USA - Der Südosten

Heute am 20. Februar 2008, an Hanspeters 65. Geburtstag, fliegen wir nach 2 schönen aber intensiven Monaten in der Schweiz wieder zurück nach Miami. Schon von zu Hause aus haben wir im Oleta River State Park, am Stadtrand von Miami, eine Cabin reserviert. Hier fahren wir mit unserem Camper hin und am 21. wird erst einmal eingerichtet und ausgeruht.

Jupee, heute am 22. Februar geht's wieder los und wir starten fröhlich mit unserem Schnüfeli zur zweiten Nordamerika-Etappe. Tja - und dann passiert's. An einem Rotlicht stellt der Motor ab und lässt sich nicht mehr starten. Wir stehen mitten auf einer sechsspurigen Autostrasse und nichts geht mehr! Auf der anderen Strassenseite sehen wir eine Autowerkstatt. Wieder einmal - Glück im Unglück - oder!? Hanspeter betätigt den Pannenblinker, öffnet die Tür um drüben Hilfe zu holen - und lässt mich mit dem atemlosen Schnüfeli einfach stehen. Mir ist nicht nur von der mittäglichen Sommersonne heiss! Nach einer Ewigkeit kommt Hanspeter zurück und nach einigen Rotlichtwechseln hält neben uns ein Pickup mit südamerikanischen Arbeitern. Ungeachtet des Verkehrs stossen sie uns an den sicheren Strassenrand. Muchas gracias!! Vom Garagisten erhielt Hanspeter den Rat einen lizensierten Abschlepper am Strassenrand zu stoppen. Er dürfe kein so grosses Fahrzeug abschleppen und wenn extra einer kommen müsse, würde das sehr teuer. Etwa eine Stunde später werden wir für $ 20.- auf die andere Strassenseite gezogen. Die Diagnose lautet: Entweder ist der Datenübermittler zum Motorsteuercomputer defekt oder er selbst. Weil der Datenübermittler billiger ist, wird zuerst der ersetzt - und siehe da der Moror läuft wieder. Wir bezahlen die Rechnung und fahren glücklich los in Richtung Floridakeys - aber kaum auf der Autobahn fängt der Motor wieder an zu stottern. Hanspeter schafft es gerade noch vom Highway runter an den Strassenrand - und nichts geht mehr! Also wieder ein Anruf in "unserer Werkstatt". Sie organisieren ein Abschleppfahrzeug das uns wieder zurück bringt. Inzwischen wird es dunkel und wir erhalten die Erlaubnis im Innenhof der Werkstatt zu übernachten. Am anderen Morgen wird ein Occasionscomputer eingebaut und eine längere Probefahrt zeigt, dass das Problem behoben ist.

Heute am 23. 2. 08 starten wir unseren 3. Versuch zu der Florida vorgelagerten Inselkette - und diesmal klappt es ! Nach längerem Suchen finden wir einen freien Campingplatz in Floridac City. Wir buchen für drei Nächte und fahren am nächsten Tag nach Key West. Diese Insel liegt, geographisch gesehen, weiter vom nordamerikanischen Festland entfernt als von Kuba, das am südlichsten Punkt nur 90 Meilen weit weg liegt. Bei einem Bummel durch die Altstadt fühlen wir uns in die Karibik versetzt. Die Strassen sind gesäumt von Holzhäusern versteckt hinter üppigem Grün und bunten Blumen. Jedes auch noch so kleine Haus besitzt eine gedeckte Veranda, liebevoll dekoriert und mit einer Sitzgelegenheit. Wir besuchen auch das Haus von Ernest Hemingway in dem er einige seiner berühmtesten Bücher geschrieben hat. Wir bekommen ein deutschsprachiges Manuskript mit dessen Hilfe wir das Haus und den wunderschönen tropischen Garten auf eigene Faust erkunden können. Hier treffen wir überall auf zum Teil sechszehige Katzen, wie sie traditionell als Schiffsmaskottchen mit auf See genommen wurden. Hemingway ist ja als Katzennarr bekannt und er hat alle seine Tiere nach berühmten Personen benannt. So sind wir zum Beispiel Edgar Allen Poe und Ava Gardner begegnet. Das Haus und den Garten zu beschreiben ist sehr schwierig. Beide sind sehr harmonisch und geschmackvoll gestaltet und wir haben uns darin sehr wohl gefühlt. Ueber das Leben des Schriftstellers ist so viel geschrieben worden. Darum hier nur eine kleine Episode. Im Garten ist, halb versteckt zwischen tropischen Pflanzen, eine Katzentränke zu sehen. Der obere Teil, das grosse Fass, kommt aus Kuba. der untere Teil ist nett mit Fliesen verziert. Dieses Ding hing ursprünglich an der Wand der Herrentoilette in Sloppy Joe's Bar. Als dieser den Raum renovieren liess und das Pissoir auf dem Boden lag, schwang sich Hemingway das Becken auf den Rücken und nahm es mit nach Hause mit der Begründung: "Hier ist so viel von meinem Geld durchgelaufen, da hab ich wohl ein Anrecht darauf...". Seine Frau Pauline soll aber von diesem Ding im Garten gar nicht  begeistert gewesen sein. Sie versuchte es zu verzieren und damit zu vertuschen. Das gelang ihr aber nicht, da Ernest jeden Besucher in den Garten führte um es zu zeigen.

Heute wollen wir weiter um den Everglades National Park kennen zu lernen. Darum fahren wir ganz an den Golf von Mexiko, zur Florida Bay, wo wir einige Tage im Flamingo Campground stehen wollen. Danach planen wir noch den Rest der Woche im nördlicher gelegenen Long Pine Key Campground zu stehen. Wir sind ganz erstaunt. Wir fahren durch riesige Prärieflächen die nur durch einige "Baum- oder Buschinseln" unterbrochen werden. Das Land ist topfeben und wir schmunzeln beim lesen einer Hinweistafel zum Rock Reef Pass, Höhe: 1 Meter! Später erfahren wir von einer Rancherin, dass die Baumgruppen die Berge der Everglades sind. Die Erhöhungen genügen, dass darauf dichter Urwald wächst. Alles Pflanzen, die eine Ueberflutung nicht vertragen. Dank einem Holzsteg durch den Mahagoni Hammock hat man die Möglichkeit, so ein Dickicht zu erforschen. Der Unterschied zum umliegenden Grasland könnte nicht grösser sein. Hier wächst und blüht es in so einer Fülle, dass das Sonnenlicht den Boden kaum erreicht. Draussen ist feuchtes Wiesland, durchzogen von Wasserläufen und in der Sonne glitzernden Seen. Noch etwas bringt uns zum staunen. Die Everglades sind kein Sumpfland sondern ein riesiger Fluss, der gaanz langsam vom Lake Okeechobee in den Golf von Mexiko fliesst. Wenn ich mich richtig erinnere: 15 Meter pro Tag. WOW ! Weil nun aber die umliegenden Farmen und Städte - inklusive Miami - ebenfalls von diesem Wasser nutzen, braucht es riesige Anstrengungen um die Everglades und ihr kompliziertes Oekosystem zu erhalten. Dank "unserer" Rancherin Maria wird die uns umgebende Natur zu einem grossartigen Erlebnis und das wir sooo viele - auch seltene - Tiere sehen können, empfinden wir als besonderes Geschenk. Nur der sehr scheue und seltene Puma bleibt unserem Auge verborgen. Sonst aber sehen wir die grossartige Vielfalt der hiesigen Tierwelt wie: Schmetterlinge, aller Art Vögel, den scheuen Rehen, bis zur Wasserschildkröte und den Baby hütenden Alligatorenmüttern. Wir sind hell begeistert und mit leiser Wehmut verabschieden wir uns nach einer Woche von dieser grossartigen Landschaft.

New Orleans, that's  Voodoo and Jazz ! Gestern am 12. 03. 08 sind wir hier angekommen. Wir stehen im afroamerikanischen Viertel Tremé, wo der Jazz geboren wurde. Hinter einer Backsteinmauer liegt der Friedhof Nr. 1 wo die Voodoo Königin Marie Laveau begraben liegt. Sowohl vor dem Viertel Tremé wie auch vor dem Besuch der Friedhöfe werden wir von verschiedenen Seiten ernsrhaft gewarnt. Wer diese Grenzen überschreitet - und seien es auch nur ein paar Häuserblocks - bringe sich ernsrhaft in Gefahr. In der Nacht sollte man - auch für kurze Strecken - ein Taxi nehmen. In den ersten Jahren der Kolonialzeit wurden die Toten, wie in Europa üblich, erdbestattet. Weil grosse Flächen New Orleans unterhalb des Meeresspiegels liegen, füllten sich die Gräber mit Wasser und die vermoderten Särge und Leichen wurden nach oben gespült. Vielleicht eine natürliche Erklärung für die Entstehung so mancher Gruselgeschichte. Darum entschloss man sich - nach spanischem Vorbild - für die oberirdischen Begräbnisstätten. In den Friedhöfen spuken zwar nicht die Geister, aber zwischen den Backsteingruften treiben bewaffnete Räuber ihr Unwesen. Mark Twain soll einmal geschrieben haben: New Orleans besitzt keine Architektur, ausgenommen auf den Friedhöfen..... .

Unser gut geschützter Campingplatz liegt nun genau in dieser Gegend, aber eben auch direkt am ältesten Stadtteil, dem French Quarter. Dieses Viertel wurde vom verheerenden Wirbelsturm Katrina 2005 nicht zerstört. Das nur 13 mal 6 Häuserblocks grosse Quartier ist mit seinen farbenen Fassaden, den Holzfenstern und schmiedeeisernen Balkonen zugleich atemberaubend schön und deprimierend schäbig. Ueberall in den Strassen, vor allem um den Jackson Square und an den Ufern des Mississippi geniessen wir die Gaukler, Balonkünstler, Zauberer, Wahrsager - und natürlich - die Musik. Am Flussufer erzählt ein älterer Schwarzer mit geschlossenen Augen auf seinem Saxophon aus seinem Leben. Ein junger Mann träumt an seiner Gitarre zupfend von seiner grossen Liebe. Ein Duo - Trompete und Bassgeige - zwingt uns mit seinem hervorragenden Spiel zum Stehenbleiben und Geniessen. Die Beiden waren auch schon mal in Ascona am Jazzfestival und wollen auch dieses Jahr wieder hin. Schon fast auf dem Heimweg treffen wir auf eine Musikertruppe die an einer kleinen Kreuzung die halbe Strasse versperrt. Sie reissen, begleitet von Sängerin, Jongleur und Tänzern ihr Puplikum zu wahren Begeisterungsstürmen hin. Es geht gar nicht anders, man muss stehen bleiben und mitmachen. Einfach grossartig. Wir sind begeistert von dieser Stadt und wollen - nein müssen - länger bleiben !

Rund 15% der hiesigen Bevölkerung sollen noch immer den Voodoo praktizieren. Zahlreiche Geschäfte bieten Zauber und Glücksbringersäckchen - sogenannte "gris-gris", Amulette, Kräuter, Voodoopuppen und mehr oder weniger witzige Sachen an. Aber es gibt auch einen Voodootempel in dem Besucher willkommen sind. Wir sind nun doch - gaanz wenig - neugierig geworden und schliessen uns einer anerkannten Führungstour an. Wir erfahren viel über die Geschichte und die Lebensgemeinschaft zwischen Schwarz und Weiss. Unser Begleiter Bob meint dazu:" Hier in New Orleans finden sie die besten Beispiele was herauskommt, wenn sich verschiedene Kulturen mischen. Nehmen sie die weisse und die schwarze Musik - und wir bekommen den Jazz. Nehmen sie die Westafrikanischen Religionen, mixen sie mit dem Katholizismus - und wir bekommen Voodoo, einen oft falsch verstandenen Glaubenskult. Nehmen sie die schwarze und weisse Küche - und wir haben GUMBO. Ein Suppeneintopf mit Wurst, Seafood und Hühnchen". Hier gibt er uns auch die Adressen wo man den besten Gumbo isst. Wir haben es ausprobiert - Yam - yam - lecker ! Natürlich besuchen wir auch den Friedhof Nr. 1 und das Grab der berühmten Voodoopriesterin Maria Laveau. Ihre Gruft ist übermalt mit Kreuzen und anderen Zeichen und am Fuss vor der Gruft liegt Geld. Bob meint dazu:" Es ist erstaundlich, obwohl es so viele Arme hier gibt - keiner würde hier jemals Geld wegnehmen. Was die Zeichen betrifft: Sowohl wir vom Touristenbüro, als auch die Pristerin der Voodoogemeinde versuchen gegen diese Unsitte anzukämpfen. Wie sie sehen, leider ziemlich erfolglos". Danch gehen wir weiter zum Louis Armstrong Park, dem früheren Congo Square, wo in den allwöchentlichen Zusammenkünften die Sklaven ihrem Ahnenkult frönten. Nach der Führung besuchen wir den Voodootempel in der N Rampert Street. Die Priesterin und Vorsteherin der Voodoogemeinde begrüsst uns ganz herzlich und erzählt uns aus ihrem bewegten Leben. Sie ist in Amerika eine anerkannte Persönlichkeit und wurde schon von verschiedenen TV Sendern, darunter auch dem Discovery Channel, als Fachfrau eingeladen. Auch einflussreiche Magazine und Zeitschriften, wie der New York Times und der Washington Post, haben Artikel über diese bemerkenswerte Frau geschrieben. Im Garten hinter dem Haus werden ihre Worte zur Predigt, in der sie uns bittet uns zu fragen, für was und warum wir auf dieser Welt sind. "Es ist wichtig unser Fühlen, Denken und Handeln auf diese Fragen abzustimmen. Gott ist Liebe, Gesundheit und Mitgefühl. Er hat einen Grund warum er unsere Seele in diesen Körper und zu dieser Zeit an diesen Ort gesandt hat". Danach begleitet sie uns in ihren Tempel wo sie neben Führungen auch Sprechstunden und Rituale anbietet. Eine unglaubliche Sammlung von Zeremonialgegenständen aus den verschiedensten Glaubensrichtungen sind hier zu sehen. Neben dem Pabstbild und christlichen Heiligen lächelt ein Buddha neben einem kleinen chinesischen Tempel. Kokusnussgesichter, Flaschen, Kerzen, Schrumpfköpfe, Masken, eine lebende Python, Voodoopuppen, Kräuter - eine unglaubliche Fülle. Eine fremde Welt. Faszinierend, schaurig schön, aber für uns unfassbar. In allem steht diese sympatische Frau und spricht von Gott und der Aufgabe die er uns für unser Leben gestellt hat. "Vergessen sie nicht sich immer wieder zu fragen: Was hat Gott gewollt. was ist meine Aufgabe in dieser Welt".

Eigentlich wollten wir heute Morgen, am 15. März 08, weiter in westlicher Richtung fahren. Auf dem Nachhauseweg gestern Abend sind wir aber an eine Strassenparade gelaufen und erfuhren, dass die Iren dieses Wochenende St Patrick feiern. Heute nun soll zu seinen Ehren und zum Irischen Nationalfeiertag um 13 Uhr ein grosser Umzug sein. Klar, sind wir dabei ! Wir checken also aus unserem Campingplatz aus, aber nur, um uns wieder auf den nächsten öffentlichen Parkplatz zu stellen. Ausgerechnet heute ist ein Stromunterbruch auf unserer Tramstrecke und die Busse sind so überfüllt, dass sie schon gar nicht mehr anhalten. Zum Glück ist es nur 25°C heiss und so gehen wir die ca. 2.5 Meilen zu Fuss durch die Stadt um im Gardendistrict mit den Iren zu feiern. Hier geht es vor allem laut, fröhlich und feucht zu. Es werden Süssigkeiten, Papierblumen, farbige Perlenketten und vieles mehr unter dem jubelnden, schreienden Publikum am Strassenrand verteilt. So mancher Bursche verlangt für sein Geschenk einen Kuss als Bezahlung - und erhält ihn auch. Leider müssen wir uns am Nachmittag vom Trubel lösen, müssen wir doch den ganzen Weg wieder zu Fuss zurück und zu unserem nächsten Campingplatz fahren, der am Stadtrand von New Orleans liegt.

Heute fahren wir weiter zum 350 Km entfernten Sam Housten Jones State Park am Lake Charles, wo wir wieder für zwei Nächte einen Standplatz reserviert haben. Unser Weg führt uns über grosse Flüsse und breite Buchten. Die Brücken sind meistens flach über dem Wasser gebaut um dann, für den freien Schiffsverkehr, steil anzusteigen. Genau so steil fallen sie danach wieder ab um wieder flach über dem Wasser die nächste Landzunge zu erreichen. Etwa vergleichbar mit unseren Achterbahnen. Links und rechts sind ausgedehnte Feuchtgebiete und wir sehen Reisfelder und Krebsfarmen. Dazwischen, etwas höher gelegen, weites Grasland mit weidenden Rinder- und Pferdeherden. Die Natur ist frühlingshaft, blühende Wiesen und Bäume, das erste Gras wird geschnitten und die Temperatur bewegt sich um 20 bis 25°C. Seit einigen Tagen haben wir einen starken Wind, der das Draussensitzen unangenehm macht. Am Schatten empfindet man es zu kühl, im Windschutz zu heiss und an der Sonne ist es trotz Wind angenehm, aber gefährlich wegen dem Sonnenbrand. Meine Lösung: Jede halbe Stunde den Stuhl um eine viertel Drehung bewegen.

Nach unserem zweitägigen Aufenthalt im State Park, haben wir heute Texas erreicht und schlafen nördlich von Housten.