Portugal Norte

Durch die vielen Vorschläge in unserem Reiseführer über Lissabon sind wir fast ein wenig überfordert.Wir entscheiden uns darum für eine Stadtrundfahrt die vor unserem Campingplatz beginnt. Von unserem gestrigen Negativbild (siehe Portugal Sud) immer noch beeinflusst, gehen wir eher lustlos hin, sind dann aber spätestens am Hieronimuskloster sehr beeindruckt. Auf der Fahrt erfahren wir, dass im Jahr 1755 Lissabon durch ein grosses Erdbeben zerstört wurde. Nur drei Gebäude blieben stehen. Eben: Die Kirche mit dem Kreuzgang vom Hieronimuskloster, der Torre de Belem, also der Turm am Hafen von dem aus die einfahrenden und ausfahrenden Schiffe kontrolliert wurden und das grosse Aquädukt das schon von den Römern gebaut wurde. Alles Andere, auch das was heute als Altstadt bezeichnet wird, wurde im alten Stil wieder aufgebaut. Dabei hat sich Marques de Pombal ganz besonders eingesetzt. Ihm wurde ein monumentales Denkmal gesetzt, von dem er bis heute auf sein Lebenswerk, die Baixa, schauen kann. Natürlich darf auch ein Spaziergang in der Albama, dem ältesten Stadtteil nicht fehlen. Genau so wenig wie der Blick zur Christusstatue die mit ausgebreiteten Armen über der Stadt tront. Der bekannte, von Eiffel gebaute Lift, der die untere und obere Stadt verbindet und die grossen Hängebrücken (eine davon 17km lang) die das südliche und nördliche Lissabon über den Tejo verbindet. Auf dem Heimweg besuchen wir noch den sehr schön angelegten botanischen Garten. Trotz dem kurzen Regenschauer zwischendurch - Lissabon hat einiges wieder gut gemacht.

An unserem zweiten Tag in Lissabon wollten wir alleine auf Erkundigungstour gehen. Es gibt noch soo viel was einen Besuch lohnt. Aber eben - wir wollten - es regnet wie aus Kübeln und es ist nur noch 15°C. So entschliessen wir uns zur Weiterfahrt nach Fatima. Unser Tom Tom führt uns an einen einsamen Campingplatz in einem Pinienwald in der Nähe von Fatima. Nur 500m oberhalb steht eine der heute leider nur noch wenigen portugiesischen Windmühlen und der Blick ins Land darf ebenfalls mit sehr schön bezeichnet werden - nur - der Campingplatz ist geschlossen! Also einen weiteren Park ins Navigationsgerät eingeben. Nun stehen wir für zwei Nächte wieder wunderbar in einem Mischwald und am Abend schaut sogar die Sonne kurz rein.

26. 5: Heute Morgen geniessen wir unsere Liegestühle und strecken faul den Bauch in die Sonne. Wir sind nur 45 km von Fatima entfernt und wollen am Abend an der Lichterprozession teilnehmen. Es ist also früh genug, wenn wir erst um 15.°°Uhr losfahren. Es ist eine ziemlich kurvenreiche Strasse über einige Hügel und uns erstaunt, wie viele junge Menschen diesen Weg als Pilger zu Fuss gehen. Fatima liegt auf einer kargen Hochebene. Hier soll Maria 1917 zum ersten mal bei einer kleinen Steineiche drei Hirtenkindern erschienen sein. Heute steht hier eine grosse Walfahrtskirche. Der Kirchenvorplatz ist einiges grösser als der Petersplatz in Rom. Mitten drin, am Erscheinungsort wo früher die kleine Steineiche stand, steht heute eine Marmorsäule. Links der Kirche steht in einer kleinen Senke eine kleine Kapelle mit einer Madonnenfigur, der Maria von Fatima, sicher geschützt hinter Panzerglas! Ein Pfad, angelegt aus Marmor, ist für jene gedacht, die auf Knien zur Kapelle rutschen wollen. Hier und in der grossen Kirche werden Messen gelesen , gebetet - und es ist ein dauerndes Kommen und Gehen. Neugierige fotografieren ungeniert und beim verteilen der Kommunion kommen Menschen, vollgepakt mit Einkaufstüten, stellen sich schnell in die Reihe um das Sakrament zu empfangen. Bei uns stellen wir ziemlich ernüchtert fest, dass irgendwie das Besondere, Sakrale wie wir es in Lourdes empfanden, fehlt. Wir haben keine Lust bis zur Lichterprozession zu warten und etwas traurig verlassen wir nach 2 Stunden diesen Ort. - Doch ein Bild hat mich berührt. Ein junger Mann rutschte auf den Knien auf dem dafür vorgesehenen Marmorpfad. Auf seine Schulter stützte sich eine alte gehbehinderte Frau. Es schien, dass er an Stelle seiner Mutter oder Grossmutter den Weg zurücklegt - und wie viel es ihr bedeutet diesen Pfad zu gehen. In all dem Touristenrummel ein wenig gelebte Liebe. Gott sei Dank. Auf der Rückfahrt zu unserem Plätzchen im Wald wird nicht viel gesprochen. Jeder hängt seinen Gedanken nach - und der Nieselregen hüllt uns in sein Grau. - Morgen wollen wir weiter nach Porto.

28. 5: Gestern sind wir bei starker Bewölkung in Richtung Porto abgefahren und wurden am Abend am Meer mit Sonnenschein empfangen. Heute können wir bei schönem Wetter die zweitgrösste Stadt Portugals erkunden. Ihr historisches Zentrum wurde 1996 zum Weltkulturerbe ernannt. Bekannt ist die Stadt durch seinen Portwein, der in den renomierten Kellereien am Douro - Ufer, vis a vis der Altstadt lagert. Im Fluss sind die alten Portweinschiffe verankert, die aber ihre ursprüngliche Bestimmung verloren haben. Ueber der terassenförmig sich aufbauenden Altstadt, mit ihren drei- bis vierstöckigen Granithäusern, an denen gusseiserne Minibalkone kleben, ist der alles überragende Torre de Clerigos weit hin zu sehen. Es lohnt sich auf den über 75 Meter hohen Granitturm, die 225 Stufen hinauf zu steigen. Verschnaufpausen bieten sich uns bei der Glockenorgel und zwischen ihr und dem höchsten Punkt ist ein schmaler Balkonrundlauf. Trotz Höhenangst - der Blick hier oben ist fantastisch. Von da gehts weiter zu Fuss zum Hauptbahnhof. Er ist vor allem bekannt wegen der Azulejos - Bilder. Auf blauweiss gefliesten Wänden sind historische Szenen aus der Geschichte Portugals dargestellt. Die Kathedrale möchten wir vor allem wegen dem aus Silber getriebenen Altar sehen. An ihm wurde bis zur Fertigstellung ein Jahrhundert lang gearbeitet. Leider, sie ist wegen Umbauarbeiten geschlossen. So geniessen wir den Abstieg ans Douro - Ufer über enge Treppen und Gässchen. Dabei kommen wir in das Armenviertel mit Blechhütten und halb zerfallenen, überwucherten Häusern. Die Wäsche vor den Fenstern zeigt, dass hier immer noch Menschen wohnen. Unter der Brücke steigen wir in die sehr steile Standseilbahn und fahren hoch zur zweiten Fahrbahn der Eisenbrücke (unten Autos, oben Bahn), die von einem Mitarbeiter von Eiffel gebaut wurde. Beide Ebenen sind begehbar und bieten einen grandiosen Panoramablick. Dann wieder zu Fuss zurück zum Ausgangspunkt. Jetzt wird es aber Zeit für eine Pause und Sitzgelegenheit. Die finden wir in der alten Strassenbahn die mit uns ans Meer fährt - so fern sie nicht von parkierten Autos aufgehalten wird, was aber der Wagenführer mit stoischer Ruhe akzeptiert. Einmal ruft er einem nervösen Lieferanten beruhigend zu, er solle nur in Ruhe fertig machen - und verabschiedet sich mit einem fröhlichen Winken als er wieder weiter fahren kann. Nach einem intensiven Tag voller Eindrücke sind wir froh, dass uns der öffentliche Regionalbus wieder bis vor den Campingplatz fährt.

Heute fahren wir wieder ins Landesinnere. Wir wollen zum Nationalpark Peneda - Geres und dann weiter nach Spanien. Der Park verspricht atemberaubende Aussichten, Stauseen gigantischen Ausmasses, rauschende Bäche und Wasserfälle. Das Klima ist mild, aber selbst im Sommer kann der Himmel verhangen sein, und Regenschauer bleiben nicht aus, mitunter ist es tagelang neblig. - Genau dieses Wetter haben wir erlebt. So haben wir nur lückenhaft die wilde Berglandschaft mit ihren Hochflächen und zum Teil kargen Hängen gesehen. Eine steile, serpentinenreiche und schmale Strasse bringt uns auf den höchsten Pass auf 822 Meter über Meer, dann über spanisches Gebiet wieder zurück nach Portugal. Sehenswert sind die vielen kleinen Siedlungen mit ihren Getreidespeichern aus Granit. In einem dieser Dörfer kommt uns eine ältere Frau mit einem Ochsenkarren entgegen. Man fühlt sich wirklich um Jahrzehnte zurück versetzt. Eine wunderschöne, aber für Fahrer und Auto strenge Fahrt endet für heute wieder am Meer, diesmal auf spanischem Hoheitsgebiet.