Nicaragua

Bei einem kleinen Rundgang durch den grenznahen Ort Somoto kommen wir auch bei einer Touristeninformation vorbei, wo wir uns nach den Möglichkeiten hier in Nicaragua erkundigen. Dabei interessieren uns in erster Linie die Parks und Campingmöglichkeiten hier in der Gebirgsregion. Trotz mehrmaligem Nachfragen bekommen wir kaum regionale Hinweise, dafür aber viele Infos und Prospekte von der Küstengegend. Erst gegen Ende des Gespräches bekommen wir Unterlagen von den zwei Orten Miraflora, das an einer schönen Bucht gelegen ist und Salto Estanzuela mit einem grossen Wasserfall. Beide Naturreservate sind in der Nähe von Esteli, also nicht so weit weg von hier. Nach den langen Fahrtagen träumen wir von einem ruhigen Plätzchen, wo wir unsere weitere Reiseroute planen können. Wir entscheiden uns für das näher gelegene Miraflora und biegen noch im Ort in die Naturstrasse ab. Was wir dann durchfahren darf – mindestens stellenweise – kaum als Strasse bezeichnet werden. Nach 20 km Holperpiste haben wir zwar unser Ziel noch nicht erreicht, dafür kommen dicke Gewitterwolken auf uns zu. Bei einem Campesino fragen wir wie weit es noch sei? Der aber weiss nicht einmal, dass es einen solchen Ort gibt. In der Zwischenzeit ist es schon bedrohlich dunkel und die ersten Blitze jagen über den Himmel. Hier in der Einsamkeit wollen wir auf keinen Fall stehen müssen. Also gewendet und so schnell es die ‚Strasse’ erlaubt den ersten Regentropfen in Richtung Esteli davon gefahren. Wir sind tatsächlich nur mässig nass da angekommen und das Unwetter ist in eine andere Richtung abgezogen. Unserem Wunsch nach einem schönen Ruheplatz folgend, entschliessen wir uns zur Fahrt nach dem 7 km entfernten Salto Estanzuela. Statt diese Piste zu beschreiben, hier nur diese Notiz: Wir haben für die insgesamt 47 km ganze 3,5 Stunden gebraucht. Ein guter Marathonläufer hätte also mit uns das Ziel erreicht. Könnt Ihr Euch vorstellen, wie schlecht die Strassen sind? Nun, wir haben dieses Ziel erreicht und stehen ziemlich gerade auf einem Privatgrundstück in der Nähe des Wasserfalls. Ab hier geht es nur noch zu Fuss weiter. Wir machen uns sofort auf den Weg und geniessen am Fuss des herabstürzenden Wassers eine Ruhepause. Kaum zurück bei unseren Autos bekommen wir Besuch. Ein alter leicht betrunkener Mann hört, dass Margit und Jörg aus Österreich kommen. Sofort fängt er an StilleNacht, heilige Nacht zu singen. Immer wieder sagt er, dass dieses Lied von einem Deutschen und einem Österreicher sei und er freut sich riesig, jemandem von da zu begegnen. Der Nachbar schämt sich wohl für seinen Landsmann. Er kommt mit der Machete in der Hand und schubst den Alten so grob weg, dass dieser stürzt. Ziemlich unsanft wird er zum Grundstück hinaus geworfen. Für uns kein sehr schöner Abschluss dieses doch sehr anstrengenden Tages. Wir beschliessen Morgen weiter nach unserem Ruheplatz zu suchen.

 

Gestern Abend noch haben wir beschlossen heute nach  Leon zu fahren. Auf dem Weg dahin durchqueren wir die Cordillera de los Maribios, einer Vulkankette. In San Jachinto hat man die Möglichkeit an ‚kochende’ Schlammlöcher zu kommen. Die wollen wir natürlich sehen. Aber zuerst heisst es die 7 km ‚Loch-Staub-Stein-Moraststrasse von Salto Estanzuela wieder zurück zu fahren. Dann aber haben wir nur noch Teerstrasse, JUUPPII!

Kurz nach San Isidro geht’s rechts weg. Hatten wir gestern das Gefühl die wohl schlechtesten Strassen Nicaraguas kennen gelernt zu haben, werden wir heute eines besseren belehrt. Die Strasse in Richtung Leon war wohl einmal geteert. Heute sieht es hier aus, als ob ein ganzer Meteoschauer runter gehagelt wäre. Jeder sucht sich irgendwie einen Weg und hofft, dass er einigermassen an den anderen Autos vorbeikommt. Dabei fahren hier sogar noch Busse die regelmässig diese Strecke bedienen. Wir zollen diesen Fahrern unseren ganzen Respekt. Wir jedenfalls sind froh nur einmal hier durch zu müssen.

In San Isidro finden wir die Hervideros problemlos und dürfen auf einem privaten Grundstück übernachten. Von hier haben wir einen schönen Blick auf die dampfende Erde. Die ganze Zeit sind wir von neugierigen Kindern umgeben und wir bekommen Willkommensgeschenke in Form von kleinen Blumenvasen die sie aus dem Lehm der Blubberlöcher gebastelt haben.

 

Heute fahren wir nun nach Leon zum Einkaufen und dann sofort weiter zum Lago Managua wo wir in der Laguna Xilopa einen Standplatz direkt am Wasser finden. Hier haben wir endlich ‚unseren’ Ruheplatz, von dem wir schon seit Tagen geträumt haben!

 

Leider fängt unser Schnüfeli wieder an den Motor abzustellen sobald wir langsam fahren, oder anhalten müssen. Hanspeter hat den Luftfilter gereinigt, was diesmal aber nichts gebracht hat. So bleibt uns nach einem herrlichen Ruhetag am See nichts weiter übrig als zeitig am Morgen in Managua eine Werkstatt zu suchen. Die Erste finden wir dank Polizei und Feuerwehr. Hier wird der defekte Wasserschlauch entdeckt und ausgewechselt. Allerdings leuchtet danach die Warnlampe, dass der Motor gecheckt werden muss! Der Werkstattchef meint nur: „Das ist halt die Elektronik. Hängen wir die Batterie ab und warten 5 Minuten. Dann stellt sich der Bordcomputer wieder neu ein“. Tut er aber nicht. Der zweite Vorschlag: „Machen sie sich keine Sorgen. Wenn sie fahren löscht das Licht dann schon“. Will ich aber nicht. Also suchen wir eine zweite Garage die sich mit Elektronik auskennt. Nachdem das Batterie abhängen auch bei ihnen nichts genutzt hat, werden wir von einem Mitarbeiter zu einem Geschäft begleitet das die Anschlussstecker für ihr Kontrollgerät haben sollte. Ihres sei gestohlen worden. Hat aber das Geschäft nicht. So fahren wir gemeinsam mit ihm zu einer dritten Garage die ein passendes Kontrollgerät haben soll. Haben die aber auch nicht. Nur hier weiss der Chef sich zu helfen. Mit einem Trick kann er die Informationen von Schnüfelis Bordcomputer ablesen – und endlich kann repariert werden! Kurz vor dem Eindunkeln ist es geschafft. Wir fahren los in Richtung Volkano de Managua. Ein Naturschutzgebiet mit noch rauchendem Vulkan zu dem man hochfahren kann. Unsere Freunde warten da auf uns. Nur ist jetzt leider Feierabendverkehr und wir kommen nur im Schritttempo vorwärts. So ist es schon ganz dunkel bis wir vor den geschlossenen Toren des Nationalparks stehen. Die machen um 5.°°Uhr die Tore zu. Zum Glück kommt ein Mitarbeiter der uns weiter helfen kann. So gibt’s doch noch ein glückliches Ende dieses aufreibenden Tages.

 

Ein wunderbarer Morgen lädt uns geradezu ein eine Wanderung um den Vulkankrater zu machen. Wir werden mit herrlichen Ausblicken in die Weite belohnt. Der rauchende Krater kann bequem vom Parkplatz aus eingesehen werden, was den meisten Besuchern auch genügt. Der Nachbarvulkan ist schon bewachsen und nur um diesen darf man ohne Führung gehen. Teilweise muss der Weg richtiggehend gesucht werden. An den wichtigen Stellen stehen Rancher die uns Infos über die Entstehungsgeschichte und das Umland geben. Ausserdem können sie uns von ihrem Platz aus verfolgen und geben uns per Funk an den Kollegen weiter. So fühlen wir uns sicher und geniessen die 1-stündige Rundwanderung. Am Nachmittag frönen wir dann dem Nichtstun und wir warten gespannt auf die Skunks die unsere Freunde schon gestern in der Dämmerung gesehen haben. Weil es schon ziemlich dunkel ist, will zuerst meine Kamera nicht. Als ich sie endlich soweit habe, will das Stinktier nicht. So habe ich als Ausbeute ein gestochen scharfes Bild des rechten Hinterbeines. Na ja, ich hab sie ja ganz gesehen und das nächste Mal klappt es bestimmt!

 

Gestern sind wir nach Granada am Lago Nicaragua gefahren. Unterwegs machten wir im kleinen Dorf Catarina halt, das für seine Blumengärtnereien bekannt ist. Die kleinen Reihenhäuser sind zum Teil fast zugewachsen von den vielen Topfpflanzen. Ein heimeliges Bild, das mit der schönen Dorfkirche und einem neuen Spielplatz angenehm abgerundet wird. Der Grund unseres Besuches ist aber ein toller Aussichtspunkt auf die Laguna Apoyo.

Heute und Morgen nehmen wir uns viel Zeit um die Kolonialstadt Granada zu erkunden und den Reisebericht über den Süden Mexikos für unsere Homepage an Christian zu senden. Angenehm überrascht werden wir von einem Skypeanruf von Günter der uns mitteilt, dass der neue Computer bereits bei Jörgs Eltern sei. Vielen Dank für Deinen grossen, wertvollen Einsatz!

Hier im Herzen der Stadt fühlen wir uns nach Spanien versetzt. Die Häuser aus der Kolonialzeit sind schön renoviert und auch in den Nebengassen sind die alten Häuser in gutem Zustand erhalten geblieben. Auf dem zentralen Park werden wir angesprochen und bekommen den Tipp die Kirche Nostra Seniora de Mercedes zu besuchen, weil wir da den Kirchturm besteigen können und mit einem herrlichen Blick über die Stadt und das Umland belohnt werden. Ein verspätetes aber feines Mittagessen rundet diesen schönen Morgen super ab – und nun ganz schnell zurück zum See wo wir schon gestern gestanden sind. Hoffentlich werden wir auch heute mit dem Aufgang des roten Vollmondes über dem See verwöhnt.

 

Nun ist er da, der Tag der Trennung von unseren liebgewordenen Freunden Margit und Jörg. Sie fahren heute weiter nach Costa Rica um Besuch von zu Hause zu empfangen. Wir wollen noch zur grössten Süsswasserinsel der Welt. Ometepe liegt im Lago Nicaragua und wurde von zwei Vulkanen gebildet.

Frank, der Besitzer vom Hotel California in San Jorge ist Amerikaner. Wir dürfen im hübschen Park campieren und bei einem Kaffee in seinem Haus erfahren wir viel über den Alltag in Nicaragua. Leider aber auch, dass die Strassen auf der Insel denkbar schlecht sind und zur Zeit wohl nur mit 4x4 zu befahren. Ausserdem bläst ein kräftiger Wind und man hat den Eindruck am Meer zu stehen, so hoch rollen die Wellen auf uns zu.  So geniessen wir mit Frank zwei gemütliche Tage bevor wir uns, nach einem Abstecher nach San Juan del Sur, von Nicaragua verabschieden.