Mexicos Westen und zentrales Hochland

Heute Morgen um 6.30 Uhr müssen wir zum Einschiffen in Pichilinque sein. Das sind 18 Kilometer ausserhalb von La Paz. Darum haben wir uns gestern entschieden, schon am Abend zum Hafen der Baja Ferries zu fahren und da auf dem Gelände zu schlafen. Wir dürfen auf den bewachten Parkplatz fahren und fühlen uns glücklich – auch über den kühlen Schatten unter dem Dach des Hafengebäudes. Beruhigt gehen wir ins Bett und freuen uns über den Zeitgewinn am Morgen. Bedeutet das doch etwas länger schlafen zu können. Wir stellen unseren Van an den Rand des Parkplatzes. Hinter dem Zaun liegt ein weiterer grosser, leerer Platz. Wofür der ist erfahren wir um Mitternacht. Mit riesigem Gerumpel fahren die Lastwagen und Privatautos aus dem Bauch der angekommenen Fähre, um an uns vorbei auf die Strasse entlassen zu werden! Kaum verebbt der Lärm, werden die neu zu beladenden Laster um unseren Parkplatz eingewiesen. Um sie zu einem langsamen fahren zu zwingen, wurden auf dem Zufahrtsweg mehrere Schwellen eingebaut. Kann sich jemand vorstellen was das für einen Krach macht, wenn die mit ihren Lastern um 1 Uhr nachts da drüber rumpeln? Wir wissen es! Damit nun alle Autos geordnet aufs Schiff kommen, werden sie angewiesen auf dem leeren, grossen Platz neben uns zu parkieren und zu warten bis sie mit Getöse in den Bauch des Schiffes fahren dürfen. Um 2 Uhr legt die Fähre ab und endlich kann der Schlaf beginnen – wenn er nur nicht in diesem Lärm abgehauen wäre! – Irgendwie hat er sich dann aber doch noch angeschlichen – aber nur um gegen 5 Uhr Morgens endgültig verjagt zu werden. Unsere Fähre ist angekommen und das Procedere des Entladens scheucht uns endgültig aus dem Bett. Um 6.30 Uhr reihen wir uns zum Verladen ein. Beim ersten Kontrollposten heisst es: „Alle Mitfahrer müssen das Auto verlassen und zu Fuss an Bord. Vergessen Sie ihr Billet nicht“. Schnell lege ich Hanspeter noch einige Dinge bereit die er im Rucksack zu den Passagierdecks mitnehmen soll. Immerhin sind wir 6 Stunden auf dem Meer. Es dauert einige Zeit bis wir uns an Bord wieder finden. Es ist ein schön eingerichtetes Schiff mit dicken Teppichen und einer Rezeption für die Gäste die sich ein Zimmer gebucht haben. Ausserdem mit Restaurant, Bar und diversen Salons mit bequemen Stühlen mit verstellbaren Rückenlehnen. Endlich eine Gelegenheit zum schlafen – na ja, wenigstens zum dösen. Erst als schon wieder Land in Sicht ist, gehen wir an Deck um Mexiko zu begrüssen. Leider ohne Kamera. Die liegt bei unserem Schnüfeli und geniesst frech das Nichtstun. Wieder getrennt verlassen wir in Topolabampo die Fähre und treffen uns an Land hinter den Schranken.

 

Wir sind sofort weitergefahren nach El Fuerte. Es war gestern Abend windstill und so heiss, dass wir zum schlafen in ein Motelzimmer geflüchtet sind.

Heute wollen wir mit dem Zug nach Creel zum Gopper Canyon. Er hat seinen Namen von den kupferfarbenen Felsen und er ist grösser und tiefer als der Grand Canyon in den USA. Mit einem Taxi fahren wir zum Zug „Chepe“, der seinen Namen von der Fussbekleidung der hiesigen Indianer hat. Am Freitag wollen wir wieder zurück sein. Der Taxifahrer schreibt sich den Tag auf und meint dazu: „ Die Ankunftszeit brauche ich nicht. Der Zug kommt, wenn er da ist“. (Bei unserer Rückkehr meint er: Er habe heute Glück gehabt. Wir seien nur mit 1,5 Stunden Verspätung angekommen. Gestern hätte er von 18.°° Uhr bis 21.30 Uhr warten müssen.)

Auch unsere Abfahrt verzögert sich um über eine Stunde. Dann aber sitzen wir in einem angenehm klimatisierten Zug und bequemen Polstersesseln mit verstellbaren Rückenlehnen. Zusammen mit der Bar und einem Restaurant ein erstaunlicher Luxus. Zwischen den Wagons gibt es Blattformen auf denen man während der Fahrt ohne lästige Fenster fotografieren kann, was Hanspeter auch kräftig ausnützt.

Wir erleben eine spektakuläre Bahnfahrt. Der Zug überwindet mehr als 2000 Höhenmeter. Der höchste Punkt ist in Ojitos mit 2420 Meter über Meer. Nur leicht senkt sich die Landschaft bis Creel, wo wir wohnen werden. Die Schienenführung geht durch tiefe Schluchten und über Viadukte deren Schlaufen bis zu 180 Grad drehen. Er windet sich an Steilhängen hoch und  fährt durch mehrere Kehrtunnels. Es ist eine wilde, nur dünn besiedelte Landschaft mit kleinen Bahnhöfen, wo wir die ersten Tarahumara in ihren bunten Kleidern und Kopftüchern sehen. An den Bahnsteigen stehend, verkaufen sie ihre  Korbwaren und andere Handarbeiten. Dieses Indianervolk lebt noch heute teilweise als Halbnomaden und verweigert jede Unterstützung der Regierung – und verhindern so die Einmischung in ihr Leben.

Am Divisadero, einem Haltepunkt mit einigen Verpflegungsständen und Händlern, ist nicht nur ein erster imposanter Blick in die 1200 m tiefe Schlucht des Rio Urique, einem Seitental der Kupferschlucht, zu sehen. Hier befindet sich auch die Wasserscheide, wo die Flüsse zum Pazifik oder zum Atlantik fliessen. Gestartet sind wir heute Morgen in einer trockenen, heissen Tropenwelt. Hier stehen wir nun zwischen Kieferwäldern in herrlichem angenehmen Klima. Nach 20 Minuten fahren wir weiter nach Creel auf 2350 Meter. Hier finden wir im Hotel Margerita eine wunderschöne Unterkunft.

 

Im Hotel kann man sich für verschiedene Touren einschreiben. Leider bleiben wir für unseren Wunsch zu verschiedenen Canyonstellen die einzigen. So schliessen wir uns einer Gruppe an, die zu der alten Missionskirche San Ignacio fährt. Unterwegs besuchen wir auch eine Felsenwohnung der Raràmuri, „die Leichtfüssigen“, wie sich die Tarahumara selber nennen. Sie sind sehr scheu und wir erleben sie eher reserviert und zurückhaltend. Auf meine Frage hin darf ich aber doch ein Bild von einer Mutter mit ihrem Kind machen. In der Nähe der Felsenwohnung gibt es auch kleine Gehöfte in denen sie hauptsächlich Mais, Roggen und Kartoffeln anpflanzen. Die Felder sind sehr klein und unser Führer erklärt uns wie die Ernte verarbeitet und gelagert wird. Die kleinen Lagerhäuser erinnern uns ein wenig an die Speicher die wir aus dem Wallis kennen. Nur sind sie hier viel kleiner.

Interessant sind hier auch die Felsformationen. So wandern wir  an ganzen „Champignonkulturen“, zwischen Steinfröschen und an Krippenfiguren vorbei. Am romantischen Lago Arareko machen wir eine Pause bevor wir dem Spazierweg zu den  Cascada Cusàrara entlang gehen.

Nach sechs Stunden sind wir dann wieder zurück in Creel, wo wir dem Vorschlag unseres Führers folgen und im „Veronika“ wunderbar essen. Kaum wieder auf der Strasse folgen wir einem 4x4 Wagen aus Österreich der an uns vorbei fährt. Das Bild vom kleinen Prinzen bestätigt uns: Das können nur Margit und Jörg sein, die wir in der Baja zum 1. Mal getroffen haben. Was für ein schönes Wiedersehen und wie viel wir uns zu erzählen haben! Statt, wie wir mit der Bahn, haben sie sich für die Strasse entschieden und wollen nun ebenfalls einige Tage hier verbringen. Wir fahren Morgen mit der Bahn zurück nach El Fuerte und dann mit dem Van nach Chihuahua und zu den Menoniten nach Cuauhtémoc. Für diese Strecke bekommen wir wieder sehr gute Tipps von unseren Freunden, von denen wir uns mit Bedauern aber mit einem fröhlichen, „bis zum Nächsten mal“, verabschieden.

 

Kurz vor Chihuahua fängt unser Schnüfeli an zu stottern. Wir halten darum an einer Dodge-Vertretung um einen möglichen Schaden beheben zu lassen. Da hiess es dann: „ Am besten nehmen sie sich ein Zimmer in einem Hotel. Ihr Van ist älter als 10 Jahre. Da gibt es keine neuen Ersatzteile mehr. Was immer der Grund für ihr Problem ist, wir müssen improvisieren. Sollte es an der Benzinpumpe  liegen, muss diese aus der USA eingeflogen werden“. Zum Einwand von Hanspeter, dass noch nicht einmal vor einem Jahr eine Neue eingebaut worden sei, meinte der Werkstattchef: „Das ist schon möglich – wenn sie schlechtes Benzin bekommen haben....“.

Hanspeter erinnert sich, dass die Probleme kurz nach der letzten Tankfüllung begonnen haben. So entscheiden wir uns, mit einem Zusatzmittel im Tank, weiter zu fahren nach Cuauhtémoc. Zum Glück scheint das Problem wirklich  behoben zu sein. Nun stehen wir bei Loewens und rufen Abram Peters an, ob er vielleicht Zeit hat uns durch die mennotische Gemeinde zu führen? Er verspricht uns Morgen um 10.°°Uhr abzuholen.

 

Die deutschstämmigen  Mennoniten kamen 1920 von Kanada nach Mexiko. Die Eltern von Abram Peters gehörten zu den ersten Familien die hier siedelten. Noch heute wird hier deutsch gesprochen, wobei sie sich untereinander Plattdeutsch unterhalten. Herr Peters nimmt sich viel Zeit und wir besuchen mehrere Schulklassen und dürfen dem Unterricht beiwohnen. Weil ich in der Altenpflege tätig war, besuchen wir auch das Altersheim und gehen in die Bücherei, wo auch die eigene Zeitung gedruckt wird. Vom Besitzer, wie auch von Herr Peters erhalten wir viele Hintergrundinformationen über die Geschichte und das tägliche Leben der Mennoniten. Dabei bleiben auch Probleme im Zusammenleben untereinander und die unterschiedlich geführten Schulsysteme in den Gemeinden nicht ausgeschlossen. Alle unsere Fragen werden geduldig beantwortet und wir freuen uns über die Einladung, den Hof von Herr Peters besuchen zu dürfen. Seine Frau Katharina begrüsst uns herzlich und führt uns durch ihr Heim. Auch sie nimmt sich viel Zeit zum Erzählen und gemeinsam gehen wir dann zum Mittagessen. Besuchen danach zusammen noch die Käserei und die Kirche. Gemeinsam haben wir einen wunderschönen Tag verlebt und viel über das Leben und die Glaubensgemeinschaft der Mennoniten erfahren. Wir sind echt beeindruckt – auch wenn, nach der Begrüssung, einer der ersten Sätze von Abram Peters lautete: „Es ist mir wichtig, dass sie nicht glauben nur weil wir Mennoniten sind, gibt es bei uns nur gute Menschen“. Aber wir sind sicher, wir haben mindestens Zwei getroffen.

 

Vor unserer Weiterreise benutzen wir die Einladung des Buchhändlers und nutzen seinen Computer um im Internet nach unserer Post zu schauen, Gehen dann mit Blumen noch schnell bei Peters vorbei um uns zu verabschieden. Wir erhalten noch ihre genaue Postadresse mit der Bitte doch von unserer Weiterreise zu schreiben. Das werden wir natürlich gerne tun und mit einem herzlichen: „Reisen sie mit Gott“, werden wir verabschiedet. Für uns geht’s nun weiter nach Durango. Hier besuchen wir die Wildweststadt in der so viele Wildwestfilme gedreht wurden. Wir sind übers Wochenende hier – und fallen in eine grosse Feria mit Musik, Markt und Umzug. Fröhlich, laut und voller Lebensfreude!

 

Genau einen Monat nach meinem Geburtstag erreichen wir die Silberminenstadt Zacatecas – und verfahren uns aufs grandioseste in den engen Gassen. Auf dem Vorplatz eines Geschäftes stehen einige Personen zusammen. Also schnell gestoppt. Mindestens einer wird uns doch hoffentlich helfen können? Schnell kommt Hanspeter in Begleitung eines älteren Herrn und einem Burschen zurück. Die Gesellschaft hat sich als Drei-Generationen-Familie vorgestellt. Der Grossvater und ein Enkelsohn steigen bei uns ein. So können Sie uns weiterhelfen, falls wir im Verkehrsgewühl die vorfahrende Familie verlieren sollten. In kürzester Zeit erreichen wir unseren Standplatz beim Hotel del Bosque. Beim Abschied heisst es dann: „Unsere Jungs haben Ferien. Wenn sie möchten, werden sie sie gerne Herumführen und ihnen die Stadt zeigen“. Nachdem die jungen Männer das glaubhaft bestätigen, verabreden wir uns auf 14.°°Uhr am nächsten Tag. Es ist ziemlich bewölkt und wir hoffen, dass bis dann die Wolken weiter gezogen sind.

Pünktlich (für mexikanische Verhältnisse) werden die Jungs von ihrer Mutter zum Hotel gebracht und wir verabreden uns, dass sie sie am Abend um 18.30 Uhr wieder abholt. Zuerst fahren wir zum Aussichtspunkt La Bufa und geniessen einen herrlichen Blick über die Stadt. Besuchen hier das Museum das über die mexikanische Revolution berichtet und gehen anschliessend in die Kirche, wo ein grosses Bild an den Besuch von Papst Johannes Paul erinnert. Danach schlendern wir durch die Altstadt und unsere hübschen Begleiter wissen einiges zu erzählen. So kommen wir zum Acueducto, das noch bis 1921 Wasser führte und kehren im Nobelhotel Quinta Real ein, das genial in die Mauern einer alten Stierkampfarena hineingebaut wurde. Vom Restaurant blickt man in den Hof und im Hintergrund ist das Aquädukt zu sehen. Ein Blick der auch für unsere Begleiter neu ist. Es ist unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht. Wir müssen zurück zum Camper um noch pünktlich zur verabredeten Zeit im Hotel zu sein. Die Silbermine El Eden werden wir dann Morgen alleine besuchen. Ein schöner Nachmittag, (sogar das Wetter hat mit stark bewölkt bis sonnig durchgehalten) mit der sprichwörtlichen mexikanischen Gastfreundschaft, wird mit einer herzlichen Verabschiedung beendet.

Kaum sind unsere Gastgeber weg, kommt der grosse Regen. Den ganzen nächsten Tag stecken wir in düsterem wolkenverhangenem  Grau. Der Minenbesuch fällt buchstäblich ins Wasser. Nachdem auch am nächsten Tag das ungemütliche Nass nicht abgezogen ist, entschliessen wir uns ins wesentlich tiefere Aquascalientes zu fahren.

 

Dieser Ort liegt nur noch auf 2000 Meter über Meer und es ist deutlich wärmer. Am nächsten Morgen scheint auch die Sonne durch die Wolken und wir geniessen unseren Ausflug in den Ort. Besonders viel Zeit verbringen wir im Museo José Guadalupe Posada, der mit seinen frechen, lustig-makabren Karikaturen von nur allzu menschlichen Skeletten bekannt wurde. Wir werden in der Werkstatt von einem Mitarbeiter angesprochen, der uns Schränke öffnet und uns viel über die Zeit des Künstlers, seine Arbeitsweise und den Inhalt der Bilder erklärt. Was für ein herrliches Erlebnis, wenn man sich nicht nur einfach die Bilder anschaut, sondern plötzlich Dinge entdeckt und Zusammenhänge erkennt die einem vorher verborgen blieben.

 

Es ist der 11. Juli und wir wollen weiter nach Guardalajara. Die Landschaft durch die wir fahren erinnert uns an die weiten hügeligen Ebenen von Süddeutschland. Durch die täglichen heftigen, aber meist kurzen Regengüsse ist das Land grün geworden. Die müden Rinder die auf ihrer Suche nach Futter durch die Buschlandschaft zogen, liegen jetzt gemütlich wiederkäuend im saftigen Gras.

Hier wollen wir zwei Tage bleiben. An unserem ersten Tag erkunden wir mit einer Fahrt in einem offenen Doppeldeckerbuss die Stadt. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind in Mexiko gut ausgebaut. Fast in jeder Stadt kann man wählen zwischen Pferdekutschen, Taxis, Sammeltaxis, Touristenbussen und Stadt- und Überlandbussen. In Grossstädten, wie hier in Guadalajara oder Mexiko City gibt es auch eine gut ausgebaute Metro. In der Regel suchen wir uns einen Platz ausserhalb einer Stadt und nutzen dieses grosse Angebot des öffentlichen Verkehrs. Taxis sind hier für unsere Begriffe günstig. Wir haben immer Fahrer gehabt die mit vielem Lachen über die täglichen Probleme sprechen, zwischendurch  auch stolz auf die eine oder andere Sehenswürdigkeit hinweisen und sich dabei mit bewundernswerter Geschicklichkeit durch den dichten Verkehr schlängeln. Wenn sie sprechen, tun sie das mit südländischem Temperament. Ihre Hände sind eigentlich nur am Steuerrad, wenn sie sich gerade mal schnell zwischen zwei Lastwagen durchschlängeln. Apropos Lastwagen. Ich habe noch nie einen umgekippten Laster gesehen. Hier in Mexiko können das an einem Fahrtag schon mal 2 – 3 sein die im Strassengraben liegen. Aber noch nie habe ich gesehen, dass ein Taxi in einen Unfall verwickelt war. Also: Vertrauen haben – und die Fahrt und die Unterhaltung einfach geniessen! Will man billiger reisen, stellt man sich an den Strassenrand und winkt einem Sammeltaxi. Ist der Fahrer nicht gerade am telefonieren, oder hat einfach keine Lust die Fahrt zu unterbrechen, wird man ganz schnell mitgenommen. Egal wie weit die Fahrt ist, sie kostet immer 5 Peso. Allerdings muss man schon selber wissen wann es Zeit zum aus- oder umsteigen ist. Eine Fahrt in diesen Blechkisten mit Hartschalen-Plastikbänken ist schon ein spezielles Erlebnis. Margit aus Österreich hat das so beschrieben: Der Fahrer war wohl ein verhinderter Rennfahrer und sämtliche Federn müssen kaputt gewesen sein. Nichts für Schwangere. Holaaah.  Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

Heute am zweiten Tag fahren wir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Zuerst mit dem Sammeltaxi zur Umsteigestation. Das bedeutet: Aussteigen an einer vierspurigen Stadtautobahn. Dank der Überführung kommen wir sicher auf die andere Seite. Hier geht’s dann über 2 Seitenstrassen auf eine Naturbodeninsel die zwischen Autobahn und einem Werksparkplatz eingeklemmt ist. Da stehen wir dann zwischen Strassenhändlern die den Wartenden und den Gästen von ankommenden Bussen ihre Waren anbieten. Wir werden von einem Billetero angesprochen der uns eine Fahrkarte noch Colima anbietet. Wie er hört, dass wir nach Tequila wollen, ruft und pfeift er seinem Kollegen über den ganzen Platz, dass hier Kunden für ihn stehen. Der hört es tatsächlich trotz dem Getöse der Autobahn, dem Rufen der Händler und den laufenden Motoren der anhaltenden und wegfahrenden Autobusse. Wir stehen an einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt und nach einiger Zeit winkt uns unser Billetverkäufer wir sollen ihm folgen, weil der Buss angekommen sei. Diese Überlandbusse sind durchaus mit unseren zu vergleichen. Aber hier nimmt sich der Fahrer auch mal Zeit um sich am Gespräch unter den Gästen zu beteiligen. Hast du Hunger? Beim nächsten Strassenhändler reichst du dem Fahrer das Geld und sagst ihm was du willst. Er tätigt dann den Kauf durch sein Seitenfenster bis die Ampel auf grün schaltet. An einer Haltestelle ist er auch bereit auf seine Kunden zu warten, wenn die mal schnell an den zahlreichen Ständen etwas einkaufen wollen. Wenn an einer Kreuzung die Zeit knapp ist, öffnet er dem Strassenhändler die Tür. Während der Weiterfahrt kann dieser dann seine Ware anbieten und steigt etwas weiter vorne wieder aus. So fahren wir gut versorgt, vorbei an grossen Agavenplantagen, nach Tequila.

 Unser Ziel ist die Brennerei La Cofradia. Leider muss Hanspeter bei unserer Ankunft feststellen, dass uns auf der Fahrt hierher die Kamera gestohlen wurde. Nach der ersten ungläubigen Enttäuschung entschliessen wir uns: Nun wollen wir diesen Tag erst recht geniessen. Es gelingt uns auch recht gut, auch wenn wir unsere Kamera doch einige male vermissen.

Bei unserer Ankunft sagen wir, dass ich nicht so gut spanisch spreche. Sofort wird ein Führer mit Englischkenntnissen organisiert. Zusammen mit drei Amerikanern werden wir durch die Brennerei geführt. Eben ist ein Laster mit riesigen, bis zu 90 Kilogramm schweren, Agavenherzen angekommen. Wir erfahren, dass sowohl die Anpflanzung, die Pflege und die Ernte der Pflanzen reine Handarbeit ist. Das sei auch der Grund gewesen, warum diese Firma den Namen La Cofradia bekommen habe. Dies bedeute nichts anderes als; Gemeinsam als Bruderschaft teilhaben. Weiter sagt er: “Wichtig ist auch das gute Zusammenspiel von Bodenqualität, Wasser und Klima. So gibt es in ganz Mexiko nur 5 Länder auf denen die bläuliche Agave zu Taquila verarbeitet werden darf“. Die angelieferten Agavenherzen werden hier in riesigen Dampfkessel gekocht und wir bekommen ein kleines Stück zum aussaugen. Es schmeckt sehr gut und erinnert uns ein wenig an verdünnten Caramelsaft. Weiter werden wir durch die Anlagen geführt und zu den Erklärungen der einzelnen Schritte dürfen auch immer wieder Fragen gestellt werden. Schon geht es unter riesigen Mangobäumen weiter in die Kellergewölbe. Noch vor dem Gebäude erfahren wir den Grund für diese Plantage: „Wenn sie sich das Gebäude genau anschauen sehen sie, dass das Haus um die Bäume herumgebaut wurde und die Äste aus dem Dach wachsen. Die Feuchte der Baumstämme im Kellerraum, ist sehr wichtig für die Reifung des Tequila“. Hinter den Fässern ist eine Bar eingerichtet – und jetzt geht’s an die Arbeit, auf die sich alle gefreut haben – wir probieren uns durch das Getränk – vom Jungen bis zum Mehrjährigen, der sogar mir schmeckt. Dazu bekommen wir natürlich wieder die nötigen Informationen, damit wir in Zukunft wissen worauf wir beim Kauf achten sollten. Ich gestehe es freimütig – die Gesellschaft ist auf der Rückfahrt ins Dorf Tequila einiges gelöster als auf der Hinfahrt.

 

Wir haben erfahren, dass in Colima ein Geschäft steht das Nikonkameras verkauft. Heute fährt Hanspeter mit dem Bus hin um unsere Kamera zum Flicken zu bringen. Das ist allemal billiger als wieder eine Neue zu kaufen. Ich nutze die Zeit um unseren Reisebericht zu schreiben.

Irgendwann in der Nacht werde ich wach. Der Himmel wird gar nicht mehr dunkel, weil ein Blitz den nächsten durch die Wolken jagt. Ein ständiges Grollen liegt in der Luft. Der Donner hat gar keine Zeit um Atem zu holen. Irgendwo am Rand unseres Wahrnehmungskreises muss ein heftiges Gewitter niedergehen. Bei uns weht ein laues Lüftchen und die Grillen versuchen gegen das Donnergrollen an zu singen. Erst nach einer Stunde zieht das Unwetter an uns vorbei. Es wird  ruhiger und die Grillen sind wieder die einzigen Stimmen der Nacht. Ich habe mein erstes heftiges Trockengewitter erlebt. Ich kann nicht mehr schlafen, stehe auf und beginne zu schreiben.

 

Mittlerweile sind aus den zwei geplanten Tagen hier in Guadalajara vier Wochen geworden. Wir warten immer noch auf unseren Fotoapparat, der zur Reparatur ist. Zu unserer grossen Freude waren Margit und Jörg in der Nähe und haben uns besucht. Endlich haben wir genug Zeit zum Plaudern, Spiel und Spass.  Sie haben ebenfalls Tequila besucht und stellen uns ihre Bilder zur Verfügung. So haben wir doch noch Erinnerungshilfen. Vielen Dank!

 

Am 15. August wird in ganz Mexiko Maria Himmelfahrt gefeiert. Ganz besonders eindrucksvoll wird dieses Fest in Huamantla durchgeführt. Unsere Freunde sind schon dort und wir hoffen, dass nun endlich unsere Kamera ankommt. Es ist schon der 11. und für uns wird es höchste Zeit, wenn wir noch rechtzeitig ankommen wollen. Das steht dann aber schon in unserem nächsten Reisebericht.