USA - Texas

Heute sind wir in San Antonio, in Zentral - Texas, angekommen. Wer hier her kommt muss einfach "The Alamo" besuchen. Auch in Europa ist diese ehemalige Mission und Garnison durch zahlreiche Filme und Bücher ein Begriff. Am 23. Februar 1836 wurden die Texaner und Freiwillige beinahe von der in San Antonio einmarschierenden Armee General Antonio Lopez Santa Annas überrumpelt. Dreizehn Tage lang leisteten die Verteidiger Santa Annas Armee Widerstand. William B. Travis, der Kommandant des Alamo, entsandte um Hilfe appelierende Kuriere durch ganz Texas. Am achten Tag der Belagerung trafen 32 Freiwillige ein. Die Legende erzählt: Oberst Travis erkannte, dass keine Hoffnung mehr auf zusätzliche Hilfe zu erwarten war. Demzufolge zog er vor seinen versammelten Soldaten einen Strich in den Sand und vorderte alle Männer, die bereit waren zu bleiben und zu kämpfen auf, diese Linie zu übertreten. Alle, ausser einem, taten dies. Sie waren überzeugt Alamo halten zu müssen. Denn das bedeutete den Schlüssel zur texanischen Unabhängigkeit von Mexiko. Desshalb waren sie gewillt, lieber ihr Leben zu lassen als ihre Stellung General Santa Anna auszuliefern. Bis heute ist Alamo für Texaner heiliger Boden, an dem das aller grösste Opfer für die Freiheit gebracht wurde. Die Ueberreste des Alamo-Komplexes wird wie eine sakrale Gedenkstätte erhalten und die Männer werden aufgefordert, beim Betreten ihre Hüte vom Kopf zu nehmen. Dank einer deutschsprachigen Broschüre und dem Film "The Alamo" im Imax - Kino können wir uns ein gutes Bild machen.

Nach so viel Geschichte meldet sich der Magen und wir gehen zum River Walk, dem unbestritten ästhetischen und kommerziellen Zentrum von San Antonio. Beidseits des Wassers erstreckt sich ein gepflasterter, baumbestandener Fussweg zu dem Stufen von der Hauptstrasse hinunter führen und an dem viele Restaurants und Bars liegen. An verschiedenen Stellen können Wassertaxis bestiegen werden. An einem kleinen Tisch, direkt am Wasser, geniessen wir die Sonne, den Trubel und was das mexikanische Restaurant her gibt - und träumen vom Big Bend National Park, der unser nächstes Ziel ist.

Heute Abend haben wir dieses Ziel erreicht. Wieder hat sich die Landschaft total verändert. Von den weiten Feuchtgebieten sind wir nun in der trockenen Steinwüste der Sonora. Hier wird das Grün hauptsächlich von 4 Pflanzenarten gebildet. Von den kleinen Büschen die, sobald ihre Früchte reif sind, abbrechen und wie Bälle vom Wind getrieben übers Land rollen und dabei ihren Samen verteilen. Ausserdem von in voller Blüte stehenden Yuccas, von verschiedenen Agavenarten und Kakteen. Immer wieder schmunzeln wir über Sandhosen die wie kleine Hexen wirbelnd tanzen und dabei, eng begrenzt, alles durcheinander bringen. Nur um dann genau so schnell, wie sie gekommen sind, wieder zu verschwinden.

Nun sind wir also im Big Bend National Park am Rio Grande, der die Grenze zu Mexiko bildet. Eine unglaublich vielfältige Landschaft. Einerseits staubtrockene Steinwüste, andererseits herrliches Grün am Fluss und immerhin bis zu fast 7000 Fuss hohen Bergen. Hier wollen wir eine Woche bleiben und dabei auch mal den Campingplatz wechseln, um so diese Vielfalt bequemer erforschen zu können. Die ersten Nächte stehen wir auf einer Hochfläche in den Bergen auf ca. 1500 Meter über Meer. Ausser niederen Pinien und blühenden Mimosenbäumen sind auch hier oben die Wüstenpflanzen vorherrschend. Es ist schon Abend bei unserer Ankunft aber es ist immer noch so heiss, dass wir den Schatten suchen. Wir hören, dass gestern Morgen hier noch Schnee gelegen haben soll. Zweifelnd schauen wir in die heisse staubtrockene Natur mit ihren blühenden Kakteen. Naja, Texaner sind ja dafür bekannt, dass bei ihnen alles extrem sein soll. Die weitesten Ebenen mit den grössten Ranches und natürlich mit dem Rindvieh mit den längsten Hörnern, den besten Cowboys und den grössten Oelvorkommen ! - Am nächsten Morgen rüttelt ein starker Sturm zornig an unserem Schnüfeli. Die Berge sind hinter dunkeln Wolken verborgen und dicke Nebelschwaden jagen wie Rauchfetzen an unserem Van vorbei. Ooookayyy - ich nehme alles zurück und werde nie mehr an den Worten eines Texaners zweifeln ! Trotz Versprechen: Es bleibt dabei, den ganzen Tag ist es bitter kalt und wir sind an die Wärme unseres geheizten Autos gebunden.

Am nächsten Morgen ist der Spuk vorbei und bei herrlichem Wetter geniessen wir unsere Ausflüge und Wanderungen. Unsere Nachbarn sitzen draussen am Frühstück als eine Rotte Wildschweine gemütlich durch den Campground trottet. Den Holländern bleibt nichts anderes übrig als in den Camper zu flüchten, wärend sich die Schweine das gefundene Fressen schmecken lassen. Allerdings - ihr Verhalten zeigt deutlich, dass sie Besteck und Geschirr als völlig überflüssig betrachten. So hat halt jeder seine Tischsitten! Wir sehen ja auch häufig Amerikaner mir ihren Kaffeetassen zur Toilette gehen.

Die zweite Wochenhälfte geniessen wir am Rio Grande, den man hier problemlos nach Mexiko durchwaten kann. Tafeln weisen immer wieder darauf hin, dass das Ueberqueren des Flusses Illegal ist. Zweimal müssen wir an Strassenkontrollposten unsere Pässe vorweisen und können dann mit einem freundlichen "Geniessen sie Texas", weiterfahren. Leider geht die Woche schon wieder zu Ende. Wir verabschieden uns von Bisons, den Präriehunden, Wildschweinen, von Rehen und dem quirrligen Roadrunner. Dieser Laufkuckuk ist bei uns vor allem als Trickfilmfigur bekannt die immer wieder den Kojoten überlistet. Wir wollen vom südwestlichen Texas in den Norden, nach Amarillo.

Heute fahren wir durch hügeliges Prärieland mit ihren riesigen Ranchen und treffen auf die Urtexaner - die Longhornrinder. Schon jetzt, am 29. März, ist das Gras braun und die wenigen Büsche haben kein Laub. Den ganzen Tag fahren wir durch dieses trockene, trostlose Land. Fürs Auge sind die einzigen "Höhepunkte" die Oelförderpumpen. Zum teil einzeln, oder in regelrechten Feldern angelegt. Sowie Telefonmasten und Stromüberlandleitungen. Vielleicht mal eine einsame Antennenanlage. Zwischendurch eine Gruppe armselige Hütten und schmucklose Häuser, die sich dann stolz "Dorf" nennen. Bei unserer Durchfahrt sind keine Geschäfte auszumachen. Was für die Einwohner bedeutet, dass jeder Einkauf in die nächste grössere City zum Tagesausflug wird. Da überlegt man sich genau, ob alles auf dem Einkaufszettel steht ! Wir übernachten auf einem Picknickplatz auf offener Strecke.

Wir haben nun den mittleren Westen erreicht und fahren weiter nodwärts. Hier beginnt nun das grosse Farmland. Auf der 385 fahren wir mitten durch riesige, topfebene Felder. Hauptsächlich Korn und Baumwolle. An den Stadträndern werden Gratisstellplätze für Camper angeboten. Jeder Stellplatz hat einen eigenen Strom- und Trinkwasseranschluss und es gibt auch eine Möglichkeit seinen Abwassertank zu leeren. Wir vermuten, dass sie für die Baumwollpflücker angelegt wurden. Den Ortschaften ist der Wohlstand anzusehen. Hübsche Häuser stehen in gepflegten Gärten und es gibt jede Menge Geschäfte und Handwerksbetriebe. Auch hier wird Oel gefördert. Etwa 100 Km vor Amarillo sehen wir grosse Zuchtbetriebe zur Hauptsache Rindermast und Milchwirtschaft, sowie Schafe. Hin und wieder überholt uns ein doppelstöckiger Viehtransporter. Morgen ist in Amarillo eine Viehgant, der auch wir beiwohnen wollen.

Heute sind wir also zu Gast bei wohl einer der urtexanischsten Geschäftswelt - einer Livestock Auction. Auf der Karte suchen wir den kürzesten Weg und sehen, umgeben von Autobahn und Lagerhäusern, auf der anderen Seite der Bahngeleise Viehgatter, Rinder und Cowboys. Ein schmaler Bahnübergang ermöglicht uns die Zufahrt. Nur - wo ist der Gantrufer und wo die Rancher ? Ein Cowboy weist uns den Weg und wir fragen am Eingang zu einem riesigen Gebäude, ob auch Gäste willkommen sind ? "Aber sicher. Gehen sie die Treppe hoch zum Gantraum. Sie können aber auch hinten raus zu den Viehgattern". Gute Antwort - erwartungsvoll betreten wir den Raum. Wie in einer Arena sind die Sitzreihen im Halbrund angeordnet. Vis a vis auf einem Podest sitzt der Auktionator mit zwei Gehilfen. Ueber ihnen eine Leuchtschrifttafel die jeweils das Gewicht des Tieres anzeigt. In der Arena zwei Burschen die die Tiere auf der einen Seite rein - und auf der anderen Seite wieder raus lassen. Zu ihrer Sicherheit stehen sie meistens hinter einer Wand und versuchen die Tiere mit einem langen Stock zu führen. Vor allem die Muttertiere schnauben mit gesenktem Kopf, scharren mit den Vorderfüssen und warnen so, ihren Kälbern ja nicht zu nahe zu kommen. Sie flössen Respekt ein. Selbst auf den Rängen ist ihre ursprüngliche Kraft und Ungezähmtheit zu spüren. Fasziniert höre ich dem Auktionator zu. Eigentlich verstehe ich höchstens die ersten zwei Worte. In einer unglaublichen Geschwindigkeit rasselt er mit einer Singsangstimme die nötigen Informationen für das interessierte Publikum runter. Unwillkürlich frage ich mich: Wie der wohl bei dem Zungenschlag küsst ? Mit uns im Halbrund sitzen Farmer zum Teil mit ihrer gesamten Familie. Es ist spannend sie zu beobachten. Einige lesen demonstrativ in Zeitungen, gucken zwischendurch in die Arena und heben vielleicht mal kurz die Hand, oder nicken auch nur. Mit der Zeit habe ich den Eindruck, dass immer dann, wenn ein eigenes Tier im Rund ist, intensiver in der Zeitung gelesen wird, aber das dann die Ohren um so mehr gespitzt sind. Auf diese Idee komme ich nach der Beobachtung, wie einer der Zeitungsleser am Ende einer Steigerung energisch den Kopf schüttelt, mit der Hand abwinkt und dabei 5 Finger hoch hält. So als wollte er sagen: Lass sie raus, unter 500 gebe ich sie nicht ! Unser Nachbar sitzt ganz entspannt da und hebt kaum die Hand beim Mitbieten. Schräg unter uns sitzt einer wie aus dem Bilderbuch. Staubige Stiefel und staubiger Cowboyhut, Jeans, warme Jacke und mit einem riesigen Seehundschnauz. Einige Rancher haben ihre noch schulpflichtigen Jungs dabei. Mit Kennerblicken wird zwischen ihnen diskutiert und es werden eifrig Notizen gemacht. Ich trau mich fast nicht zu fotografieren weil ich das Gefühl habe, hier in eine fast private Atmosphäre einzudringen. Man kennt sich untereinander, begrüsst sich mit Handschlag und zum ersten mal nehme ich die texanische Seele so richtig wahr. Nach einiger Zeit verlassen wir den Raum. Ueber die Corrals führt ein Holzsteg, so dass man einen guten Ueberblick auf die Tiere hat. Eine Zeitlang sehen wir den Cowboys bei ihrer Arbeit zu, wie sie die Tiere zum Gantgebäude treiben und auf der anderen Seite wieder zurück in ihre Gatter.

Am Nachmittag fahren wir noch zum Wildcat Bluff Natur Center wo wir uns an eine Präriehunde - Kollonie anschleichen um dann den scheuen, lebhaften und putzigen Tieren bei ihrem Treiben zuzusehen.

Auf unserer Weiterfahrt zum Mescalero Apachen Reservat machen wir einen kurzen Fotostop bei der berühmten Cadillac-Farm an der Route 66. Als Karl May Fan bin ich ganz besonders gespannt auf das Land und die Menschen aus Winnetous Volk.