USA - Der Südwesten

Langsam steigen aus der Ebene Hügelketten und in der Ferne die Berge der White Mountains empor. Zwischen den kahlen Hügeln, in lieblichen Tälern, liegen kleine Dörfer und einzelne Gehöfte. Fast fühlen wir uns in die Schweiz zurück versetzt, wären da nicht auch die vielen verlotterten Anwesen die mit ihrem  über Jahre angesammelten Schutt eher an Abfallhalden als an Wohnhäuser erinnern. Und dann fahren wir an der Tafel " Mescalero Apache Reservation" vorbei. Es ist als ob man einen anderen Raum betreten würde. Die Hügel sind mit Pinienwälder bewachsen, saubere Häuser zwischen den Bäumen, gepflegte kleine Weiler und nirgends liegt Abfall herum. Eine Wohltat fürs Auge und die Seele. Ausserhalb vom Reservat ist - New Mexico. Im Reservat aber ist - Heimatland. Bereits beeindruckt von der verblüffenden Veränderung der Natur halten wir im Weiler Mescalero, um ein kleines aber feines Kultur Center zu besuchen. Ein Apache nimmt sich die Zeit um uns die Gegenstände, sowie die Unterschiede der verschiedenen Kleidungsstücke und so weiter zu erklären. Mir fällt eine Landkarte Nordamerikas auf, die eingeteilt ist nach den ursprünglichen Ländereien der Indianervölker. Allein die 20 Apachenstämme verteilten sich über die Gebiete des heutigen Arizona, New Mexico und Teile von Mexico und Texas ! Der kleine schwarze Fleck in der Mitte erinnert an ein Haus in einem Kathasterplan - ist in Wahrheit aber das Reservat das ihnen bis heute als Heimat zugestanden wird. Als er unsere ungläubige Bestürzung wahrnimmt, wird aus einer höflichen Information ein echtes Gespräch. Wir bekommen Unterlagen die die Geschichte der Apachen, ihr Leben und ihre berühmten Häuptlinge, aus ihrer Sicht beschreiben. Zum Abschied empfiehlt er uns den Besuch ihrer alten katholischen Missionskirche, die sie am renovieren sind. Gerne nehmen wir uns die Zeit vor unserer Weiterfahrt zum Oliver Lee State Park, von wo aus wir den White Sands National Park besuchen wollen.

Unser Stellplatz liegt leicht erhöht am Fuss der Bergkette des Lincoln National Forest. Ueber das weite Tal hinweg leuchten im Morgenlicht die Dünen von White Sands. Zuhause wurden wir von Dora und Hannelore auf dieses einzigartige National Monument aufmerksam gemacht. So machen wir uns auf den Weg und was wir dann sehen, übertrifft alles was wir erwartet haben. Eine einzigartige Landschaft mit blendend weissen Hügeln in einer bis 15 Meter hohen, sich ständig verändernden Dünenlandschaft. Als wären wir mitten im Schnee - und das bei Sommertemperaturen. Ganze Familien rutschen auf Plastiktellern die Hänge herunter. "Schneeverwehungen" werden mit dem Pflug zur Seite gestossen. Um die Sinne noch ganz zu verwirren, blühen Yuccas und Polsterpflanzen in diesem Weiss. Wir machen zwei Wanderungen durch diesen feinen weissen Sand, der in Wirklichkeit aus winzigen Kristallen von Gipsablagerungen besteht. Gegen Abend kommt ein Sandsturm auf und wir machen uns buchstäblich aus dem Staub.

Heute wollen wir weiter nach Albuquerque in New Mexico. Unterwegs besuchen wir die Ruinen der Quivira at Salinas Pueblo Mission. Für die nächsten eins bis zwei Wochen wohnen wir in einem KOA Campground in Bernalillo. Wir haben uns entschieden unser Schnüfeli zu kaufen. Sein bisheriger Besitzer Rolf Weber erledigt für uns alle Formalitäten. So senden wir ihm seine Autonummer zurück und nach dem alles bezahlt ist, wird er uns unsere neue Nummer und die Papiere zusenden. So brauchen wir nicht mehr nach Vancouver zu fahren. Super und ein grosses Dankeschön an Rolf !

Im 1993 starteten wir in Albuquerque, ebenfalls mit einem Camper, zu unser ersten USA - Reise. Damals besuchten wir das Montezuma Castle, den Grand Canyon, Las Vegas, das Dath Valley, den Brice -, den Yosemite- und den Zion National Park. Fuhren nach San Franzisco und auf dem Hwy 1 an der Küste entlang nach Los Angeles und zurück nach Albuquerque. Es ist unglaublich wie sich dieser Ort in den letzten 15 Jahren verändert hat. Damals kamen wir mit dem Zug von Chicago und stiegen hier bei einem Holzschuppen und an einem winzigen, als Bahnhof verkleideten Gebäude mitten in der Wüste aus. Heute steht der neue Bahnhof mitten in der Stadt. Albuquerque ist ein Moloch der sich weit ins Land hinein frisst. Nur die Altstadt ist uns von den Gebäuden her noch vertraut. Allerdings sind anstelle der vielen kleinen Handwerksläden, der auf dem Boden sitzenden Schmuck verkaufenden Indianerinnen, nun teure Kunstgallerien, Schmuckgeschäfte, Restaurants und Touristen Krimskrams-Läden eingezogen. Leider eine Entwicklung wie sie überall auf der Welt zu finden ist.

Heute am 20. April erreichen wir den Arches National Park. Seinen Namen bekam er von den mehr als 1500 durch Errosion entstandenen Steinbögen. Vom Visitor Center windet sich eine kurvige, steile Asphaltstrasse zu dem an Naturwundern reichen Park. Wir fahren von Staunen zu Staunen. Aus der Hochebene ragen unvermittelt rote Sandsteinfinger und Felsen die wie mit einem Messer geschnittene Brotscheiben aussehen, in deren Spalten man wandern kann. Rote gewaltige Sandsteinmassive tragen Namen wie: Courthouse Tower oder Great Wall. Direkt an der Strasse steht eine 22 Meter hohe Steinsäule auf der ein 15 Meter hoher Felsblock, in der Form einer Flamme, balanciert. Wir fahren an versteinerten Dünen vorbei und wandern zu den Sandsteinbögen, geniessen von Aussichtspunkten herrliche Weitblicke über die Wüstenebenen zu den schneebedeckten Bergen in der Ferne.

Nach zwei tollen Tagen fahren wir heute zum Colorado River auf einer schönen weinig befahrenen Srasse im südlichen Utah. Unser heutiges Ziel sind die Naturbrücken die von 3 Flüssen, nördlich von Moab, in gewaltigen Schluchten gebildet wurden. Die gewaltigste ist die Sipapu Bridge mit einer Länge von 80 Metern an der Basis und einer Höhe von 60 Metern. Hanspeter nimmt den 150 Meter in die Tiefe gehenden Abstieg auf sich. Stellenweise ist die Schlucht nur über Treppen und Leitern zu erreichen. Leider ist es schon später Nachmittag und der Campingplatz hier ist voll. So begnügen wir uns mit einem Blick von oben auf die anderen beiden Naturbrücken und ihren imposanten Schluchten. Heute Nacht schlafen wir etwas abseits der Strasse auf einem von Wald umgebenen Kiesplatz.

Am 24. bis 26. April findet in Albuquerque ein grosses Indianertreffen statt. Dieses Pow Wow wollen wir auf keinen Fall verpassen. Uns bleibt aber genügend Zeit um in die klassische Wildwestlandschaft des Monument Valley zu fahren. Diese Landschaft mit ihren Sandsteinformationen diente in zahlreichen Wildwestfilmen als Kulisse. Aus einer sandigen, windverwehten Ebene ragen diese Felssäulen hoch um dann , enger bei einander stehend ein Tal zu bilden, durch das man auf einer Naturstrasse fahren kann. Obwohl Navajos Touren mit Geländewagen anbieten, wollen wir lieber auf eigene Faust fahren um immer wieder anhalten zu können. Was wir dann erleben darf kaum als Fahren bezeichnet werden. Tapfer klettert unser Schnüfeli über Steinmocken, versenkt auch mal ein Rad in ein etwas tieferes Loch und spurt sich, eine rote Staubfahne hinter sich her ziehend, durch Sandverwehungen. Aber fast nach jeder Kurve hat er Zeit zu verschnaufen, weil ich schon wieder ein Bild schiessen muss! Am hinteren Ende des Rundkurses mit einem weiten Blick ins Land, treffen wir ein deutsches Ehepaar die seit 4 Jahren in einem umgebauten Militärfahrzeug unterwegs sind. Eine herrliche Möglichkeit zum Plauschen und Austauschen. Für ihr Allradfahrzeug ist diese Strecke ein Spazierweg. So fahren sie voraus um dann immer wieder zu warten ob wir auch nachkommen. Sie können ja nicht wissen, dass unser Schnüfeli sogar über den Hatcher Pass in Alaska geklettert ist. Am Ende der Strecke verabschieden wir uns mit einem fröhlichen Winken. Sie wollen weiter nach Kanada.

Für uns geht es heute wieder nach Albuquerque. Unser Weg führt uns durch Hopi Land, vorbei an drei Mesa - Dörfern. Das sind flache Gebirgszüge auf die sich die Hopis vor über 800 Jahren vor den Spaniern zurück gezogen haben. Diese Dörfer im nordöstlichen Arizona sind immer noch bewohnt und bis heute haben ihre Glaubensregeln und Zeremonien überlebt. Mit einem Hopiführer kann das Dorf Walpi besucht werden. Wir fahren die enge kurvenreiche Strasse zur First Mesa hoch und stellen unseren Van auf einen kleinen Parkplatz zwischen niederen, sich eng aneinander schmiegenden Steinhäusern. Eine ältere Frau spricht uns an. Sie zeigt uns drei Kachinas, hölzerne bemalte Puppen und erklärt uns ihre Bedeutung: "Die eine mit den schön gestylten Haaren zeigt ein junges Mädchen. alles was sie trägt hat eine besondere Bedeutung. Kachinas sind Geisterboten. Vom Februar bis zum November besuchen uns Tänzer in den Kachinakostümen. Mit ihrem Bohnentanz zum Beispiel, bringen sie uns Regen und Fruchtbarkeit. Die Zweite Puppe representiert den Sommen mit seiner Fülle und dem Erntetanz.." (Mir als Katholikin kommen Kindheitserinnerungen hoch. Die Prozessionen über Feld und Flur und das Beten um ein gutes Wachstum der Saat und dann im Herbst das Erntedankfest). "Die dritte Puppe symbolisiert den Weissen Bären - Medizinmann. Er weiss viel über Kräuter und Heilmittel und er hat eine besonders starke Kraft die er für unsere Gesundheit einsetzt. Wir beten die Kachinas aber nicht an, sondern sie dienen uns als Vorbilder." Obwohl das Fotografieren hier im Dorf streng verboten ist, darf ich ein Bild von ihr und ihren Holzpuppen machen. Muss aber danach den Fotoapparat sofort wieder ins Auto zurück legen. Esther lebt vom Verkauf der Kachinas und wir entscheiden uns für den Weissbär - Medizinmann der uns mit seiner Kraft Gesundheit auf unserer Reise geben soll. Sie freut sich über unsere Fragen und unser Interesse an ihrer Kultur, holt aus einer kleinen Dose einen Holzstengel, bricht ein Stück ab und reicht es mir mit den Worten: "Nimm eine kleine Ecke davon in den Mund und kaue darauf. Es ist eine Wurzel die fast nicht meht zu finden ist. Spürst Du den starken, würzigen Geschmack? Nach dem kauen kannst du es schlucken. Es reinigt den Körper und macht ihn wieder gesund. Nehmt das Stück mit. Wenn ihr noch eine so lange Reise habt, seid ihr bestimmt einmal froh darum". Sowohl die Kachina wie auch das Wurzelholz haben einen Ehrenplatz in unserem Van. Gerne nehmen wir auch Esthers Einladung an uns in ihrem Dorf umzuschauen bis die Führung nach Walpi beginnt. Sie gibt uns noch Tips auf den Weg, wo wir die alte Bauweise noch gut sehen können, wo die Kiwas sind und der Dorfplatz wo die Kachinas tanzen. - Und da geht dann auch eine Haustüre auf und ein Hopi beginnt ein Gespräch mit uns in dessen Verlauf er uns ins Haus seiner Mutter bittet. (Traditionell wird bei den Hopis nur von der Mutter zur Tochter vererbt). Im Haus hat es zwei Räume, ein Schlafzimmer und eine Wohnküche. Willi stellt uns viele Fragen über unser Leben, erzählt aber auch viel von sich und stellt immer wieder das Leben seines Volkes von früher und heute gegenüber. Uns scheint es, dass die Hopis mindestens in spiritueller Hinsicht den Spagat zum Heute geschafft haben, ohne ihre Kultur und ihre Geschichte zu vergessen. Fast zu schnell müssen wir uns verabschieden um pünktlich zur Führung zurück zu sein. Wir werden von einer Frau begrüsst. Sie erzählt uns, dass in frühester Zeit die Hopis von Samen und Früchten gelebt haben und erst später zum Ackerbau übergegangen sind. "Unser Volk hat nie gejagt, wir waren immer Vegetarier. Das ist wohl auch der Grund, warum wir bis heute eher klein sind. An den alten Häusern in Walpi werdet ihr sehen, dass unsere Vorfahren noch kleiner waren. In ihren Häusern müssten wir uns heute bücken. Traditionell wurden und wird auf unseren Feldern Mais, Kürbis und Bohnen angepflanzt. Aber seit das Essen der Weissen - vor allem Fast Food und Alkohol - unsere traditionelle Ernährung verdrängt hat, ist das ein grosses Problem. Viele Menschen meines Volkes leiden an Diabetes". Sie zeigt uns wie die Hopis gekocht und gebacken haben, erzählt von den 17 Clans ihres Volkes und zeigt uns den Hopikalender der im Gegenuhrzeigersinn gelesen wird. Durch die traditionellen Feste und Tänze ist er wie der christliche Kalender in 12 Einheiten aufgeteilt. Während des Rundgangs hören wir vom Leben ihrer Vorfahren. Wie bis in die fünfziger Jahre das Wasser jeden Tag vom Tal hoch getragen werden musste. Das hauptsächlich mit Kohle gekocht und geheizt wurde. Diese musste von einer Mine herbei geschafft werden die über 120 Meilen entfernt ist. Ein sorgfältiges Bewässerungssystem sorgte für grüne Felder im Tal. "Das ist desshalb wichtig, weil all unsere Flüsse im Laufe des Frühsommers austrocknen". So schnell für uns dieser interessante Tag zu Ende gegangen ist, so gross ist unsere Hochachtung für das Volk der Hopi und ihrer Tradition gewachsen.

Dieses Wochenende vom 25. April ist in Albuquerque ein grosses Pow Wow angekündigt. Ueber 3000 Indianer von Kanada, Alaska bis Mexiko treffen sich hier zu Musik und Tanz - und wir sind mitten drinn ! Schlendern zu dem dazu gehörenden Markt und geniessen diese unglaubliche Stimmung. Das ganze Areal wurde zur alkohol- und drogenfreien Zone erklärt. So bleibt es ein grosses, fröhliches, buntes Familienfest ohne unschöne Szenen. Gäste sind herzlich willkommen und das Fotografieren ausdrücklich erlaubt. Aber am ersten Tag steigt beim grossen Einmarsch der Tänzer unsere Kamera aus. Wieder einmal ist es ein Wochenende und auf unserer Liste der Nikonvertretungen fehlt die USA und Südamerika! Na toll, aber wir haben gelernt immer einen Schritt nach dem anderen zu machen. Also heute die Veranstaltung geniessen und auf dem Heimweg eine neue Kamera kaufen.

Am zweiten Pow Wow - Tag sind wir nicht nur mit unserer neuen Kamera im Schuss. Was für eine Farbenpracht! Sänger, Trommler und Tänzer tragen Nummern. Die besten Darsteller werden gesucht. Für uns ist es eine Freude den jungen temperamentvoll tanzenden Mädchen und Burschen zuzusehen und im Vergleich dazu die würdevollen, ruhigen Schritte der Senioren. Dann die riesigen Trommeln auf der 5 - 6 Männer spielen und dazu singen. YAAHE - YEOOE - JEHOAAE ! Ein Rausch an Farben und Tönen. Es geht gar nicht anders. Automatisch bewege ich mich im Takt mit und lasse mich von der Stimmung mitreissen. Ein grossartiger Tag.

Unser heutige Weg führt uns nach Mesa Verde mit seinen archäologischen Schätzen auf den Hochplateaus im Südwesten Colorados. Allein die Fahrt zu den zum Teil mehrstöckigen Wohnungen und Siedlungen in den Nischen der Felswände, hoch dem Grund der Canyons, ist schon sehr eindrücklich. Eine Strasse führt am Rand der zerfurchten, steilen Täler entlang und bietet immer wieder Blicke auf die Ruinen. Natürlich benutzen wir auch die zum Teil steilen Wanderwege zu den Ruinen die oft nur dank der in die Felsen geschlagenen Stufen oder Leitern erreichbar sind. Der Cliff Palace ist die grösste erhaltene Felswohnstätte. Sie ist etwa 30 Meter unterhalb eines Felsüberhangs versteckt. Die 217 Räume gaben für 200 Menschen eine Heimat. Die Rancherin die uns begleitet lässt mit ihrer humorvollen, informativen Erzählung Bilder einer verlorenen und nur schemenhaft bekannten Welt aufsteigen. So erklärt sie uns die geniale Funktion der Kiwa. Sie ist eine in die Erde eingegrabene runde Vertiefung, die  für Zeremonien und wie sie glaubt, im Winter auch als Zufluchtsort vor der Kälte genutzt wurde. Die Kiwas konnten nur über ein Luke in ihrem Dach mit einer Leiter bestiegen werden. In der Mitte ist im Boden ein Feuerloch und an seiner Nordseite eine kleine Mauer zu sehen. Hinter der Mauer ist ein Luftschacht der den Raum mit Frischluft versorgt, während die verbrauchte Luft und der Rauch durch das Einstiegsloch in der Decke abzieht. Die kleine Mauer verhindert den direkten Luftzug aufs Feuer. Einfach aber genial! Auf der Südseite des Feuerloches macht uns die Rancherin auf eine kleine Vertiefung im Boden aufmerksam. "Das ist ein Si-pa-pu. Symbolisch ermöglicht dieses Loch den Menschen mit dem Geist der Mutter Erde in Kontakt zu treten". Diese Anlage und die anderen Felswohnungen wurden zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert gebaut. Es gab aber auch immer Pueblos auf der Hochebene und Felder in den Tälern. Man weiss nicht genau warum sie verlassen wurden. Man glaubt aber heute, dass die durch die Jahrunderte bewirtschafteten, ausgelaugten Böden und der dadurch entstandene Hunger die Menschen zum Weiterziehen bewog.

Ueber das Monatsende stehen wir auf einem Campingplatz beim Canyon de Chelly. Durch eine 300 Meter tiefe Schlucht schlängelt sich der Chinle Wash. Er hat hier ein wunderschönes grünes Tal ausgewaschen in dem bis heute die Navajos ihre Schafe züchten, in dem Obstbäume stehen und Felder angelegt sind. Das alles kann von zwei Randstrassen aus gesehen werden, die immer wieder sagenhafte Ein- und Ausblicke eröffnen. Ins Tal selbst kann ohne Führer nur an einer Stelle hinab gestiegen werden, um die Ruine White House zu besuchen. Ein schmaler, in die Felsen geschlagener Weg ermöglicht uns den steilen Abstieg. Den Pfad unten im Tal darf man seitwärts höchstens 90 Meter verlassen. Diese Anordnung der Navajos ermöglicht ihnen ein ungestörtes Leben. Der Verkauf von handgemachtem Schmuck und Kunstgegenständen, ihre kleinen Farmen und die geführten Touren durchs Tal geben ihnen Verdienstmöglichkeiten. Wir verzichten allerdings auf eine Führung, weil uns die rund 130.- $ für uns beide doch zu teuer sind. Ausserdem wollen wir weiter zum Petrifield Forest und Painted Desert.

Heute erreichen wir den versteinerten Wald und gemalte Wüste rund 100 Meilen vor Flagstaff in Arizona, an der alten Route 66. Durch den Errosionsprozess wurden und werden noch heute der ca. 180 Millionen Jahre alte Wald frei gelegt. Das ehemalige Holz hat sich in farbenprächtige Quarzkristalle verwandelt. Teilweise meinen wir an einem Holzplatz vorbei zu kommen. Liegen hier doch "Holzrugel" und Holzspähne herum. Nur, unsere Hände überführen unsere Augen der Lüge - auch dieses scheinbar frische Holz ist versteinert! Die Weiterfahrt durch diesen Park führt uns durch eine Reihe von Sanddünen die mit ihren verschiedenen Farbschattierungen wirklich wie eine gemalte Wüste aussieht und uns stark an die Region um Cooper Peddy in Australien erinnert. Schon wieder ist es Abend und wir finden unseren Schlafplatz auf einem KOA Campground in Holbrook. Hier bleiben wir die ersten Maitage. Eine gute Gelegenheit für Internetkontakte und Telefone zu unseren Lieben nach Hause.

Wieder verwirklichen wir einen Tip von Hannelore und Dora. Nach dem Besuch des Saguaro National Parks bei Tucson mit seinen riesigen Säulenkakteen - zum Teil höher als Telefonstangen - fahren wir durch eine imposante hügelige Landschaft zum Organ Pipe Cactus National Monument. Hier in der Sonora Wüste passieren wir die Panoramastrasse mit ihren eindrucksvollen Beständen von Orgelpfeifen -, Saguaro- und anderen Kakteen. Wir kommen zur rechten Zeit. Nicht nur das die Wüstenpflanzen blühen, wir treffen auch Jungtiere, viele Vögel, Echsen und Hasen. Ausserdem haben wir einen herrlichen Panoramablick auf die Berghänge Ajo Mountains. Hier im parkeigenen Gampingplatz lassen wir die Seele so richtig baumeln.

Heute ist schon der 8. Mai. Unser Weg führt uns zu unserem letzten National Park - nun schon in Kalifornien - dem Joshua Tree N.P. Wir staunen über die auffallenden riesigen Haufen von Findlingen, die durch die Aktivitäten der direkt darunter verlaufenden Pinto - Mountains - Verwerfung an die Erdoberfläche gedrückt wurden. Die Joshua Bäume, die mit der extremen Trockenheit und dem steinigen Untergrund fertig werden müssen, sind eine baumähnliche Agavenart. Auch sie sind, wie die Kakteen am blühen, oder tragen wie die Yuccas bereits Früchte. Am rot blühenden Ocotillo lassen wir uns von den Flugkünsten der vielleicht 4 Centimeter kleinen Kolibris verzaubern. Ihnen sind wir schon an der Fan-Palm-Oase am südlichen Eingang vom Park begegnet. Ein Spaziergang durch den Cholla Cactus Garden mit den grünen Blüten und den an Teddybären erinnernden Armen, lässt uns ein letztes mal staunen bevor wir den Park verlassen. Für eine Woche wollen wir in Banning ausruhen, die Fotos bearbeiten und den Reisebericht über Texas schreiben.

Am 14. Mai kommen wir in San Diego an und müssen hier die Grenzformalitäten für Mexiko erledigen. Ausserdem muss der Reisebericht - USA der Südwesten - geschrieben werden. Beide Berichte und die Bilder werden von Christian in die Homepage gesetzt. Trotz allem was noch zu erledigen ist, nehmen wir uns die Zeit und besuchen das weltbekannte Sea World. Ein wunderschön angelegter Park in dem man alle Attraktionen bequem zu Fuss erreichen kann. Schon am Eingang erhalten wir einen Situationsplan mit den Zeiten der verschiedenen Shows. Wir haben Glück, die Besucher verteilen sich so im Park, dass wir überall in der ersten Reihe einen Platz finden und nirgends in einer Warteschlange stehen müssen. Ist der Park schön - so sind die Tieranlagen und die Vorführungen grossartig. Wir haben auch die Möglichkeit Trainigsstunden von Tieren und Artisten hinter den Kulissen zu beobachten. Neben den vielen Tieren wie: Delphine, Wale, Haie, Otter, Seehunde, Walrosse, Eisbären, Pinguine und vielen mehr, fehlen natürlich auch nicht die Attraktionen eines Vergnügungsparks. Richtig müde aber hoch zufrieden fahren wir am Abend wieder Heim. Uebermorgen am 18. Mai verlassen wir die USA in Richtung Mittelamerika.