Yucatan

Wir wollen nun aber weiter zu den wohl berühmtesten Mayaruinen in Yucatan, nach Uxmal und Chichen Itza. Allerdings bleiben wir auf der Isla Aquada schon wieder hängen. Aber einfach weil es hier am Strand soo schön ist! Einfach nur Faulenzen und den Delphinen, Pelikanen und Kindern beim Spielen zusehen. Fast schon Urlaub!

 

Hier in Yucatan sind wir nun im Land der Maya. In der Region Campeches sehen wir immer wieder Hinweisschilder zu archäologischen Stätten. Eine bedeutende Mayastadt war Edzna. Heute noch gilt sie wegen der geschlossenen Form der ganzen Anlage als besonders sehenswert. Als Wahrzeichen kann wohl das ‚Gebäude der 5 Stockwerke’ bezeichnet werden. Es steht auf einer aufgeschütteten Plattform, hat 27 Räume deren Eingänge zum Teil mit Säulen geschmückt sind. Ein meterhoher, durchbrochener Dachkamm krönt den Tempelaufbau auf der Spitze des Gebäudes. Wer den Aufstieg wagt, geniesst einen herrlichen Blick über die Anlage und das Umland.

 

Uxmal und Chichen Itza sind die bedeutendsten aller Maya-Stätten der Yucatan-Halbinsel. Bei solchen Angaben im Reisehandbuch muss man ja neugierig werden. Also, nichts wie hin! Gar nicht weit von Uxmal entfernt können wir ein kleines Häuschen für uns mieten. Es liegt mitten in einem grossen Garten der früher als Campingplatz genutzt wurde. Was für ein Luxus. Heute Nacht schlafen wir nicht nur im eigenen Haus, wir müssen zur Toilette auch noch in ein anderes Zimmer! Obwohl in Wirklichkeit nur ein kleines 2-Bett Zimmer mit Dusche und WC kommt es uns riesig vor.

 

In Uxmal sehen wir zum 1.x den Puuc-Baustil der Maya. Auffallend dabei ist der schmucklose untere Hausteil, während die obere Haushälfte mit vielfältigem, reich verziertem Dekor geschmückt ist. Schon am Anfang unseres Streifzuges überwältigt uns der Anblick einer wuchtigen Pyramide. Anders als jene die wir bisher gesehen haben, ist sie oval gebaut und erinnert an die vielen kleinen Mayahäuser die wir unterwegs immer wieder sehen. Nur ist das Gebäude hier 38 Meter hoch und die Stufen führen in einem 60° Winkel nach oben! Unser Mayaführer erzählt uns, dass der Sage nach ein Zauberer diese Pyramide in einer Nacht erbaut habe. „Aber das ist natürlich nur eine Sage. In Wirklichkeit ist sie 5x überbaut worden. Das heisst, unter dem was sie jetzt sehen, befinden sich noch 4 Pyramiden. Für meine Vorfahren war die Zahl 52 sehr wichtig. Der Grund dafür sind die zwei Kalender nach denen sie lebten. Der eine – mystische - Kalender richtete sich nach dem Mondzyklus. Der Zweite – weltliche – nach der Sonne. Das ergab natürlich verschieden lange Zyklen. Aber alle 52 Jahre trafen immer dieselben Tage in den Kreiskalendern aufeinander. Sie waren überzeugt, dass dies eine besondere Bedeutung hat und so überbauten sie alle 52 Jahre den Tempel, aber ohne den darunter stehenden zu zerstören“. So kommen wir zum Viereck der Vögel. Eine weitere Besonderheit im Baustil der Maya ist das Umbauen eines Quadrates mit vier Gebäuden, so dass ein Innenhof entsteht. „Dieses und einige anderen Gebäude haben ihre Namen aufgrund ihrer Dekoration von den Archäologen erhalten“. Damit macht er uns auf die verschiedenen Vögel am Wandschmuck des einen Gebäudes aufmerksam. Sie alle haben in der Mythologie der Maya eine besondere Bedeutung. „So ist die Eule zum Beispiel der Vogel der Nacht, der Unterwelt und des Todes. Aber auch der Weisheit“. Auf  der gegenüber liegenden Seite ist eine Pyramide zu sehen. „Schauen sie sich die Türe auf der Spitze genau an. Links und rechts sehen sie zwei Augen. Ueber der Tür die Rüsselnase und die Tür selbst ist der Mund. Die Treppe darunter symbolisiert die Zunge. Dies ist der wichtigste Gott der Maya von Uxmal, der Regengott Chaak. Diese Maske sehen sie auch an den Ecken der Pyramide und sie werden ihr überall begegnen. Der Grund dafür ist, dass es in dieser Region keine Flüsse und Seen gibt. Auch keine Unterirdischen die man als Brunnen hätte nutzen können. So bauten meine Vorfahren riesige unterirdische Zisternen mit einem Fassungsvermögen bis über 30 000 Liter. Allein in Uxmal wurden über 100 davon gefunden. Das reichte, um Mensch, Tier und Felder über die Trockenzeit zu bringen. Wasser war also äusserst wichtig und der Regengott Chaak wurde sehr geehrt, damit er es ja immer rechtzeitig regnen liess“.

 

Eine weitere grosse quadratische Umbauung trägt den Namen ‚Nonnen-Viereck’. Dies weil ein Mönch im 17. Jahrhundert beim Anblick an ein Nonnenkloster erinnert wurde. Alle Gebäude hier haben eine ungerade Zahl von Türöffnungen. Alle vier Gebäude sind reich verziert. Wieder sehen wir die uns schon bekannten Chaakmasken. Und über den Eingängen des Südgebäudes sind deutlich die typischen Mayahütten zu erkennen. Der Ostbau besticht durch Gittermuster die nach oben breiter werden. Die wagrechten ‚Balken’ stellen doppelköpfige Schlangen dar. „ Dieser Dualität werden sie noch öfter sehen. Z.B. auch im doppelköpfigen Jaguar im Fries am Südbau und auch beim Königsthron auf einer Altarplattform vor dem Gouverneurspalast. Die zwei Köpfe stellen die Gegensätze dar. Also Gut und Böse, Schatten und Licht, Jenseits und Diesseits usw“. Am grossartigsten erhalten sind die Fassaden am Westbau. „ Bitte beachten sie die zwei Klapperschlangen, die sich über die ganze Gebäudelänge im Liebesspiel umeinanderwinden, sich immer wieder zu einem Quadrat öffnen und so den Rahmen bilden für in die verschiedene Figuren und Chaakmasken. Auf der rechten Seite kann man deutlich den Schwanz mit der Rassel der Klapperschlange sehen. Daneben ein Topf mit einer hängenden, verdorrenden Maispflanze, als Sinnbild des Vergehens und des Todes. Unterhalb des Schwanzes sehen sie den Kopf der zweiten Schlange mit weit geöffnetem Maul. Darin ein Menschenkopf. Für uns das Sinnbild der Erneuerung und Wiedergeburt. Mein Volk hat diese Schlange sehr verehrt. Darum hat sie hier eine so wichtige Darstellung erhalten“. Beim weiteren Rundgang via Ballspielplatz zur grossen Pyramide und hinauf zum Schildkrötenhaus erfahren wir noch so viel interessantes. Von hier oben haben wir einen tollen Blick zurück zu den schon besuchten Gebäuden. Noch eine Etage höher steht der Palast des Gouverneurs von dem es heisst, dass er vielleicht von ganz Mexiko das herausragendste architektonische Meisterwerk ist. Von hier hat man einen grossartigen Blick über die Anlage und deutlich sind die bewachsenen Hügel zu erkennen unter denen noch so viele Geheimnisse schlummern. Wir sind froh, dass wir einen Führer genommen haben. Mit seiner Verabschiedung geht ein sehr interessanter Nachmittag dem Ende zu. Am Abend kommen wir noch einmal vorbei und bewundern die Licht- und Ton schau die – untermalt mit Musik - das Leben der Maya, und die Geschichte von Uxmal erzählt.

 

„In Chichen Itza sind deutlich verschiedene Baustile aus verschiedenen Epochen zu erkennen. Die ganze Anlage ist in drei Ruinenzonen eingeteilt“. So beginnt unsere deutsch sprechende Führerin durch die Anlagen. Nach der guten Erfahrung in Uxmal haben wir auch hier das Angebot eines Begleiters angenommen. Nur ist hier unsere Ansprechperson eine gebürtige Holländerin die schon seit Jahren mit einem Mexikaner verheiratet ist.

„Hier in der Nordzone mit dem Wahrzeichen von Chichen Itza, der Kukulkan-Pyramide, dem Ballspielplatz, dem Tempel der Krieger usw. sehen sie deutlich den Einfluss aus der Region der Golfküste. An vielen Bauten werden sie eine Kombination mit dem Mayabaustil erkennen. An der grossen Kukulkan-Pyramide, die mehrere male überbaut wurde, sehen sie Quetzalcoatl die gefiederte Schlange, die sie schon in Toetihuacan kennen gelernt haben. Sie war eine der wichtigsten Gottheiten der toltekischen Kultur. Man sagt, dass die Tolteken um das Jahr 1000 nach Chichen Itza kamen. Bei den Mayas wurde dann aus Quetzalcoatl die Vogelschlange Kukulkan. Hier stehen wir nun vor der quadratischen Pyramide mit einer Seitenlänge von55 Metern und der Höhe von 25 Metern, ohne den Tempelaufsatz“. Wieder hören wir von der wichtigen Zahlenmystik der Maya. So ergeben die Stufen der vier Treppen zum Tempel auf der Spitze genau die Tage eines Sonnenjahres. Jede Seite hat 9 Plattformen, was den 9 Ebenen der Unterwelt entspricht. Während die Zahl 13 für die 13 Ebenen des Paradieses steht. Wie wichtig die Schlange war, zeigt sich auch daran, dass sie vom Tempel herunter gleitend die Treppen einrahmt. Die Pyramide ist so exakt ausgerichtet, dass immer zur Sonnenwende, also am 21.März und am 21 September die Sonne so auf die Pyramide fällt, dass die Steinschlange ein Lichtmuster erhält. Durch die Sonnenwanderung sieht es dann so aus, als ob die Schlange sich bewegen würde. Wie muss das auf die damaligen Menschen einen Eindruck gemacht haben! Noch heute kommen tausende Besucher um dieses Schauspiel zu erleben. In einer knappen Woche ist es wieder so weit – und wir sind dann schon in Belize! OOHH MANN! Eine weitere Besonderheit von Chichen Itza ist die Figur Chak Mool. Mit angezogenen Beinen liegt er halb aufgerichtet auf dem Rücken. Zu ganz besonderen Anlässen gab es hier auch Menschenopfer. Eine Friesendarstellung zeigt, wie einem Menschen bei lebendigem Leib das Herz herausgenommen wird, um es auf seinen Bauch zu legen. So konnte Chak Mool als Götterbote die Gaben überbringen.

 Beim Ballspielplatz erfahren wir, dass der Kapitän der Siegermannschaft eines Ballspieles enthauptet wurde und der Kopf auf dem Tzompantli, der Schädelplattform ausgestellt wurde. Das war eine grosse Ehre und jeder war stolz wenn es ihn traf. Zuerst hörte ich das mit grossem Zweifel. Wer will schon freiwillig aus dem Leben und freut sich auch noch darüber? Aber dann fielen mir die Kamekaze-Flieger des 2. Weltkrieges ein und die Selbstmord-Attentäter der heutigen Zeit. Auf dieser mit Totenköpfen verzierten Plattform wurden aber auch die Köpfe von wichtigen Feinden auf Pfählen ausgestellt.

Vorbei an der Venusplattform, deutlich zu erkennen an den Venus-Sternzeichen an jeder Ecke, kommen wir zur zentralen Zone, wo die älteren im reinen Mayastil erstellten Gebäude sind. Hier steht – neben vielen anderen Bauten - eine weitere Besonderheit von Chichen Itza, nämlich das Observatorium. „Die engen Fensterluken auf am höchsten Punkt gaben den Maya die Möglichkeit den Lauf  und die Position der Gestirne zu beobachten. Dank dieser Beobachtungen konnten sie ihre beiden Kalender – den ‚weltlichen’ und den ‚mystischen’ – berechnen. Sie konnten festlegen, wann die beste Zeit ist für die Aussaat und die Ernte ist. Wussten genau, wann die nächste Sonnen- oder Mondfinsternis kommen wird“. Wir staunen nicht schlecht, was die Maya dank ihren Beobachtungen schon alles wussten. Vor allem aber auch weil sie genau wussten, wie man eine Sternwarte baut und sie so ausgerichtet ist, dass z.B. die Venus zu genau festgelegten Zeiten durch ein bestimmtes Fenster zu erblicken ist. WOW!

Weiter gehen wir zur ältesten Ansiedlung im südlichen Teil der Anlage. Hier stehen noch einige deutlich kleinere Tempel. Vieles ist aber noch im Verborgenen und wartet auf die Wiederentdeckung. Unsere Begleiterin weiss viel zu berichten und auch hier hat sich die Ausgabe für eine kundige Führung gelohnt. In der Zwischenzeit sind die Busse mit vielen Reisenden angekommen und die Händler haben ihre Ware ausgebreitet. So kommen wir auch auf das heutige Leben in Mexiko zu sprechen. Unter anderem frage ich, ob die Ausrufer in den Dörfern noch darum so häufig sind, weil viele Menschen nicht lesen können? Sie bestätigt diese Frage, fügt aber an: „ Wir haben in Mexiko Schulpflicht. Aber die Kontrollen sind nicht so gut wie wir das aus Europa kennen. Ausserdem ist die Qualität der öffentlichen Schulen nicht so gut. Wer es sich leisten kann, schickt seine Kinder in eine Privatschule. Dazu kommt, dass viele arme Leute die Schule nicht so wichtig finden und ihre Kinder darum auch nicht zum Besuch animieren. So haben viele hier keinen Schulabschluss. Aber es ist nicht so, dass jedes Kind das sie am Tag auf der Strasse sehen, automatisch ein Schulschwänzer ist. Wir haben hier die Halbtagesschule. Einige gehen am Morgen, andere am Nachmittag hin“. So erfahren wir noch einige Details aus dem heutigen Leben in Mexiko bevor wir uns verabschieden und dann noch alleine den heiligen Opferbrunnen besuchen.

 

Nach so viel Kultur haben wir wieder richtig Lust auf Natur. Darum nun schnell weiter zur Nordküste von Yucatan. Unser heutiges Ziel heisst Rio Lagarto. Hier kann man ein Boot mieten und in den Fluss fahren, der in Wirklichkeit eine lange schmale Lagune ist. Eben verlässt ein junges Paar den Steg, traurig darüber, dass die Bootsmiete für sie zu teuer ist. Sie kommen aus Kanada und haben erst vor 4 Tagen ihre grosse zweijährige Reise begonnen. Wir tun uns zusammen und teilen uns die Kosten. Der Rancher nimmt sich über zwei Stunden Zeit, zeigt uns verschiedene Vogelarten, Krokodile und fischt einen Pfeilschwanzkrebs aus dem Wasser. Zum ersten Mal halte ich dieses Tier aus der Uhrzeit in meinen Händen – und es lebt! Wir sind alle hell begeistert! So kommen wir zu den vielen Flamingos die hier ihre Jungen aufziehen. Unsere Kamera läuft heiss und wir vergessen die Zeit. Unser Bootsführer meint nur: „Kein Problem. Deswegen sind sie doch gekommen. Sehen sie unterwegs etwas was sie interessiert, zeigen sie darauf und ich fahr sie hin“. Dieses versprechen hat er auch während der ganzen Fahrt eingehalten. Dann verspricht er uns zu einem weiteren Höhepunkt zu führen. Hier können wir in eine Salzsole liegen wie auf einer Luftmatratze. So dicht ist der Salzgehalt. Danach gibt es eine ‚Abreibung’ mit dem Schlick der so fein ist wie eine Paste. „Danach haben sie eine Haut wie ein Babypopo, so fein“. Allerdings trocknet sie im Fahrtwind zurück zum Hafen und die Eingeschmierten sehen jetzt aus wie die Aborigines bei ihren Zeremonientänzen. Zum Glück gibt es im Hafen eine Freiluftdusche! Nach einem wunderbaren Nachtessen verabschieden wir uns von den beiden Kanadiern und ziehen uns zum Schlafen zu den Palapas zurück, die etwas ausserhalb des Ortes eine ruhige Nacht direkt am Meer versprechen.

 

Nun wird es aber höchste Zeit Richtung Belize aufzubrechen. Unsere Freunde Margit und Jörg warten bei der Laguna Bacalar auf uns, wo sie einen herrlichen Platz gefunden haben.