Guatemala

Heute nehmen wir den zweiten Anlauf um über die Mexikanische Grenze zu kommen. Gestern waren wir zeitig da und da hiess es: „ Das Auto können sie nicht hier bei uns abmelden. Dazu müssen sie nach Tapachula zurück fahren“. Also die 40 km wieder zurück und die zuständige Stelle suchen. Da erfuhren wir auch den Grund, warum wir den Ausreisestempel im Pass nicht erhalten haben. „Bei der Einreise hat sie der Grenzbeamte betrogen. Sie haben wohl das Einreiseformular bekommen – und bestimmt auch die Gebühr bezahlt, aber der Quittungsstempel fehlt und auch das Doppel für die Abrechnung, das der Beamte braucht, ist noch dran. Der hat ihr Geld eingesackt. Ohne diesen Quittungsstempel kommen sie nicht aus Mexiko raus. Es bleibt ihnen leider nichts anderes übrig, als die 40 US$ noch einmal zu bezahlen“. Na so was! Nachdem alles erledigt war, war es schon Nachmittag. Das würde heissen, dass wir dann irgendwo in den Bergen Guatemalas hätten Übernachten  müssen. Nachdem das EDA ernsthafte Warnungen für die Reisen in Guatemala herausgegeben hat, wollten wir das auf keinen Fall! So fuhren wir noch einmal nach Puerto Chiapas, wo wir schon gestern direkt am Meer schliefen.

Aber heute scheint die Sonne wieder und wir fahren schon um 8.°°Uhr in Richtung Grenze. Heute haben wir alle Papiere und entsprechend Problemlos sind alle Zollformalitäten erledigt und schon nach zwei Stunden (für beide Autos) sind wir in Guatemala. Unser Ziel ist das 100 km von der Grenze entfernte Quetzaltenango, das auf über 2300 m in der Sierra Madre liegt. Direkt nach der Grenze steigt die Strasse in steilen Serpentinen nach oben. Die Motoren laufen heiss und unsere Männer sind in den engen, löchrigen Strassen ganz schön gefordert. So sind es wohl eher wir Frauen die die schöne Landschaft so richtig war nehmen. Immer wieder weidet unbeaufsichtigtes Vieh an den Strassenrändern, was zusätzliche Aufmerksamkeit fordert. Durch kleine Dörfer, deren Durchgangsstrasse gleichzeitig die einzige Quartierstrasse ist, fahren wir an freundlich winkenden Männern und lächelnden Frauen und Kindern vorbei. In ihren wunderschönen bunten Trachten – moderne westliche Kleidung sehen wir ganz selten – sind die Mädchen und Frauen wunderschön. Dabei fällt mir ein Satz der guatemaltekischen Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchu ein, die sagte: „Was uns am meisten weh tut, uns anderen, den Indigenas, ist, dass sie unsere Tracht schön finden, aber die Person, die sie trägt, gleichfalls nichts ist“. Während die Frauen ihre Lasten oft auf dem Kopf tragen, nehmen die Männer ihre Bündel auf den Rücken und tragen sie mit Hilfe eines Stirnbandes. Einmal begegnet uns ein Mulitreiber der seine Last dem Tier aufgebürdet hat. Die Frauen und Mädchen hüten Schafe und Ziegen, Die Jungs und Männer sind mit dem Grossvieh beschäftigt. Am späteren Nachmittag kommen wir in San Juan de Ostuncalcu an. Nachdem wir erfahren haben, dass hier Morgen ein grosser Sonntagsmarkt stattfindet und wir von der Polizei einen sicheren Schlafplatz-Tipp bekommen haben, beschliessen wir hier zu bleiben. Wir schlendern durch die schon anwesenden Stände. Seit langem werden wir nicht mehr dauernd bedrängt. Überall begegnen uns fröhliche Menschen die uns mit ihrem Lächeln und mit freundlichen Worten willkommen heissen.

 

Heute Morgen gehen wir zeitig zum Markt – und sind überwältigt von der Grösse und der Vielfalt der Angebote. Es gibt nichts das man hier nicht kaufen kann.  Eine unglaubliche Fülle an Früchten. Gemüse, Schuhe, Decken, Kleider, Handwerkszeug und, und, und. Ein buntes, fröhliches Treiben und auch heute werden wir in keiner Weise bedrängt, weder von den Verkäufern noch von Bettlern. Einfach nur da sein und die Atmosphäre mit offenen Augen und allen Sinnen geniessen! Wir dürfen auch fotografieren und werden in Gespräche verwickelt. Sie sind auf uns mindestens genau so neugierig wie wir auf sie und es ist ein entspanntes Geben und Nehmen. Margit und Jörg haben einen Soldaten nach der Sicherheit gefragt. Wir fühlen uns hier so wohl, dass wir die ernsten Warnungen aus unserem auswärtigen Amt schon fast verdrängen wollen. Er aber hat mit ernstem Gesicht bestätigt, dass das Weiterfahren hier in den Bergen – rüber nach Guatemala City  - wirklich sehr gefährlich ist. So fahren wir wie geplant zur Küstenstrasse runter die wir erst jetzt befahren wollen, weil wir einige Tage vor unserer Einreise erfahren haben, dass in Coatepeque der Ausnahmezustand ausgerufen wurde. Mit dem Ausweichen auf die Gebirgsroute konnten wir diesen Ort grosszügig umfahren.

Beim Frühstücken trugen wir lange Pullover und Hosen und sogar Socken, so frisch war es! Aber fast halbstündlich merkt man beim langsamen kurvenreichen Runterfahren, wie es wieder heiss wird. Vom schönen Hochland mit den vielen Kleinstfeldern die bis in die sterilsten Hänge  angepflanzt sind, haben wir nun die Ebenen des Tieflandes am Pazifik erreicht. Wie so oft wurde die Vielfalt der kleinen Bergdörfer mit ihrer abwechslungsreichen Pflanzenwelt abgelöst durch eintönige, schmuddelige Städte und von riesigen Zuckerrohr- anbauflächen beidseits der Strasse. Nach einer Kaffeepause am sehr schönen Zocalo in Mazatenango entschliessen wir uns zu einem Meeresstrand zu fahren der in dieser Zeit von Eier ablegenden Schildkröten aufgesucht wird. Leider stehen wir am Ende der Strasse vor einer Fähre. Für die Überfahrt verlangen sie 150 Quetzales pro Auto. Uns ist das zu teuer. Hätten wir doch denselben Betrag für die Rückreise noch einmal bezahlen müssen. So sind wir weitergefahren und schlafen heute bei der Polizeistation in Guazacapan.

 

Am Morgen sind wir zeitig zur Grenze nach El Salvador aufgebrochen. Wir wären gerne länger in diesem schönen Land mit den vielen netten Menschen geblieben, die wir auf der Durchreise angetroffen haben. Aber wir wollen die ernsten Warnungen die von Überfällen – sogar auf Reisebusse – von Erpressungen bis hin zu Ermordungen und Vergewaltigungen sprechen, nicht einfach ignorieren. Aber alle Vier finden wir: Sehr, sehr schade!

 

Wegen Computerproblemen hat sich die Einreise 3,5 Stunden hingezogen. So ist unser Wunsch: Nur noch so schnell wie möglich an den Pazifikstrand! Nur einige Kilometer nach der Grenze haben wir die unscheinbare Einmündung runter zum Barra de Santiago, kurz vor Acajutla, auch gefunden. Hier wollen wir uns von den letzten anstrengenden Fahrtagen erholen. Mal schauen, wann’s weiter geht.