Yukon

Nach der gestrigen langen Fahrt von Stewart in British Columbien bis Watson Lake im Yukon Territory wollen wir hier zwei Tage ausruhen und die Zeit zum Schreiben, Lesen, Einkaufen und Anschauen nutzen. Ausser Whiterhorse ist Watson Lake der einzige Ort im Yukon mit einer vollständigen Versorgungsinfrastruktur. Also ein idealer Ort um noch einmal nachzusehen ob auch alles da ist was man auf einer so langen Reise braucht (oder zu brauchen glaubt). Uns fehlte bisher immer wieder die Möglichkeit mit unserem Laptop ins Internet einzuloggen. All zu oft erhielten wir auf unsere entsprechende Frage die Antwort:"Sorry, nur mit unserem Computer oder mit der drahtlosen Übermittlung via Satelit". Wir nutzen darum hier die Möglichkeit bei Joe Bauer unseren Laptop entsprechend auszurüsten.

Bekanntheit verdankt die Stadt in erster Linie der Watson Lake Sign Post. Ein heimwehkranker Soldat hat während der Bauarbeiten am Alaska Hwy ein Schild seiner Heimatstadt an einen Holzmast genagelt. Andere Arbeiter, Lastwagenfahrer und später unzählige Touristen folgten seinem Beispiel. Mittlerweile ist die bunte Schildersammlung von Wegweisern, Autonummern und anderer in irgendeiner Form beschrifteternTafeln zu einem Schilderwald herangewachsen. Man kann ohne weiteres 1 Stunde und mehr Zeit hier verbringen bei der Besichtigung der Trophäen aus aller Welt. Logisch - ab heute gibt es mindestens eine Tafel mehr!

Heute am 13. 7. fahren wir weiter in Richtung Whitehorse. Auf diesem Teilstück des Alaska Hwy`s ist die Strasse zum grossen Teil auf einem hochgelegten Trasse geführt und es gibt kaum eine Möglichkeit für Zwischenstopps. Bei einem "Ich-muss-mal" Stop haben wir das Glück und können in einer tiefergelegenen Sumpfwiese einer Elchkuh mit ihren zwei Jungen beim weiden zusehen und von einer Anhöhe bei Teslin haben wir einen schönen Blick auf den Ort, das Natasin-Delta, den Teslin Lake und auf die imposante Eisenbrücke die die beiden Ufer miteinander verbindet. Heute richten wir unseren Campingplatz 20 km vor Whitehorse am Wolfs Creek ein.

Am nächsten Morgen erreichen wir nach nur einer kurzen Fahrt den Miles Canyon und parken in der Nähe der Fussgänger-Hängebrücke auf der wir  die Stromschnellen besichtigen die dem Ort den Namen gaben. Die hochschäumende Gischt erinnerte damals die Menschen an die wehende Mähne eines Schimmels. Durch den Bau des Staudammes wurde das Wasser des Yukon River zum Schwatka Lake aufgestaut. Der Wasserstand stieg auch im Canyon, sodass von den Stromschnellen nicht mehr viel zu sehen ist. An den Basaltsäulen die den Fluss hier einengen kleben die Nester einer Klippenschwalbenkolonie. Bevor wir die Hängebrücke überqueren, schauen wir eine Weile ihrem geschäftigen Treiben zu und bewundern ihre Flugkünste. Am anderen Ufer wandern wir am Trail flussaufwärts. Es soll da Reste von Canyon City, einer wichtigen Station der Goldsucher auf dem Weg nach Dawson City, geben. Nun - ausser vielen verrosteten Blechdosen haben wir von der ehemaligen Goldgräberstadt nichts gefunden. Aber es ist eine wunderschöne Wanderung entlang dem Yukon. Mal fast am Wasser, dann wieder auf einer Anhöhe und durch den nordischen Wald. Dabei kann man herrlich den arktischen Erdhörnchen und den Streifenhörnchen zusehen. Die Südhänge sind mit Kriechwacholder bewachsen und in Restfächen jene Prärie, die es schon vor tausenden von Jahren gab. Wegen des Staudammes wurde am Kraftwerk eine 366 Meter lange Holzfischtreppe gebaut, die 15 Höhenmeter überwindet. Geschützt durch ein kleines Informationscenter können wir durch Glasscheiben das Unterwassertreiben beobachten. Leider sind wir noch 2-3 Wochen zu früh für die Lachswanderung. So sehen wir nur kleinere Fische in den Stufen der Fischleiter stehen.

Weitere Besuche hier in Whitehors gelten dem im Jahr 1937 erbauten Raddampfer Klondike I,, dem Transport- und dem Beringiamuseum. das die Geschichte der Eiszeit mit ihren Tieren und das Leben der Eiszeitmenschen darstellt. Mit nachgemachten Waffen aus jener Zeit kann dann im Freien das Jagen geübt werden. Gar nicht so einfach! Die Achtung vor jenen Menschen ist deutlich gewachsen. Wir haben heute viel gesehen und erfahren über die Geschichte dieser Gegend. Das aufzuschreiben gibt ein Buch. Kommt einfach her und seht selbst - es lohnt sich auf jeden Fall! Eine weniger schöne Ueberraschung ist am Abend der gestohlene Campingtisch. Aber auch solche Erlebnisse gehören leider zu einer Reise.

Darum am dritten Tag vor unserer Weiterreise noch einmal ins Städtchen. Dabei haben wir gleich drei schöne Erlebnisse. An der Kreuzung unter der Ampel sitzt seelenruhig ein arktischer Fuchs und schaut interessiert dem Verkehr zu. Auf einer Klippe sitzt ein Weisskopf-Seeadler und überschaut die Bucht und im Canadian Tire finden wir einen schönen Holzcampingtisch. Heute verlassen wir den Alaska Hwy um nach Dawson City zu fahren. Vom Campervermieter wird die Fahrt auf dem Klondike Hwy verboten. Immer wieder hören wir von anderen Reisenden und Einheimischen, dass es dafür keinen vernünftigen Grund gibt, weil die Strasse gut ausgebaut ist. Nun denn - wir haben das Auto ja nicht gemietet sondern geleast und müssen für sämtliche Reparaturen auf unserer Reise selbst aufkommen - also los, auf nach der Goldgräberstadt Dawson City! Unterwegs gibt es diverse Schotterstrecken die aber trotz regnerischem Wetter kein Problem sind - nur langsamer. Hier wo der Permafrost im Sommer nur oberflächlich auftaut, hat sich die Natur wieder deutlich verändert. Es ist Sumpf- und Waldland. Es gibt deutlich weniger Blumen die einzeln betrachtet gar nicht so viel hergeben. Mit dem Blick in die Ferne vereinigen sie sich aber zu leutenden pinkfarbenen Teppichen. Immer wieder fahren wir durch riesige Waldbrandgebiete. Sehr eindrücklich dabei sind die Tafeln auf denen die Jahreszahlen des Feuerausbruchs stehen. Da heisst es z.B. `Waldbrand im Jahre 1986`. Es sieht aber, bedingt durch das Klima und dem Permafrost aus, als ob es erst vor einem halben Jahr gebrannt hätte. Die zukünftigen Bäume sind erst etwa kinehohe Büsche. Nach einem Brand, der laut Tafel vor 54 Jahren gewütet hat, sieht der Wald aus wie bei uns ein ca. 10-jähriger Jungwald. Neben der langen Regenerierungszeit die hier die Natur braucht, kommt noch ein weiteres Problem hinzu. Durch die jahrzehntelange Bodenbeschattung der dicht an dicht stehenden Bäume kann kein Jungwuchs aufkommen. Die nächste Naturkatastrophe ist also durch Ueberalterung schon vorprogrammiert. Diese Hinweistafeln und der vergleichende Blick in die Natur wirkt nachhaltiger als jedes Verbotsschild. Wir werden mit unseren Lagerfeuern noch vorsichtiger umgehen als bisher. Gegen Abend des zweiten Reisetages erreichen wir Dawson City und überqueren mit der Fähre den Yukon zu unserem Campingplatz.

18.7.: " Auf dem Höhepunkt des Goldrausches Ende des 19. Jahrhunderts lebten über 30 000 Menschen in der Stadt und sie war vorübergehend die grösste Stadt nördlich von Vancouver. Allein 1900 betrug die Ausbeute von Waschgold aus Bächen im Yukon Territory fast 34 000 Kilo. Heute sind es jährlich nur noch etwa 2 200 Kilo. Für die Menschen hier war das Leben sehr schwierig. Die meisten starben an Krankheiten wie Thyphus und Tuberkulose. Der Boom dauerte nur wenige Jahre und die Einwohnerzahl schmolz auf wenige Hundert. Erst nachdem im 2. Weltkrieg von der US Armee der Alaska - und Klondike Hwy gebaut wurde, entwickelte sich nach dem perfekten Ausbau der Strasse, Dawson City zu einem Besuchermagneten". Dies und noch viel mehr über das Leben und die Sehenswürdigkeiten des Städtchens erfahren wir bei einem Adio - Rundgang der uns durch den Ort führt. Unser Campingplatz liegt ideal am Waldrand direkt am Yukon River. Von hier sind wir schnell zu Fuss an der Gratisfähre, die uns am Dorfrand wieder auf festen Boden entlässt. Die Strassen sind mit Absicht nicht gepflastert und wir gehen auf Holzplanken - Gehwegen. Zusammen mit historischen Gebäuden, die mit grosser Sorgfalt restauriert wurden, ergibt das den Eindruck im Wilden Westen zu sein. Allerdings werden wir sehr schnell in das Heute zurückgeholt, durch die staubaufwirbelnden Autos die durch die Gassen und Strassen fahren. Schon in Whitehorse empfahlen uns zwei Ureinwohner in Dawson City unbedingt auf den "Dom" zu fahren. Natürlich hatten wir uns nach dem Weg erkundigt und sind begeistert vom 360° Rundblick auf die von Goldgräbern vernarbte Landschaft, dem Yukon- und Klondike River, auf Dawson City, die Hügel und im blauen Dunst - weit weg die Rocky Mountens. David, unser junger Bootsführer nimmt uns mit auf den Yukon River. Mit ihm besuchen wir ein Fischrad das, nur vom Wasserlauf angetrieben, die Fische aus dem Wasser und in einen Behälter schöpft. Ausserdem dürfen wir in die Jagdhütte,der Familie Taylor und schmusen anschliessend mit den Schlittenhunden, die mit Ketten an Bäumen im Wald angebunden sind. Für uns ein kaum zu ertragender Anblick. Hunde sind Rudeltiere. Aber keine der Ketten ist lang genug um sich gegenseitig beschnuppern zu können. Solange die Ketten reichen ist vom vielen im Kreis herumlaufen ein tiefer Graben zu sehen und einige Hunde haben sich Höhlen gegraben in denen sie Schutz suchen. Wir sind still geworden. Bei einem schönen kühlen Bier das wir mit Udo und Christl geniessen, kommt das Lachen beim vielen Erzählen wieder. Sie sind wie wir unterwegs ohne ein Ende der Reise festgelegt zu haben. Wir teilen die Erfahrung, dass es für eine Reise in Kanada vor allem drei Dinge braucht: Viel Zeit, viel Geld und viel Mückenschutz! Den Abend geniessen wir einmal mehr am Lagerfeuer. Erst 15 Minuten vor Mitternacht geht die Sonne kurz unter. Es bleibt die ganze Nacht hell und so gibt es herrlich lange und warme Abende. Bisher hatten wir das Glück, dass es erst an zwei einzelnen Tagen geregnet hat. Sonst haben wir bewölkt bis heiss (30°C.). Manchmal 10 Min. Kurzschauer. Heute Morgen haben wir beim Frühstück Besuch von einem Coyoten bekommen. Seelenruhig ist er über unseren Platz gelaufen, hat sich kurz umgedreht und uns von oben bis unten angeschaut als wollte er sagen:" Was ist, noch nie einen Coyoten gesehen"? Ueber so viel Unverfrohrenheit waren wir so begeistert, dass wir doch glatt vergessen haben nach der Kamera zu greifen. Anfänger!!

Schon ist der 20. Juli und wir fahren heute auf dem Top of the World Highway nach Alaska. Die eindrucksvolle Streckenführung, entlang einer Kammlinie ,mit weiten Ausblick über die Unendlichkeit des menschenleeren Landes ist..... leider fehlen mir die Worte um dieses Gefühl zu beschreiben. Irgendwann atme ich mit einem lauten Stöhnen aus - ich habe vor lauter Staunen das Atmen vergessen und konzentriere mich erst mal auf einige gleichmässige tiefe Atemzüge. Nach jeder Kurve möchte man anhalten, weil man überzeugt ist, dass dieses Bild noch viiel schöner ist als das Vorhergehende. Wohl wissend, dass keines von ihnen dem Erlebten auch nur annähernd gerecht wird. An der Grenze zu Alaska können wir nach einigen Fragen der US- Grenzwächter mit einem:" Enjoy Alaska", weiterfahren. Kurz danach steht eine kleine Hütte mit Grasbodendach. Auf der ganzen Strecke von 127 km, an der Boundary Lodge, ist hier die einzige Tankstelle. In Chicken kommen wir auf den Taylor Hwy, auf dem wir ohne Probleme Tok erreichen. Wir sind in Alaska!