen wir uns am Waldrand einrichten. Für die Mitnahme des Ranchers bekommen wir den Eintrittspreis zum Einheimischentarif. Hinter uns, unter den Bäumen, sind Picknickplätze eingerichtet und es gibt sogar Duschen und WC und frisches Quellwasser! Was für ein Luxus. Sogleich machen wir uns auf eine Erkundungstour, müssen aber wegen Hochwasser führenden Bächen bald wieder umkehren. Dafür haben wir Wildtierbegegnungen. Wir fühlen uns sofort wohl hier und freuen uns auf einige Wandertage in den Bergen.

 

Am nächsten Morgen sieht der Himmel aus wie einer verwischte Wandtafel und es nieselt. Weil die Strasse hier herauf gestern schon etwas schwierig war, entschliessen wir uns - nach Rücksprache mit dem Rancher – doch schon heute wieder abzufahren. Der Wetterbericht meldet für die nächsten drei Tage den Durchzug einer Kaltwetterfront. So  geht’s früher als geplant wieder zurück nach Liberia. Auf dieser Strecke fahren wir am Kehrichtabladeplatz der Stadt vorbei und zum ersten Mal sehen wir ‚Abfallmenschen’. Der junge Parkangestellte der mit uns fährt erzählt uns: „ Diese Menschen, darunter viele Kinder, sind sehr arm und leben auch in diesem Schmutz. Sie haben keine Möglichkeit die Schule zu besuchen. Ihr Leben ist sehr schwierig und hoffnungslos“. In der Stadt gehen wir mit einem gedrückten Gefühl einkaufen und fahren dann weiter in Richtung Nicaragua. Ca. 40 km vor der Grenze ist die  Abzweigung zum Nationalpark Santa Rosa, Sektion Playa Junquillal. Hier werden wir von Papageien und Leguanen begrüsst. Was für ein Versprechen für die nächsten Tage!

 

Am Morgen werden wir von den Vögeln geweckt. Wir stehen in einer Nische unter hohen Bäumen mit eigenem Wasseranschluss und Grill. Leider darf man das herumliegende Holz nicht nutzen. Aber zum Glück haben wir genügend Holzkohle dabei für das heutige Steak und den für Morgen geplanten Eintopf. Vor uns ist nur noch Sand und Meer. Ein kilometerlanger Strand säumt eine Bucht an die niedere Wellen murmeln. Gegen das offene Meer begrenzen kleine Inseln, hinter denen am Abend die Sonne in leuchtenden Farben versinkt, den Blick. Raupen, Schmetterlinge, verschiedenste Vögel, Leguane, Waschbären, Weissgesicht-Affen und einige Tiere deren Namen wir nicht kennen, teilen mit uns diesen schönen Flecken. In den 5 Tagen unseres hier seins, besuchen nur wenige Menschen den Nationalpark. Wir geniessen das exklusive Leben im Paradies mit allen Sinnen. Erst der leere Kühlschrank zwingt uns zum Abschied nehmen. In unmittelbarer Nähe existiert der Nationalpark Santa Rosa. Nach dem Einkauf wollen wir hin. Wer weiss, was uns da erwartet!?

 

Zum ersten Mal in Costa Rica fahren wir in einem Nationalpark auf einer geteerten Strasse bis zum Campingplatz. Wie die übrigen Plätze ist er mit Frischwasser, WC und Kaltwasserdusche eingerichtet. Wieder stehen wir unter hohen Bäumen, aber diesmal im Wald. Von hier geht eine 12km lange Naturstrasse zum Strand ab. Sie ist nur mit 4x4 Fahrzeugen zu bewältigen, aber zurzeit sogar für die gesperrt. So bleibt uns nur das Spazieren im Wald und zu einem Aussichtspunkt oberhalb eines heutigen Museums zu gehen, dessen Gebäude seit dem 16. Jahrhundert bestehen. Wir bleiben nur zwei Nächte hier. Die Anzeige des Gastankes zeigt bedenklich Richtung Null. Bei der letzten Tankfüllung kam es zu einem Autobrand. Die sichtbaren Schäden konnten zum Glück mit einer gründlichen Reinigung und etwas Farbe beseitigt werden. Nun wollen wir die Gelegenheit nutzen und die ganze Gasanlage kontrollieren lassen. Mit etwas mulmigem Gefühl fahren wir zum Auftanken und bekommen die Auskunft, dass wir zur Kontrolle am besten zur Hauptstadt San Jose fahren. Na ja, sind ja nur 200 Kilometer! Von Margit und Jörg wissen wir, dass es im Süden eher regnerisch und kühl ist. Aber was soll’s. Die Sicherheit geht vor.

 

Erst vier Tage später können wir wieder Richtung Norden und damit – hoffentlich – in die Sonne fahren. Das Wetter hier ist sehr durchzogen. Mehr Wolken und Regen als Sonne. Der Grund für unseren längeren Aufenthalt liegt in der Schwierigkeit jemanden zu finden der etwas von Gasgeräten in Camper versteht. Aber schlussendlich hat’s doch noch geklappt und guten Mutes fahren wir nach Liberia. Unterwegs zeigt nun aber unser Schnüfeli wieder seine alten Macken. Auf dem Weg zum Nationalpark Las Baulas sehen wir eine Dodgevertretung. Vielleicht sollten wir die Gelegenheit nutzen? Hanspeter möchte noch einen Eratzkeilriemen und die Bremsen kontrollieren lassen. Übermorgen ist das bestellte Ersatzteil da und wir machen noch einen Termin für die Garage ab. Es geht schon gegen Abend und wir entschliessen uns noch einmal zum NP Santa Rosa zu fahren und da bis Freitag zu bleiben.

 

Die Reparaturen können auch alle erledigt werden und der Keilriemen ist auch da, nur die Bremsbeläge der Hinterräder müssen dringend erneuert werden. Dafür ist aber eine andere Werkstatt zuständig. Kurz vor Feierabend erreichen wir den Tailler und bekommen für Morgen um 8.°°Uhr einen Termin. Hier in Liberia gibt’s keinen Campingplatz. So stellen wir uns beim Einkaufscenter hin zum Schlafen.

 

Das Aufziehen der Bremsbeläge dauert über vier Stunden. Erst nach 12.°°Uhr fahren wir in Richtung NP Las Baulas, wo wir schon vor knapp einer Woche hinwollten. Wir haben schönes Wetter und freuen uns auf den Strand. Die Strasse ist bis zum Park geteert. Da heisst es aber: „ Wir stehen im Aufbau. Nur der Strand ist Naturschutzgebiet. Alles Land gehört Privaten. Da werden sie kaum eine Möglichkeit zum  Schlafen finden. Am besten fahren sie nach Tamarindo. Da gibt es einen privaten Campingplatz“. Von ihm haben wir schon gehört und weil es schon deutlich Nachmittag ist, bleibt uns wohl auch keine andere Wahl. Allerdings ist dieser Ort ganz auf Touristen eingestellt mit den üblichen Angeboten an Vergnügungslokalen, Hotels uns Fast Food-Ketten. Nicht gerade das was wir suchen. Der Campingplatz existiert auch nicht mehr. Wir finden einen Platz am Meer, mit kilometerlangem Sandstrand und vorgelagerten  Inseln, herrlich unter grossen Bäumen – aber mit lauter Strandbar daneben und Abfallbergen im Rücken.  Ein gutes (oder besser schlechtes) Beispiel wie der Massentourismus genau das kaputt macht, was die Urlauber eigentlich suchen. Aber in einem der tollen Hotels wohnend kann man gut die Augen verschliessen und schöne Urlaubskarten nach Hause schicken. Wir wollen Morgen am 6. 12. auf jeden Fall weiter und hoffen, dass der Nikolaus für uns etwas Schönes bereit hält.

Am Abend spazieren wir Hand in Hand dem Strand entlang dem Sonnenuntergang entgegen – und da sehen wir ein wunderbares Plätzchen. Nur ein Zelt steht da. Über uns in den Bäumen die Brüllaffen, vom Meer her das ewig monotone Geräusch der Brandung und nur von weit weg ist noch der Bass von der Bar zu hören.  Noch lange sitzen wir im Baumschatten werfenden Licht des Halbmondes und lassen diese Ruhe auf uns wirken.

 

Am nächsten Morgen sucht Hanspeter ungläubig seine Hosen. Ich necke ihn, dass es doch in unserem kleinen Haus wohl kaum soo viele Möglichkeiten zum Verlegen der Kleidung gibt.  Bis wir entdecken, dass das Fliegengitter in der Nacht aufgeschnitten wurde. Die Hose mitsamt Geldbeutel (zum Glück war nicht so viel Geld drin und keine wichtigen Papiere) bleibt verschwunden. Während des Frühstücks parkiert ein Auto in unserer Nähe. Zwei Jungs und eine junge Frau steigen aus und beraten sich, immer wieder mit dem Blick zu uns. Nach einer Weile kommt sie mit einer Zahnbüste und fragt nach ein wenig Wasser. Ihre blendend weissen Zähne sehen nicht aus als ob sie noch nicht geputzt worden wären. Nach einem neugierigen Blick in unser Auto geht sie zu ihren Freunden zurück. Wieder wird beraten und ihre Blicke schweifen immer wieder zu uns rüber. Wir fühlen uns sehr unwohl und beschliessen das Frühstück abzubrechen und weiter zu fahren. Erst jetzt bemerken wir, dass auch die Autoschlüssel fehlen! Eben startet unser Nachbar sein Auto. Hanspeter erzählt ihm unser Missgeschick und bittet um eine Mitfahrgelegenheit bis zur Polizei. Die ganze Zeit in der ich auf seine Rückkehr warte, werde ich von den Dreien nicht aus den Augen gelassen. Erst als er mit dem Polizeiauto vorfährt, steigen sie ein und fahren ab. Die Beamten versprechen uns – trotz Sonntag – einen Schlüsselmacher zu organisieren.

Sie sind noch nicht lange abgefahren, kommt eine junge Frau auf uns zu: „Haben sie vielleicht etwas gesehen? Ich war mit meinem Jungen eine Stunde am Strand. In der Zwischenzeit wurde in mein Auto eingebrochen. Mir fehlen die Wagenpapiere, das ganze Geld, 2 Pässe und 4 Kreditkarten“. Leider ist die einzige Hilfe die wir anbieten können, dass Hanspeter sie zur Polizei begleitet. Sie ist Südafrikanerin und spricht kein Wort spanisch.

Am Nachmittag kommen die Beamten mit dem Schlüsselmacher. Er kann tatsächlich Reserveschlüssel herstellen. Sein Werkzeug besteht aus einigen Schlüsselrohlingen, einer Zange und eine Dreikantfeile. So einfach geht das! Wir beschliessen, trotz Einladung der Südafrikanerin bei ihrem  Haus zu schlafen, nach Liberia zu fahren. Irgendjemand hat unsere Schlüssel und weiss genau zu welchem Auto sie gehören! Wir wollen so  schnell wie möglich die Schlösser auswechseln.

Diese Nacht verbringen wir beim Einkaufscenter. Die Wachen versprechen ein ganz besonderes Auge auf uns zu haben. Einer kennt sogar jemanden der unsere Schlösser wechseln kann. Er versucht ihn zu erreichen, damit wir Morgen zu ihm hinfahren können.

 

Die Dodgegarage muss ein neues Zündschloss in San Jose bestellen. Das bedeutet, dass wir mindestens noch zwei Nächte hier in Liberia sein werden. Wir bekommen die Erlaubnis im bewachten Areal der Garage zu schlafen. So sind wir wenigstens sicher. Am 10. 12. sind alle Schlösser ausgewechselt. Noch während der Arbeiten stossen Margit und Jörg zu uns. Auch ihr Auto musste unterwegs repariert werden. Wir freuen uns riesig sie gesund wieder zu sehen und wir planen zusammen die nächsten Tage zu verbringen. Ich möchte noch einmal zur Playa Junquillal, wo wir so schöne Tage verbracht haben. Sie wollen hoch zum Rincon de la Vieja mit den zahlreichen vulkanischen Erscheinungen.

Nach dem Einkauf fahren wir also nach Norden – und freuen uns sie so schnell wieder zu sehen. Die Vulkanregion versteckt sich hinter Wolken. So kommen sie zuerst mit uns zum Strand. Wir alle hoffen, dass es in den nächsten Tagen in den Bergen aufklart. Wir möchten gerne zum Vulkan Arenal und in den Nebelwald im Nationalpark Monteverde, wo Margit und Jörg schon waren. Aber zuerst einmal geniessen wir das herrliche Wetter hier am Pazifikstrand mit Schwimmen, Wandern und die Seele baumeln lassen.

 

Am 15. ist es so weit. Das Wetter spielt mit und wir starten zum Lago Arenal und dem gleichnamigen Vulkan. Wieder heisst es Abschied nehmen von unseren Freunden. Am 23. Dezember wollen wir uns wieder hier am Strand treffen. Wir fahren zuerst südwärts bis Canas. Von hier geht die Strasse ab zu unserem nächsten Ziel. Die geteerte Strasse wird schmaler und windet sich in zahlreichen Biegungen um und über die grünen Hügel einer vorwiegend landwirtschaftlich genutzten Region. Von einem Höhenzug  sehen wir zum ersten Mal runter auf den Lago Arenal, der hier am Westufer ziemlich Wellen schlägt. Hier treffen sich wegen der guten Bedingungen die Windsurfer der ganzen Welt. Ueber den See hinweg können wir den rauchenden Vulkan Arenal bewundern. Die Fahrt am See entlang führt durch Restbestände des Regenwaldes und immer wieder sehen wir den See und den Vulkan aus andren Blickwinkeln. Wir geniessen die Fahrt bis uns ein entgegenkommender Fahrer mit Handzeichen anzeigt, dass wir unser Tempo reduzieren sollen. Nach der nächsten Kurve sucht eine Familie Nasenbären am Strassenrand nach Futter. Ich schnappe mir schnell die Kamera und pirsche die Tiere an. Unterdessen haben sie die offen gelassene Autotüre entdeckt und einige Neugierige gehen ohne grosse Scheu darauf zu. Erst die Stimme von Hanspeter lässt sie zurück weichen.

Am Ende des Sees fahren wir über den Damm weiter nach Fortuna, wo wir noch vor der Stadt eine Campingmöglichkeit finden. Kurz vor dem Eindunkeln wollen wir zur Finca El Silencio von wo man einen guten Blick zu den Hängen des Vulkans hat. Wir hören, dass heute seit Wochen das Wetter einen Blick auf die ausfliessende Lava freigibt. Hier erfahren wir auch, dass die ausgespeiten Brocken in eine andere Richtung fallen und wir bekommen eine Wegbeschreibung von wo aus wir dem Schauspiel am besten zusehen können. Und wir haben tatsächlich Glück und können einige kleinere und grössere Eruptionen beobachten.

 

Gegen Morgen beginnt es zu regnen. Wir beschliessen den heutigen Tag auf dem Campingplatz zu bleiben und endlich den Reisebericht und die vielen Fotos zu bearbeiten.

 

Zum Glück hat der Himmel über Nacht wieder aufgeklart und wir fahren zum Wasserfall  „la Fortuna“. Der sehr steile Weg hinunter führt uns durch den Nebelwald und geht über steile unregelmässige Stufen zum Aufprallbecken hinunter. Nach dreiviertel des Weges zittern die Oberschenkel und die Knie sind ganz weich. Aber das Schauspiel das wir zu sehen bekommen ist einfach grandios. Zum Glück geht’s nachher nur aufwärts. Da können die überstrapazierten Muskeln wieder entspannen. Bevor wir vor dem einsetzenden Regen flüchten, schauen wir einigen Waghalsigen zu die an Seilen hängend in einem unglaublichen Tempo die Schlucht des Rio Fortuna überfliegen. Na da lob ich mir doch lieber den Muskelkater vom Treppensteigen!

 

Kaum im Auto, reissen die Wolken schon wieder auf und wir entschliessen uns, nun doch zu der Schmetterlings-Forschungsstation zu fahren. Hier hoffe ich, neben guten Informationen, auch auf einige schöne Bilder. Die Sommervögel sind hier sehr häufig zu sehen, aber sie sind solche Unruhefalter, dass sie mit der Kamera schwer einzufangen sind.

Unser Schnüfeli trägt seit einiger Zeit ein Schweizerkreuz auf der Motorhaube. Eben wollen wir das Gebäude betreten, da werden wir im vertrauten Thurgauerdialekt angesprochen. Es ist immer wieder schön Menschen von Daheim zu treffen. Den neusten Tratsch und Nachrichten zu erfahren und Tipps zu bekommen und zu geben. Auch dieses Mal gibt es ein fröhliches Hin und Her bevor wir uns wieder verabschieden.

Die Butterfly-Sanctuary hat unsere Erwartungen mehr als erfüllt. Ein junger Angestellter begleitet uns. Er hat viel Interessantes zu erzählen, macht uns auf  Besonderheiten aufmerksam. Zeigt auf Eier an den Blattunterseiten, deutet auf Verpuppungen, bringt einen riesigen Nashornkäfer, hebt Blätter hoch unter denen sich kleine Frösche verbergen und zeigt uns so manches an dem wir ohne ihn vorbeigelaufen wären. Da macht es gar nichts aus, dass auf dem Rückweg zum Auto der Regen wieder einsetzt. Mehr als zufrieden fahren wir zum Campingplatz. Allerdings müssen wir dann doch noch einmal stoppen. Zu sehr lockt das Schild von einem Steakhaus.

 

Weil es heute Morgen immer noch nieselt, entschliessen wir uns wieder runter zum Pazifik zu fahren. Schon kurz nach Fortuna haben wir wieder blauen Himmel. So geniessen wir die Überlandfahrt durch die Berge Costa Ricas. Auch wenn die Berge nur grüne Hügel sind. Zum Teil sind sie mit Nebelwald bewachsen. Zum grossen Teil aber gerodet und Viehherden weiden, als wären wir in den Voralpen. Hier muss in den letzten Tagen ein starkes Unwetter durchgezogen sein. Nachdem es schon seit Wochen viel geregnet hat, ist der Boden aufgeweicht und zahlreiche Erdrutsche haben die Strasse verschüttet. An zwei Stellen ist der halbe Fahrweg abgerutscht und eine grosse Brücke ist erst behelfsmässig eingerichtet. Wir kommen aber überall sicher durch und allmählich  verändert sich die Landschaft. Die Viehweiden werden durch Oelnuss-Palmen abgelöst, die in grossen Plantagen beidseits der Strasse angepflanzt sind.

 

Nach einer Übernachtung in Jaco erreichen wir gegen Mittag den Strand vom Nationalpark Manuel Antonio und finden eine sichere Campingmöglichkeit bei einem ehemaligen Hippie der nach eigenen Angaben nach 55 Jahren hier immer noch Happy ist. Don Hernan und Don Daniel begrüssen uns mit Blumen und mit einer Fruchtplatte heissen sie uns willkommen. Noch bevor wir richtig eingerichtet sind, muss ich bereits mit der Kamera auf jagt. Über unseren Köpfen turnen Totenkopfäffchen und später am Strand zieht eine ganze Schar Kapuzieneräffchen an uns vorbei. Nach einem Bad in den lauwarmen Wellen gönnen wir uns im Strandrestaurant eine sehr gute Portion Schwertfisch. Mmmh, lecker! Reisen kann manchmal doch sehr anstrengend sein! Für uns ist es klar, wir bleiben mindestens noch bis Sonntag hier. So viel Schönes kann man gar nicht an einem Tag verkraften. Danach wird es aber Zeit wieder zurück zu fahren nach Junquillal, wo wir mit Margit und Jörg verabredet sind.

 

Die Sonne scheint und wir haben noch Zeit bis Weihnachten und wir entschliessen uns doch noch ins Orosital zu fahren. Es gibt eine sehr schöne aber kurvige Ueberlandstrasse auf der wir San Jose umfahren können. Landschaftlich wunderschön windet sich die Strasse zwischen und über die grünen Hügel. In einer dieser steilen langen Auffahrten kommt unser Schnüfeli so zum Schwitzen, dass wir drei Mal anhalten müssen um den Motor abkühlen zu lassen. Beim dritten Mal stehen wir vor dem Bergrestaurant und haben beim Mittagessen einen tollen Ausblick über die Täler bis runter zum Meer. Aber wegen des Motorenproblems entschliessen wir uns zum Campingplatz  in San Jose zu fahren und Morgen Montag zur Dodgegarage zu fahren. Hier treffen wir Christine und Welf aus Deutschland mit denen wir Reiseerfahrungen austauschen und einen gemütlichen Abend verbringen.

 

Sie müssen heute ebenfalls in die Werkstatt und fahren uns voran. Der Zufall will es, dass die Mercedes- und Dodgegarage unter demselben Dach vereinigt sind. Ja, Glück muss man haben! Hier lernen wir Uschi und Hans kennen, die nach einem schlimmen Unfall ihren Hymer wieder instand stellen lassen. Gemeinsam gehen wir in ein feines Restaurant zum Mittagessen. Es ist schon dunkel wie wir nach erfolgreicher Reparatur wieder zum Campingplatz zurück kommen. Zu Weihnachten hat unser Schnüfeli einen neuen Thermostaten erhalten.

 

Heute ist schon der 23. 12. und für uns wird es nun höchste Zeit nach Junquillal zu unserem Strand zu fahren. Wir kommen trotz bevorstehenden Feiertagen und einigen Baustellen gut durch und sind schon kurz nach zwei Uhr da. Inzwischen gehören wir schon fast zur Familie und werden entsprechend herzlich empfangen. Natürlich wollen die Rancher genau wissen wo wir waren und was wir denn so alles erlebt haben? Es ist schön, so vertraut willkommen geheissen zu werden.

 

Am 24. kommen Margit und Jörg  und wieder geht’s ans Erzählen und Zuhören. Am Nachmittag schmücken wir unseren Platz weihnachtlich und rüsten das Gemüse fürs abendliche BBQ. Eine feine Pinacolada eröffnet unseren gemütlichen heiligen Abend. Das Essen wird durch leise Weihnachtsmelodien untermalt und mehr als einmal wird auch mitgesummt. Noch vor dem Dessert liest uns Jörg eine besinnliche Geschichte vor und beim gemütlichen Zusammensitzen bei einem feinen Glas Wein können wir ihm noch eine zweite Geschichte entlocken. Es geht schon deutlich gegen Mitternacht wie wir diesen wunderschönen Abend beschliessen und uns in unsere Autos zurück ziehen.

 

In der Nacht hat es kurz geregnet. Aber nun scheint wieder die Sonne und es verspricht ein heisser Tag zu werden. Wir wollen ein bisschen spazieren, gehen durch den Wald und kommen so gemütlich zum einen Ende des Sandstrandes. Es ist Ebbe und wir entschliessen uns über die Steine zu kraxeln um so eine kleine Bucht zu erreichen. Wieder über Steinbrocken kommt der nächste, etwas grössere Strand. Nun sind wir schon neugierig was wohl danach kommt? Also weiter – und wir stehen nach der nächsten Biegung in einer Traumbucht, wie man sie von Postkarten kennt. Kurz entschlossen ziehen wir unsere Kleider aus und schwimmen mit Fischen und Krabben. Wieder angezogen sehen wir, dass wir vielleicht zwei Drittel des Weges bis zum Ende der Playa Junquillal schon erwandert und erkraxelt haben. Herrlich erfrischt wollen wir nun auch das letzte Drittel erobern. Am Ende angelangt merken wir, dass die Flut zurück kommt. Da ist nichts mehr mit gemütlichem Ausruhen. Also, ziemlich zügig zurück! Schon sind unsere Spuren im Sand teilweise verwischt und an einigen Klippen wird’s ziemlich eng. Aber wir kommen gut durch und freuen uns auf den 2. Weihnachtsabend mit unseren Freunden. Heute wird nach dem Essen gespielt und wir Frauen gehen – logisch - als Sieger hervor! Zwischendurch fallen immer mal wieder einige Tropfen. So beschliessen wir den heutigen Abend etwas früher. Kaum im Bett kommt der grosse Regen, der die ganze Nacht anhält.

 

Bei schönem Wetter trennen wir uns einmal mehr, weil wir verschiedene Ziele haben. Wir wollen nach San Jose und von da ins  Orosital und weiter über den Paso de la Muerte – dem Todespass- nach Golfito, wo wir uns am 31. 12. zum Jahreswechsel wieder treffen.

Eine ereignislose Fahrt über die bereits bekannte Strassenführung der Interamericana – wie die Panamericana in Mittelamerika heisst - bringt uns zügig zum Camping in Belen wo wir schon vor zwei Wochen standen.

 

Am nächsten Morgen fahren wir frühzeitig in Richtung Orosital. Schon bald höre ich ein eigenartiges Geräusch, das Hanspeter zum umdrehen veranlasst. Wir steuern die Dodgegarage an. Bei der Probefahrt meint der Pikettdienst  habende Mechaniker: „ Ich kann das Geräusch nicht eindeutig zuordnen. Es könnte etwas am Getriebe sein. Zwischen Weihnachten und Neujahr haben wir Betriebsferien. Kommen sie in einer Woche vorbei, dann sind wieder alle da“. Es bleibt uns nichts anderes übrig als zu unserem Campingplatz zurück zu fahren und Margit und Jörg zu informieren, dass wir unsere Abmachung für Silvester nicht einhalten können.

Nachdem wir uns häuslich eingerichtet haben, ärgert mich zu alledem auch noch der Tisch, der einfach nicht gerade in seiner Halterung stehen will. Ziemlich unwillig nehme ich das Rohr aus dem im Boden eingelassenen Fuss – und sehe die Wiese unter dem Auto! Ja was ist denn das? Unser Schnüfeli hat ein Loch im Boden, weil der untere Teil der Tischhalterung abgebrochen ist. Nun wissen wir wenigstens woher das Geräusch kommt! Also kein Mail an unsere Freunde, sondern zur nächsten Werkstatt. Haben aber wegen der Feiertage alle zu. Na dann halt mit Plastik und Klebestreifen dicht machen. Aber immerhin hat ein Baufachgeschäft offen und wir finden hier die richtigen Holzplatten um den Wohnteil vom Fahrbereich in unserem Camper trennen zu können. Dies als Vorsichtsmassnahme für die spätere Verschiffung nach Südamerika. Die günstigste Variante für die Verladung bedeutet nämlich, dass wir die Autoschlüssel abgeben müssen. Dank der Trennwand können sie das Auto dann fahren, aber der Wohnraum ist abgeschlossen. Inzwischen ist es Abend geworden. Durch diesen ungewollten Aufenthalt werden wir das Orosital wohl streichen müssen

 

Zügig fahren wir heute durch San Jose, der Hauptstadt von Costa Rica. Danach steigt die Interamericana stetig an. Weil’s zu zügig geht, verpassen wir prompt die Umfahrung von Cartago und stehen staunend vor einer der schönsten Kirchen die wir je gesehen haben. Der Innenausbau ist ganz aus Holz und bildet in der Grundstruktur ein Kreuz. Die Dachwölbungen werden durch viele Säulen gestützt. Dadurch entsteht der Eindruck in einer grossen Halle zu stehen, aber ohne dass man sich darin verliert. Das ganze Gebäude besticht durch seine Bauweise und weniger durch den sonst so oft überbordenden Kirchenschmuck. Kunstvolle Kirchenfenster lassen viel Licht in den Raum der durch die Holztäfelung warm und durch seine Struktur majestätisch wirkt.

Beim verlassen der quirligen Stadt staunen wir über einen Arbeiter der hoch über der stark befahrenen Strasse auf einer Leuchttafel liegt um diese zu reparieren.

 

Ab hier steigt die Strasse nun stetig bergan zum Paso Cerro de la Muerte, dem Todespass, auf 3200 Meter über Meer. Kurz vor der Passhöhe folgen wir einer Abzweigung zum Mirador Quetzal. Hier wollen wir über Nacht bleiben und hoffen den scheuen und seltenen Göttervogel zu sehen. Eine erste Wanderung am Nachmittag hat leider nicht zum Erfolg geführt. Dafür sehen wir viele Kolibris. Einige davon sind nicht grösser als Hummeln! Es ist kaum zu glauben, dass etwas so kleines ein fertiger Vogel ist – und was für ein quirliges Ding. Er steht seinen grösseren Artgenossen in nichts nach. Ich habe kaum Zeit zum Kaffeetrinken und Essen. Immer wenn ich mich hinsetzen will, leuchtet ein Kolibri in der Abendsonne ganz bestimmt in den viiiel schöneren Regenbogenfarben als bei der letzten Aufnahme. Ausserdem sind sie so schnell, dass ich gar nicht sicher bin wie viele Fotos auch wirklich gelungen sind. – Darum lieber noch ein allerletztes Bild – oder - ?!

Nach dem Sonnenuntergang beginnt es zu nieseln und in dieser Höhe wird es empfindlich kalt. Zum ersten Mal seit laanger Zeit stellen wir die Heizung an. Hoffentlich bleiben die Wolken nicht im Nebelwald hängen.

 

Am Morgen werden wir von den Vögeln – und der Sonne geweckt!  An den gegenüber liegenden Berggipfeln halten sich noch einige Wolken fest und warten auf die vom Tal aufsteigenden verspäteten Nebelschwaden. An den Berghängen schleicht die Sonne langsam ins Tal und bringt den Tag mit einem herrlich blauen Himmel zurück. Und heute Morgen sehen wir auch den Quetzal. Ganz versteckt sitzt er in den dichten Blättern eines Baumes. Von uns gestört fliegt er auf. Was für ein Bild! Dieser prächtige Vogel vor dem blauen Himmel! Vor Staunen vergesse ich die Kamera in meinen Händen. Er aber macht uns die Freude und setzt sich auf einen nahen kahlen Baum, wo wir ihn in Ruhe bewundern können. Nun wird es für uns aber Zeit zur Abfahrt. Heute ist schon der 31. Dezember und wir wollen unsere Verabredung pünktlich einhalten. Fast unbemerkt überfahren wir die Passhöhe und damit den höchsten Punkt der Panamericana von Canada bis Feuerland. Durch eine grossartige Gebirgslandschaft geht es nun stetig bergab und nur 5 Minuten vor unseren Freunden erreichen wir unser Ziel  in Golfito. Die Perruja Lodge steht in einer wunderbar gepflegten Anlage. Margit und Jörg haben aber drei sehr starke Gründe diesen Ort wieder zu verlassen. „Wir standen die letzten zwei Tage an einem herrlichen Strand mit Palmen, Aras und Tukanen“. Nichts wie hin zur Halbinsel Osa!

Hier geniessen wir mit Einheimischen den schönen Abend am Strand. Aus der Bar im Hintergrund schallt laute Musik während wir uns auf die Suche nach neuen Sternbildern am Himmel machen. Rings um die Bucht werden immer mal wieder Feuerwerksraketen in den Himmel geschossen. Pünktlich um Mitternacht wird die Nationalhymne von Costa Rica gespielt und die Menschen am dem Strand singen kräftig mit. Viva Costa Rica, viva Austria, viva Suiza – alles Liebe und Gute im neuen Jahr!

 

Es ist so schön hier, dass wir noch einen Tag länger bleiben. Aber dann heisst es Abschied nehmen von einem schönen Land und den vielen netten Menschen die wir hier kennen lernen durften.