Kanada

Heute fahren wir mit dem Amtrakbus nach Vancouver. An der Kanadischen Grenze muss das ganze Gepäck ausgeladen und durch den Zoll geschleppt werden. Mit diesem Aufenthalt dauert die Fahrt 4,5 Stunden und verläuft ereignislos. In Vancouver darum schnell ein Taxi genommen und zur Camperübernahme gefahren. Wir erwischen einen indischen Fahrer mit dem zusammen wir im Strassenatlas zuerst einmal 15 Minuten lang unser Ziel suchen, weil er keine Ahnung hat wo die Byronstrasse ist. Nach einigen zusätzlichen Telefonaten mit dem Taxibüro und der Familie, die beim Suchen mithilft, ist er genau so glücklich wie wir als er uns an unserem Zielort verabschieden kann. Der Vermieter unseres Doge Camper Vans ist Schweizer und kommt aus dem Schaffhausischen. So ist die Übergabe kein Problem und wir entschliessen uns auf seinen Rat hin im gleichen Quartier einzukaufen und dann die gleiche Strasse zurück zum Fraser River zu fahren um dort zu übernachten. Am Ende der Strasse wurde ein kleiner Park mit Toiletten angelegt die wir benützen können.

29. 6. Heute Morgen wurden wir von Schiffslärm geweckt und können zusehen wie direkt vor unserer Nase starke Schlepper riesige Baumstammflösse hinter sich her ziehen. So werden wir gleich am ersten Morgen mit einem Bild wie aus den Kanada-Naturfilmen begrüsst. WOW! Aber wie immer hat jede Goldmedaille eine Kehrseite. Die Batterie der Kamera ist leer. Wir trösten uns, dass wir bei der Rückgabe des Campers in 9 Monaten wieder hier schlafen und dann die Fotos nachholen können.

30.6. Unsere 1. Fahrt führt uns nach Hope in British Columbien. Das Fahren nach Strassennummern und Angabe der Himmelsrichtung ist gewöhnungsbedürftig. So heisst es nicht etwa wie bei uns diese Strasse führt z.B. nach Frauenfeld, sondern es gibt am Strassenrand kleine, unauffällige Nummernschilder, z.B. 93 West, was bedeutet: Das ist die Strasse Nummer 93 und führt nach Westen. Weil es keine Schilder gibt, die eine Voranzeige machen, muss man beim Fahren riesig aufpassen, dass man die richtige Strasse erwischt. Es ist uns auch fast immer gelungen, wussten wir doch vom Vermieter, dass unser Wegbegleiter der Fraser River sein wird. Ist er rechts von uns, sind wir ziemlich sicher richtig. Diese Angabe hat bei der Orientierung tatsächlich geholfen. So sind wir auf dem HyW 7 am Abend in Hope angekommen und haben einen schönen Platz am Dorfrand direkt am Fluss.

Heute heist es mit Hilfe des Reisehandbuches die Route auf der Karte festlegen und die Sehenswürdigkeiten einzutragen. An sonsten geniessen wir am 2. Tag in Hope das Faulenzen am Lagerfeuer.

2. 7.: Heute fahren wir auf dem Trans Canada HWy nach Catch Creek und von da auf dem Cariboo HWy bis Lytton. Auf diesem Weg hat sich der Fraser River tief ins Gebirge eingegraben. Der Trans Canada HWy führt hoch oben an den Berghängen über dem Fluss, während die Schienen der Canadian Pacific Railway und der Canadai National Railway untern an den Ufern entlang führt. Noch vor Boston Bar kann das "Höllentor", eine Verebgung des Fraser Canion besucht werden. Hier donnern bis zu 15 Millionen Liter Wasser pro Sekunde durch den 34 m breiten Engpass. Über das wilde Wasser spannt sich zum Blick in die Tiefe eine Hängebrücke. Eine weitere interessante Stelle bietet bei Lytton der Zusammenfluss des grün-blauen Thomsen- und des meist sedimentbeladenen braunen Wassers des Fraser River. Die beiden Wasserströme sind sehr gut zu erkennen, weil ihr Wasser, obwohl im gleichen Flussbett, noch lange getrennt weiter fliessen. In Lake La Hache haben wir wieder einen wunderschönen Platz am gleichnamigen See gefunden. Wir haben 2 Nächte eingeplant und beobachten am 2. Tag wie weissköpfige Seeadler auf einer kleinen Insel im See ihre Jungen füttern. Am Abend besucht uns eine Wildgänseschar und präsentiert stolz ihre Jungen.

4. 7.: Mit der Fahrt hierher haben wir das Gebirge entgültig verlassen und fahren nun weiter auf der Seenplatte zwischen dem Cariboo HWy und dem Yellowheat HWy. Jetzt im Frühsommer feiert sich die Natur selbst in einer Fülle an Blüten die in ihrer Farbenpracht kaum zu überbieten ist. Das alles vor dem hellen Grün der im Wind hektisch tanzenden Blätter der Birken und dem Dunkelgrün der in stoischer Ruhe dastehenden Nadelbäume. Überhaupt sind in dieser Landschaft die verschiedenen Grüntöne der riesigen Wälder und dem Farmland, sowie das Grünblau der vielen Sümpfe, Teiche, Seen, Bäche, und Flüssen, die vorherrschenden Farben. Das alles unter einem blauen Himmel dessen Schönwetterwolken nur da zu sein scheinen, um dem Auge eine zusätzliche Abwechslung zu bieten. Unser heutiges Ziel heist Barkerville, das wir Morgen besuchen wollen. Unterwegs nehmen wir uns Zeit um in Quesnel den Hutson's Bay Store von 1881 zu besuchen. Der Ort selbst entstand während des Cariboo Goldrush's 1862. Heute schlafen wir auf einem Waldcampingplatz unter hohen Nadelbäumen.

5.7.: Barkerville ist eine historische Westernstadt und gilt als bester erhaltener Ort aus der Goldrauschzeit, noch dazu an der orginalen Stelle. Etwa die Hälfte der Einwohner stammte damals aus Ostasien. So besitzt das Dorf am Ortsausgang eines der schönsten, historischen Chinesenviertel Nordamerikas. Rund 130 Gebäude wurden Authentisch restauriert. Viele Akteure in zeitgemässer Kleidung beleben den Ort mit seinen Blockhütten, Hotels, Theater, Restaurants, Barbiere, Zahnarzt, Apotheke, Geschäften, Postkutschen und Pferdefuhrwerken. Natürlich dürfen auch die dazugehörigen Handwerker wie Zimmermann, Wagner, Schmied nicht fehlen. Ach ja, da ist natürlich auch der Grund warum dieser Ort entstand: Eine Goldwaschanlage (man darf auch heute noch selber Gold waschen) und die einfachen Hütten der Schürfer. Die Häuser sind z.T. öffentlich zugänglich und - jener Zeit entsprechend - eingerichtet. Beim Besuch des Schulhauses werden wir von der Lehrerin empfangen, wir Mädchen erhalten Hauben - und schon sind wir in einer Schulstunde von damals. Viel zu schnell ist es Abend und wir machen uns auf den Heimweg zum Campingplatz im Tannenwald.

6.7.: Der heutige Tag ist ein reiner Fahrtag und wir folgen dem Yellowheat HWy über 500 km bis Telkwa, wo wir für 2 Nächte am Tyhee Lake in einem Birkenwald wohnen. Wir fahren immer noch auf der Seenplatte mit ihren Farmen, Gewässern und den riesigen Waldgebieten. Allerdings - ganze Hügelketten und Berge sind überzogen mit abgestorbenen Nadelbäumen. Nur vereinzelte grüne Tannen/Fichten sind zu sehen. Da es keine Brandspuren gibt, scheinen über hunderte von Quadratkilometern die Wälder durch eine Krankheit oder einen Schädlingsbefall abgestorben zu sein. Aber je nördlicher wir kommen, umso weniger gross scheint die Waldzerstörung zu sein und wir freuen uns über die erste Elchkuh die uns begegnet. Heute am 2. Tag in Tyhee Lake geniessen wir das schöne Wetter am See und beobachten Gänse, Enten und schauen einem Eichhörnchen? zu. Am Nachmittag entschliessen wir uns zum Besuch von Smitthers, wo wir per Internet unsere Post beantworten und Einkaufen.

Am 8.7. entscheiden wir uns zum Abstecher nach Stewart. Auf dem Yollowhead HWy begegnen uns die ersten Bären und im Moricedown Canyon machen wir einen Stop und beobachten wie sich der Bukley River tosend durch eine wenige Meter breite Verengung seines Bettes zwängen muss. Es stehen einige Indianer am Ufer. Sie haben sich bis heute das Recht erhalten, nach alter Art in den Stromschnellen vor dem Engpass mit Hakenstangen Lachse zu stechen. Zur Zeit fliesst aber zuviel Wasser. Sie laden uns ein, auf dem Rückweg bei ihnen zu campen und beim Fischen zuzusehen. Ein älterer Mann lässt es sich nicht nehmen ein Foto von uns Beiden zu machen und meinte dann stolz, das könnten wir jedem Magazin zur Veröffentlichung geben. Auf dem Rückweg zum Auto haben wir einen Coyoten aufgescheucht. Überhaupt beginnt hier im Norden von British Columbien das ursprüngliche Kanada. Die Farmen sind verschwunden und sind einer z.T. wilden und abwechslungsreichen Natur gewichen. Die Strassen werden enger und die Brücken schmaler. Zum Teil überspannen noch Eisenkonstruktionen die Flüsse, aber immer mehr sind es auch Holzbolenbrücken über die wir fahren.

In Old Hazelton besuchen wir ein Dorf der Gitxsanindianer. Weil dieses Volk in einer fruchtbaren Gegend wohnt, leben sie von jeher in Langhäusern. Sie waren und sind in vier Familienclans aufgeteilt; die Adler-, Feuerkraut-, Wolf- und Froschfamilien. Uns führt eine Frau vom Veband der Feuerkrautfamilie durch die Geschichte und Häuser ihres Volkes. Sie erzählt uns:" Die gute Vorsehung wollte es, dass die weiten Gebiete unserer Häuptlinge, bis ins späte 19. Jahrhundert abseits der Wege lagen, die Händler, Regierungsvertreter und Missionare einschlugen. Demzufolge haben wir das Wissen über die Sitten und Gebräuche unserer Urahnen nie verloren. Dieses Dorf wurde rekonstruiert mit dem Ziel, die Lebensweise der Menschen die schon immer hier gelebt haben, wahrheitsgetreu darzustellen und zu erhalten. Alle Wohnhäuser, Totempfähle, Kanus, Truhen und Werkzeuge sind aus Zederholz gemacht. Weltweit leben noch ca. 10 000 Menschen unseres Volkes. Davon fast 3500 in diesem Gebiet und verdienen ihren Lebensunterhalt als Pädagogen, Gewerbetreibende, Holzfäller, Fischer und Unternehmer. Das Wolfshaus ist heute noch das Bindeglied im sozialen Gefüge der Gitxsan. Gedenkfeiern, Feste, aber auch die öffentliche Abbitte eines Täters fuer sein Vergehen, werden auch heute noch hier abgehalten. Ebenfalls werden hier Titel, Rechte und Privilegien vor allen geladenen Zeugen bestätigt und öffentlich verkündet. Das Feuerkrauthaus ist das Schatzhaus. Hier zeige ich ihnen die verschiedenen "Insignien", einschliesslich sämtlicher zerimonieller Kleidungsstücke die während eines Festes nur von ganz ausgewählten Personen getragen werden dürfen. Wie auch der Kopfschmuck, die Masken, Decken, Beinkleider und Rasseln. Das Froschhaus führt uns in die ferne Vergangenheit. Im Frühling und Sommer lebten sie als Fischer, Jäger und Sammler. Es wurden Vorräte fuer den Winter angelegt. In der kalten Jahreszeit zog man sich in die Langhäuser zurück um zu Weben, Schnitzen und Gegenstände mit traditionellen Mustern zu schmücken. Die Bewohner des Dorfes genossen diese Zeit mit Singen, Tanzen und Geschichten erzählen und der mündlichen Überlieferung von Geschichte. Dieses Volk wurde durch Zeremonien regiert." Auch haben wir einiges erfahren ueber die Totempfähle. Sie werden von unten nach oben gelesen; vom soliden Sockel aus bis zur Figur an der Spitze, die zum Himmel und auf unbegrenzte Möglichkeiten deutet. Wer sie zu lesen weiss, kann an der Art der Gebäude und Pfähle Rückschlüsse auf die Identität und die Geschichte des Clans ziehen.

Nach diesem Besuch fahren wir tief beeindruckt weiter auf dem Cassiar HWy bis Meciadin Junction, wo wir auf den HWy 37a nach Stewart und Hyder (suedlichster Ort Alaskas) abbiegen. Dass wir dabei noch Bären beobachten und auf halbem Weg den Bear Glacier, einen eindruecklichen Gletscher in nur 300 m Entfernung bestaunen können, ist ein zusätzliches grossartiges Erlebnis. Der Gletschersee ist auf einer Seite mit einem natürlichen Damm abgeschlossen der auch die Wasserscheide bildet - eine grandiose wilde Gebirgslandschaft.

9.7.: Stewart liegt umringt von hohen Gipfeln am Ende des 180 km langen Portlandkanals, der natürlichen Grenze des südzipfels Alaskas und Kanadas. Diese Lage und die offene Grenze sind auch der Grund warum wir hierher gefahren sind. Wir wollen auch Hyder besuchen. Von amerikanischer Seite gibt es keine Passkontrolle. Der Ort ist so abgelegen, dass es nur einen Weg hinaus gibt - zurück. Trotz Regen fahren wir zum 6km nördlich gelegenen Tongass National Forest. Hier in den Gebirgstälern beginnt erst der Frühling. Noch liegen z.T. riesige Lawinenkegel im Tal. Die Druckwellen haben Stellenweise noch im Gegenhang bis weit hinauf die Bäume entwurzelt. Häuser und Maschinen wurden zertrümmert und die Naturstrasse zum Leduc Gletscher ist noch nicht wieder hergestellt. Die tief liegenden grauen Nebelschwaden und der Regen verstärken noch die Szenerie. Auf den Rat eines Ranchers hin machen wir kehrt und geniessen unterwegs umso mehr die vielen, auch lieblichen, Eindrücke der Landschaft die uns umgibt.

10.7.: Weil es immer noch regnet entschliessen wir uns die 658 km bis Watson Lake durchzufahren. Damit verlassen wir nich nur das Küstengebirge, sondern auch British Columbien. Auf diesem Teilstück des Cassiar HWys gibt es immer noch Schotterabschnitte mit z.T. grossen  einspurigen Baustellen. Jeder Wartekolonne wird von einem Pilotfahrzeug abgeholt und durch die Baustelle geführt, mit entsprechend langen Wartefristen. Zeit zum Picknicken und Plaudern mit der "Tafelfrau" die in der Mitte der Strasse steht und das Stopsignal hochhält. Der heutige Weg führt uns von Meereshöhe bis über 1200 Meter. Entsprechend abwechslungsreich ist die Landschaft. Wieder begegnen uns Bären und ein Wolf, noch fast in seinem weissen Winterfell. Um 19.00 Uhr überfahren wir die Grenze zum Yukon und versuchen uns noch einmal zu erinnern an die unterschiedlichsten Begegnungen, Eindrücke und an die vielen Tiere die wir gesehen haben: An Elch, Bären, Coyoten, Wolf, Enten, Gänsen, Eichhörnchen und Vögel vom Seeadler bis zu den Kolibri, die vom Schwanz bis zum Schnabel nicht grösser als ein kleiner Finger sind.