Yellowstone NP

Gestern Abend haben wir den Yellowstone NP erreicht und haben kurz nach dem Westeingang am Madison River geschlafen. Das Zentrum des Parks liegt in der Caldera eines Vulkans. Diese auf über 2000 m gelegene Hochebene ist gezeichnet von tausenden gurgelnden Schlammlöchern, dampfenden und zischenden Erdspalten, heissen Quellen und mehr als die Hälfte aller Geysire der Erde drängen sich im Yellowstone NP. Eine unglaubliche Sinfonie aus Farben, Klängen, Gerüchen, regenbogenfarbigen Teichen, dampfenden Berghängen sowie dem Geruch nach Schwefel. Dazu kommen die vielen Tiere: Hirsche, Rehe, Bisons, Schwarz- und Grizzlibären u v m. Wir sind hell begeistert! Weil es die letzte Nacht doch recht kühl war, entschliessen wir uns zum Westeingang zurück zu fahren, um  uns da auf einem Campground mit Strom, für unsere Heizung einzurichten und die nächsten Tage den Park von hier aus zu erfahren (im zweifachen Sinn des Wortes).

Heute fahren wir in südlicher Richtung. Der Rancher im Visitor Center empfiehlt uns eine Rundfahrt, die uns durch den im Süden angrenzenden Grand Teton NP führt und dann in einem westlichen  Bogen auf einer schönen Nebenstrasse zurück zum Startpunkt. Er meint: "Die insgesamt nicht einmal 300 Km lange Fahrt lässt Ihnen genug Zeit um die Höhepunkte auf dieser Strecke zu besichtigen." Also dann mal los! Aber kaum sind wir im Park müssen wir u-n-b-e-d-i-n-g-t anhalten! Wer fährt schon an einer Herde äsender Wapitihirsche vorbei? Der einzige Spielverderber ist der Platzhirsch. Ihm passt es nicht, dass seine Kühe immer näher zu den Menschen gehen. Irgend wann platzt ihm der Kragen und er treibt sie energisch von uns weg. Nach den nächsten Kurven - Bisons! Schon wieder halten - dann - diese Landschaft- nächster Stop! So zuckeln wir via Firehole Canyon Drive mit Wasserfall (Fotostop) zu den farbigen, heissen Wasserquellen des Fountain Point Pot = Wanderung mit viiielen Fotos. Im Bisquit Basin ( woher der den Namen hat ist offensichtlich, wenn man die Strukturen sieht.) bewundern wir den Moustard- und den Diamantengeysir.Auch bei ihnen ist der Name wegen der Farbe und dem "Diamantenregen" gut nachvollziehbar. Wir sind begeistert von dem herrlichen Farbenspiel der mineralischen Ablagerungen - wenn es nur nicht sooo stinken würde. Hanspeter findet aber: "ich rieche das nicht ungern, es erinnert mich manchmal an ganz alte Jauche." Na ja - dann - ok.  Bis wir den Geysir "Old Faithful" erreichen gibt es eine unglaubliche Landschaft zu bewundern mit vielen Fotostops - und ganz ohne Schwefelgeruch! Dieser Geysir gilt als einer DER Höhepunkte im Park. Im Durchschnitt alle 90 Min. schiesst er eine 30 - 35 Meter hohe Wasserdampf-Fontaine in die Höhe. Was für ein Anblick! Nach diesem Spektakel merken wir, dass ein Teil des Rumpelns von unserem Magen kommt. Zeit zum Mittagessen - äh - es geht schon gegen Abend. Wir haben gerade mal 52 Km geschafft. Der Rancher hat bei seinem Zeitplan wohl eher an japanische- oder amerikanische Touristen gedacht, als an die schweizerische Behäbigkeit. Wir sind von den vielen, fantastischen Eindrücken so geschafft, dass wir - statt der Rundfahrt - lieber umkehren. Was für ein Tag! Nach dieser Erfahrung teilen wir uns die vom Rancher vorgeschlagene Westumfahrung auf.

Heute wollen wir den Nordloop abfahren, ca. 108 Km. Daaas sollte doch wohl in einem Tag zu schaffen sein? Auf dieser Fahrt verlassen wir das heisse Zentralplateau - und die Landschaft bietet ein ganz anderes Bild. Wir fahren durch Gebirge  und die Täler der zu den Rocky Mountains gehörenden  Gallatin Range, die uns auf über 2700 m über Meer bringt.  In Norris sehen wir von Weitem den dunklen Rauch eines Waldbrandes. Beim Näherkommen lesen wir auf einer Tafel am Strassenrand: "managte Fire, d'ont report" (gelegtes Feuer, nicht melden) und sehen auch bald die "Feuermänner". Alles in Ordnung - und fast hätten wir die Bisons auf der anderen Strassenseite übersehen! Auf unserer Weiterfahrt geniessen wir den Weitblick von den Höhen, die Hochweiden,die engen Täler und  Pinienwälder. Auch der Yellowstone NP rühmt sich einen Grand Canyon zu haben, der vom Yellowstone River gebildet wurde. Unterwegs stürzt der Fluss über zwei schmale, aber imposante Wasserfälle, wovon der grössere fast 100 Meter im freiem Fall in die Tiefe stürzt. Beide Seiten des Canyons bieten herrliche Aussichten auf eine eindrucksvolle Landschaft die von Vulkanen gebildet wurde. Durch die Erosion der Hänge kommen die erkalteten Lavaströme zum Vorschein. Die Basaltsäulen sehen aus wie Festungsmauern die den Berg umschliessen. Hier ist auch die Heimat der Bären, die wir auch tatsächlich sehen. Besonderen Spass macht uns ein junger Grizzly, der im Hang über uns herumtreift. Wir bleiben in der Nähe unseres Autos. Ist uns doch bewusst, dass seine Mutter nicht weit weg sein kann. Sie tolleriert unser Hiersein, was aber leider für uns bedeutet, dass sie sich nicht blicken lässt. Kurz nach der Roosevelt Lodge folgen wir dem Hinweisschild das uns zu versteinerten Bäumen bringt. Ein zur Steinsäule erstarrter Baumstamm steht hinter einem starken Eisengitter aufrecht da. Auf einer Tafel ist - neben der Entstehungsgeschichte - zu lesen,dass die Umzäunung aufgestellt werden musste, weil Touristen Teile von weiteren Stämmen Stück für Stück weg getragen haben. Auf unserer Weiterfahrt zu den Mammuth Hotsprings sehen wir zum ersten mal grosse Bisonherden in den Hängen. Einige kleinere Herden verteilen sich über die Landschaft bis zum Strassenrand. So können wir aus dem Auto heraus ihr Verhalten beobachten und amüsieren uns über zwei junge Bullen die - noch spielerisch - ihre Kräfte messen. Gleich nebenan stupft ziemlich unsanft ein Kalb am Euter seiner Mutter um den Milchfluss anzuregen. Einige Kühe liegen genussvoll wiederkäuend im Gras, Kälber schlafen und über allen steht  ein mächtiger Bulle und überwacht seine Herde. Am gegenüber liegenden Hang stehen zwei Bullen Seite an Seite und was uns an den Halbstarken noch amüsiert hat, sieht hier recht eindrucksvoll aus! Aber noch genügen das Zurschaustellen der eigenen Kraft um den Gegner einzuschüchtern. Er zieht sich zurück und vermeidet so einen Kampf. Nur ungern lösen wir uns von diesen Bildern. Aber wieder läuft uns die Zeit davon. Wir machen an den Mammuth Hotsprings einen nur - kuz - mal - anschauen Halt und fahren dann auf direktem Weg  heim. Auf dieser Strecke wollen wir in einigen Tagen den Park verlassen und wollen uns dann die Zeit zum genaueren Hinsehen nehmen. Bei Norris fahren wir in einen Verkehrsstau und beobachten Helikopter mit grossen Wassersäcken. Eine riesige Rauchwolke hüllt uns ein - der gemanagte Waldbrand scheint ausser Kontrolle geraten zu sein. Ein Grossaufgebot an Feuerwehrmännern hat an der Strasse  ein Gegenfeuer gelegt und die Parkrancher weisen jedem Auto den Weg. Ein im wahrsten Sinne des Wortes ein schaurig schöner Anblick, zugleich faszinierend und beängstigend.

Den Südloop den wir heute befahren, führt uns fast zur Hälfte an schon besuchten Sehenswürdigkeiten vorbei. So verspricht der heutige Tag etwas weniger zeitgedrängt zu sein, mal sehen. Schon kurz nach der Parkeinfahrt ist auf einem abgestorbenen Baum, am Gibbon River das Nest eines Weisskopfseeadlers zu sehen. Eine Tafel weist darauf hin, dass wir uns im Bald Eagelgebiet befinden. Bei jeder Fahrt haben wir vergebens nach dem majestätischen Vogel Ausschau gehalten. Aber heute sitzt einer auf einem Ast - mit dem Rücken zu uns. Er begnügt sich mit einem hoheitsvollen Blick zurück und richtet sich dann gelangweilt die Federn. Wir sind begeistert - und er schaut genauso intensiv in die andere Richtung, zum Fluss. Der Waldbrand bei Norris ist gelöscht, nur noch ein paar Rauchherde sind zu sehen. Bei Canyon Village besuchen wir den Artist Point. Es sieht wirklich aus als hätten hier Künstler ihre Farbtöpfe stehen gelassen. Fast jedes Wasser- und Schlammloch dampft und brodelt in einer anderen Farbe. Sehr sorgfältig haben aber die Artisten nicht gearbeitet. Die Abflüsse sehen jedenfalls so aus, als hätten sie Farbe verschüttet. Am Mud Vulcano ist der Schwefelgeruch so penetrant, dass ich bald einmal kehrt mache und im Auto auf  Hanspeter warte. Darum hier eine Kurzbeschreibung aus einem Reisehandbuch: "Zwischen schäumenden Becken mit widerlich braunem und gelbem Schlamm, windet sich der Holzsteg vorbei an verkümmerten Bäumen zu dem eine Meile entfernten Sour  Lake, im Allgemeinen ein trostloser Anblick". Weniger wegen der Bilder als vielmehr wegen des Gestankes hat sich auch Hanspeter mit einem Kurzbesuch begnügt. Wir freuen uns auf den Yellowstone Lake, den grössten Bergsee Nordamerikas. Auf 2357 m füllt er die ösliche Hälfte der Yellowstone Senke und liegt so hoch, dass er 6 Monate im Jahr zugefroren ist. Heute aber geniessen wir einen herrlichen Sommertag an seinen Ufern und faulenzen einfach drauf los. Die Rückfahrt via Old Faithful zum West Eingang wo unser Campingplatz liegt, führt uns noch zwei mal über 2500 Meter hohe Pässe. Wieder geniessen wir den Blick auf Bisons, stoppen wegen eines Fuchses, der  nach einigem Zögern doch noch über die Strasse geht und an einer vermeintlichen Futterquelle schnuppert, bevor er im Wald verschwindet. Wir sind froh, dass wir heute etwas früher "Daheim* sind als die Tage vorher. Wir legen morgen einen Ruhetag ein. All die vielen fantastischen Eindrücke brauchen Zeit zum Verarbeiten.

Heute, den 18 September ist es kalt und regnerisch. Wir nutzen den Ruhetag zur Besichtigung des kleinen Ortes West Yellowstone und verbringen den Rest des Tages lesend und spielend im warmen Camper.

Auch Heute, den 19. Sept. ist es bewölkt und kalt aber trocken. So entschliessen wir uns erst morgen weiter zu fahren. Schreiben im Laptop unseren Reisebericht von Tok in Alaska bis hierher, suchen Fotos aus und veröffentlichen alles in unserer Homepage. Wie jedesmal beim Aufarbeiten sind wir überrascht, wieviel wir gesehen und erlebt haben.

Heute Morgen, den 20. Sept. hat es noch etwas Bodennebel, aber blauen Himmel und Sonnenschein. Das Warten hat sich gelohnt. Heute verlassen wir den ältesten Nationalpark Amerikas in nördlicher Richtung. Am 24. September läuft unsere Aufenthaltsbewilligung in den USA ab. Es wird also Zeit wieder nach Kanada zu fahren. Aber natürlich nehmen wir uns vorher die Zeit nochmals Geysire und Hot Spots zu besuchen. Viel Zeit planen wir für den imposanten Mammuth Hotsprings ein, eine der seltsamsten Landschaften des Parks. Auf Holzstegen besteigen wir einen in Dampfschwaden umhüllten Berg. Aufsteigendes heisses Wasser hat die terrassenförmigen Ablagerungen geschaffen, die in verschiedenen Schattierungen von Weiss-, Braun-, Orange-, Gelb-, Grün- bis Grautönen überzogen sind. Stellenweise erinnern die Terassen an Reisfelder die an Hängen angelegt wurden. Absolut faszinierend und schön! - Auch wenn von hier oben die Strasse zu sehen ist, die uns aus diesem grossartigen Nationalpark führt.