Belize

Nun stehen wir an der Grenze zu Belize. Die Ausreise aus Mexiko ging problemlos. Allerdings wurde Hanspeter für die Rückreise eine neue Aufenthaltsbewilligung für weitere 180 Tage in Mexiko verkauft. Hätten wir eigentlich gar nicht gebraucht. Nach 100 Metern ein weiterer Stopp um die vorgeschriebene Autoversicherung für Belize abzuschliessen, anschliessend weiter zum Räder desinfizieren. Dann schräg über die Strasse zur Migration- und Zollbehörde. Wir Schweizer brauchen ein Visum, für das wir 100 B$ pro Person bezahlen. Sehr unfreundlich ist dann die junge Dame am Zoll. Sie will einfach die Wagenpapiere von Kanada nicht anerkennen. Da gibt es kein Ausweispapier wie wir es in der Schweiz kennen, sondern der Versicherungsausweis ist zugleich der Nachweis, dass man der Besitzer des Autos ist. Sehr unfreundlich meint sie: „ Da kann ja jeder mit einem selbst gemachten Blatt Papier kommen“. Meine Antwort an sie:“ Dieses Papier wurde in Kanada, USA, und Mexiko akzeptiert. Nur hier in Belize nicht. Was sollen wir ihrer Meinung nach tun“? Zum Glück kommt ein weiterer Beamter dazu der die Richtigkeit unserer Unterlagen bestätigt. Nun dürfen wir erst mal warten, weil sie andere Einreisende zuerst abfertigen will. Okay, wir haben Zeit! Mit einem knappen Winken zeigt sie uns, dass wir ihr folgen sollen. Beim Camper kontrolliert sie noch genau die Typennummer und will noch wissen, was wir an Obst und Gemüse mitführen. Mit einem kurzen: „Lesen sie die Bestimmungen durch“, streckt sie Hanspeter das Zollformularbuch hin, macht dann wortlos ein Kreuz wo er unterschreiben soll und übergibt ihm das begehrte Einreisepapier. Unser erstes Lächeln in Belize erhalten wir dann beim Durchfahren der Zollschranken. Wir sind schon weit gereist, aber das war mit abstand das unfreundlichste Benehmen eines Beamten das wir je erlebt haben!

 

Heute feiert Belize seinen Unabhängigkeitstag. Wir fahren darum nach der Grenze nur bis Corozal und schauen uns den Umzug an, der die Feierlichkeiten eröffnet. Am Abend stehen wir gemeinsam mit Margit und Jörg am Meer – und zum 1x in meinem Leben werden uns  gleich 2x ganz offen Drogen angeboten. Überhaupt scheinen die Menschen hier keine Berührungsängste zu kennen. Immer mal wieder bleiben sie stehen, wollen wissen woher wir kommen und ob es uns hier gefällt? In der Regel endet so ein Gespräch aber sehr schnell, wenn ihr Angebot für eine Dienstleistung oder einen Verkaufsgegenstand freundlich aber bestimmt abgelehnt werden. Ein älteres amerikanisches Ehepaar ist ganz begeistert uns zu sehen. Ihre Tochter lebt in Adliswil und sie haben schon sehr viel von Europa kennen gelernt. So geniessen sie es sichtlich mit uns über ihre Reisen zu sprechen. Jörg beherrscht die englische Sprache sehr gut und so ergibt sich ein fröhliches Erzählen. Abgeschlossen wird der Tag dann mit dem Feuerwerk um Mitternacht.

 

Schon vor einigen Jahren haben wir zusammen mit Claire und Heinz im Papiorama in Neuenbug Land für die Naturorganisation Shipstern gekauft. Hanspeter möchte gerne dahin fahren. So fragen wir in Orange Walk  nach dem Zustand der Strasse und machen uns nach einer kurzen Ortsbesichtigung auf den Weg. Anfangs ist die Strasse noch geteert. Aber dann beginnt die 55 km lange Schotterpiste. Wir sind ja immer noch in der Regenzeit unterwegs. Entsprechend schlecht ist der Weg und immer wieder müssen auch überflutete Teilstücke durchfahren werden. Eine echte Herausforderung für unser Schnüfeli und der Land Rover Whity ist so richtig in seinem Element. Aber sie und ihre Fahrer lösen alle Probleme meisterhaft und wir Frauen geniessen die Fahrt – wenn es die Strasse grad mal zulässt! Immer wieder kommen uns Picups, die Ladebrücke voll gepackt mit Menschen, entgegen. Sie wollen wohl in die City um den 2. Unabhängigkeitstag zu feiern. In den kleinen Dörfern durch die wir fahren, sind die Häuser meist in der traditionellen Holzbauweise auf Stelzen gebaut. Vorbei an gepflegten Feldern  der Menonitenfarmen und durch unberührte Natur kommen wir in Shipstern an. Ein Rancher freut sich riesig über den Besuch eines Mitgliedes aus der Schweiz und nimmt sich viel Zeit um über das Projekt zu informieren. Ein herrlicher Rundblick bietet sich dann von einem Aussichtsturm der bis über die Wipfel des Regenwaldes reicht. Mit einem Gruss für Claire und Heinz im Gepäck suchen wir uns zum Schlafen ein Plätzchen direkt am Meer.

Wieder zurück in Orange Walk fahren wir weiter in Richtung Belmopan. Unterwegs besuchen wir das Tropical Edukation Center, wo wir auch schlafen dürfen. Am nächsten Morgen verabschieden wir uns von Margit und Jörg. Weil einige Reparaturen an ihrem Whity  anstehen, haben Sie einen Termin bei einer Land Rover Garage. Wir wollen weiter nach Placencia, einer langen schmalen Halbinsel mit karibischem Scharm. Leider erfahren wir unterwegs, dass die Strasse polizeilich gesperrt ist. Ein Teil der Schotterpiste ist bei den letzten starken Regenfällen weggespült worden  und es hat sogar Tote gegeben. Okay, dann fahren wir auf der geteerten Strasse weiter südwärts nach Punta Gorda. Aber schon bald stehen wir im Stau und wir hören, dass die Brücke vom Hochwasser weggerissen wurde. Wer dringend rüber will, muss sein Auto stehen lassen. Mit kleinen Booten wurde ein Fährbetrieb eingerichtet. Am anderen Ufer muss man dann halt schauen wie man weiter kommt. Also wieder umdrehen. Unser nächstes Ziel ist Sittlee Point. Hier leben noch viele Toucane in den Wäldern, die man vor allem am Morgen gut beobachten kann. Ausserdem gibt es sogar ein Internet, so dass wir Margit und Jörg informieren können. Sie wollen ja nach der Reparatur auch runter kommen. Hat aber heute zu. Kein Problem, wir wollen ja ohnehin bis Morgen bleiben um die Toucane beobachten zu können. Bei der Nachfrage wo wir uns hinstellen dürfen hören wir: „Gehen sie am besten zum Gemeindehaus. Das steht erhöht. Das Wasser im Fluss ist schon sehr hoch und steigt weiter. Wir rechnen mit einer Überflutung des Dorfes im Laufe der Nacht“. Na da machen wir’s doch lieber dem grossen Waran nach und hauen ab. Wir fahren zurück nach Dangriga. Hier können wir unsere Freunde per Internet informieren, dass wir in Hopkins im Kismet Inn auf sie warten. Etwas abseits finden wir einen netten Schlafplatz am Meer mit Krokodilen als Nachbarn du bewacht von Geiern.

 

Die Strasse nach Hopkins kann nur als geteerte Natur-/Wasserstrasse bezeichnet werden. Verlöcherter Teerbelag, in grossen Teilen ganz weg und an mehreren Stellen überflutet. Aber mit Glück und Können erreichen wir den kleinen Ort der direkt an der karibischen Küste liegt. Ohne Probleme finden wir das Kismet Inn und werden von Trisha herzlich empfangen. Sie ist New Yorkerin und kam vor 10 Jahren, nach dem  die Flugzeuge in die Twin-Tower krachten, hierher. Hier hat sie sich ihr kleines Paradies aufgebaut. Überall sieht man an den vielen kleinen Details, mit wie viel Liebe sie eingerichtet hat. Sogleich werden wir in der Wohnküche den anderen vier Gästen vorgestellt. Jugendliche aus Kanada, USA, Tschechien und Australien haben den Weg ins Kismet Inn gefunden. Am Abend lernen wir auch Elvis kennen. Er kommt aus Honduras und ist die grosse Liebe von Trisha. Seine Familie und Freunde gehen hier ein und aus und so sind wir mitten im karibischen Familienleben und lernen die Freuden und Leiden des Alltages aus nächster Nähe kennen. Eine seltene Gelegenheit und für uns eine ganz besondere Zeit. Wir sind vom Camper in ein Zimmer umgezogen und geniessen die Tage mit Faulenzen, Pokerspielen (mit einer grossen Menge Knöpfe als Geldersatz). Schwimmen im Meer  (es kommen regelmässig Seekühe vorbei mit denen man schwimmen kann) und geniessen jeden Abend ein gutes Essen das uns Trisha mit dem zubereitet, was Elvis im Meer gefangen hat. Obwohl wir über eine Treppe auf die Veranda kommen und erst von da in unser Zimmer, beginnt jeder Morgen zuerst mit dem Auswischen des Sandes. Eine Arbeit die nie zu Ende geht. Das ist der Preis für das exklusive Wohnen direkt auf dem Meeresstrand. Ich nutze die Gelegenheit zum Wäsche waschen und Trisha ist ganz begeistert von Hanspeters handwerklichem Geschick. Für die geflickte Treppenstufe bekommt er nur für ihn gebackene Kekse. Mmmhh, sehr lecker. Kann ich bestätigen. Bei der Heirat hat er zum Glück versprochen, alles mit mir zu teilen. So vergehen die vier Tage im Flug, bis Margit und Jörg wieder zu uns stossen. Am nächsten Morgen zeigt Trisha den Neuankömmlingen die Gästezimmer. Im letzten Raum sieht Hanspeter eine Tarantel. Kurz entschlossen drückt Trisha einen Besen auf das Tier und  stampft mit dem Fuss darauf. Schade um das schöne Tier!

 

Wir haben erfahren, dass die Strasse zur Halbinsel Placencia wieder offen ist. Eine Notbrücke ermöglicht die Flussüberfahrt. Und obwohl auf der ca. 40 Km langen Schotterpiste ein Bolzen bei einem Stossdämpfer bricht, kommen wir gut an unserem Ziel an. Hier beginnt dann allerdings das Suchen nach dem karibischen Strand. Endlich haben wir einen Traumflecken gefunden – und versinken prompt im Sand. Schnell sind Helfer da die uns  mit Improvisation, Talent und vielen guten Tipps heraushelfen. Allerdings erwartet man auch hier ein entsprechendes Trinkgeld. Von einem Einheimischen erfahren wir von einem Campingplatz direkt am Meer. Allerdings haben wir schon bei der Einfahrt Mühe. So entscheiden wir uns für Lydias Gästehaus, während Margit und Jörg auf dem Campingplatz bleiben. Wir sind nicht weit auseinander und verbringen die Tage gemeinsam unter Palmen am Meer. Am Abend kommt Marc vorbei und fragt nach, ob wir mit seinem Tipp hierher zu kommen zufrieden sind? Es entwickelt sich ein nettes Gespräch in dem wir von Marcs Träumen und Plänen hören, auf die er gezielt hinarbeitet. Diese Zielstrebigkeit und das grosse Allgemeinwissen erstaunt uns. Dies scheint hier doch eher die grosse Ausnahme zu sein. Uns jedenfalls ist noch niemand wie Marc begegnet.

Leider finden wir hier in Placencia keine Reparaturstätte für unser Schnüfeli. So fahren wir gemeinsam am 3. Tag wieder gegen Norden.

 

Am Cockscomb Basin Wildlife Sanctuary müssen wir unbedingt einen Abstecher machen! Liegt er sozusagen schon fast am Weg. Gleich an der Abzweigung werden wir im Maya-Center von drei Generationen Frauen in ihren schönen Trachten begrüsst und über den Strassenzustand informiert. Sie sehen auch für unser angeschlagenes Schnüfeli kein Problem und so fahren wir in den Dschungel. Die Strasse wird zum einspurigen Waldweg, ist aber ganz ordentlich zu befahren. Immer wieder greifen Äste und Zweige nach uns und von oben hängen neugierige Ranken und streichen über unsere Autos. Wiederholt werden wir mit Tafeln vor den hier durchkommenden Leoparden gewarnt. Noch vor dem Eindunkeln machen wir eine 1,5 stündige Wanderung durch diese herrliche Natur. Kurz nach unserer Rückkehr zwingt uns ein starker Regen unter die mit Palmblättern bedeckt Palapa. Diese nach allen Seiten offenen Gebäude sind wirklich herrlich. Sie bieten Schutz, ohne den Wind abzuhalten der die Hitze erträglich macht. So geniessen wir bei Kerzenschein unser Nachtessen und plaudern noch gemütlich bis uns die Zikaden in den Schlaf singen. Leider haben sie das so gründlich getan, dass wir den Leopardenschrei in der Nacht glatt verschlafen haben. Laut Rancher war mindestens einer ganz in der Nähe! Eine weitere Wanderung führt uns runter zum Fluss, an dessen Ufer noch deutlich die Spuren des Hochwassers der letzten Tage zu sehen ist. Auf unserem Weiterweg kracht kurz hinter uns ein Baum quer über den Weg, den wir eben gegangen sind. Uff, Glück gehört halt auch zum Leben! Aber nun geht’s weiter in  die Landeshauptstadt Belmopan. Hier trennen wir uns von unseren Freunden. Unser Schnüfeli bekommt zwei neue Stossdämpfer und wir ein herrliches Mittagessen. Nach dem Gemüseeinkauf auf dem Markt fahren wir in Richtung Georgeville, wo wir in Caesars Campcround einen Platz für die Nacht finden.

 

Wir wollen weiter nach San Ignatio, weil es hier eine  deutsche Bäckerei hat. Mit RICHTIGEM Brot!! Leider gibt es die nicht mehr. Ein kleiner Trost ist die französische Bäckerei mit Brot – fast wie daheim. So war der Umweg hierher doch nicht ganz umsonst. Noch etwas ist uns hier aufgefallen. Seit langem sehen wir wieder einmal ein Dorf das den Namen auch von der Struktur her verdient. Ein richtiges Zentrum mit Gässchen und Gassen. Komisch, was einem auf Reisen alles so auffällt!

 

Nach einem lohnenden Zwischenstopp im Belize Zoo treffen wir Margit und Jörg im Baboon Sanktuary wieder. Hier hoffen wir die Brüllaffen nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen. Unsere Freunde sind gestern schon angekommen und hatten heute Morgen schon ‚Jagdglück’. Wir entschliessen uns noch für eine geführte Nachtwanderung im Urwald. Nur mit Taschenlampen bewaffnet geht’s los. Leider fängt es an zu regnen und so bleiben die Tiere lieber in ihren Verstecken. Na ja, Morgen ist auch noch ein Tag.

 

Nach einiger Verspätung kommt unser Begleiter von letzter Nacht angeschlurft. Er hat einige Mühe die Affenbande zu finden und unsere Hoffnungen schwinden immer mehr. Doch dann bekommen wir sie doch noch zu sehen. Zwei Jungtiere sind dabei, die trotz dem drohenden Gebrüll ihres Erzeugers zu uns herunter kommen und sich von uns mit Blättern füttern lassen. Ein wunderschönes Erlebnis. Zufrieden fahren wir nach Orange Walk. Von hier fahren Boote zur Mayastätte Lamanai. Wir fragen, ob wir eine Flussfahrt im Boot mit Führer mieten können, um Tiere zu besichtigen? Der Bootsbesitzer winkt bedauernd ab. „ Der Fluss hat wegen der vielen Regenfälle Hochwasser. Die Tiere haben sich alle in den Dschungel zurück gezogen. Aber wir fahren sie gerne zur Mayastätte, nur Tiere werden sie keine sehen. Leider“! Ja, wirklich schade. So hat sich der Grund noch länger in Belize zu bleiben, erübrigt. Wieder verabschieden wir uns von Margit und Jörg. Sie wollen versuchen mit ihrem Land Rover auf der Strasse nach Lamanai  zu kommen. Wir verabreden uns, spätestens am 23. 10. treffen wir uns an der Grenze zu Guatamala wieder. Die Fahrt durch Mittelamerika wollen wir aus Sicherheitsgründen gemeinsam unter die Räder nehmen. Bis dahin werden wir uns noch im Süden Mexikos umschauen. Jetzt aber erst einmal zur Grenze, wo die Formalitäten schnell und Problemlos abgewickelt werden. Den Abend beschliessen wir mit einem herrlichen Bad in der Laguna Bacalar auf ‚unserem’ Campingplatz, wo wir vor der Einreise nach Belize schon standen.