Jasper- und Banff NP

Bei unserer Weiterfahrt von Tok, wo wir einen herrlichen Ruhetag genossen, haben wir bis und nach der Kanadischen Grenze den schlechtesten Strassenabschnitt auf unserer Reise. Eigentlich besteht hier der Alaska Hwy nur noch aus geteerten Buckeln, Löcher und Gräben. Schuld daran ist der Permafrost der der Strasse so zusetzt. Kurz vor Haines Jct. beginnt unser 'Schnüfeli' wieder zu stottern, verbunden mit einem deutlichen Leistungsabfall schon bei der kleinsten Steigung. Glück gehabt - schon am Anfang der kleinen Siedlung finden wir eine Werkstatt. Pech gehabt - es ist später Freitagnachmittag und der Arbeiter meint:" Es tut mir leid, unser Automechaniker ist schon weg und wir haben ein langes Wochwenende. Vor Dienstag geht nichts mehr". Jetzt ist guter Rat teuer. Hanspeter hat die Idee unseren Camper voll zu tanken. Vielleicht liegt's an der Benzinpumpe. Ist der Tank voll, muss sie nicht so fest arbeiten und das Problem sollte weg sein. Es ist unsere einzige Möglichkeit weiter zu kommen - und tatsächlich, es klappt. So fahren wir weiter an Burwash Landing vorbei und halten am Rock Glacier Trail um die 30-minuten Wanderung hinauf zu den Schotterkegeln zu machen, die ein schmelzender Gletscher zurück gelassen hat. Von hier oben geniessen wir den herrlichen Blick über den Kathleen Lake und den Kluane NP. In diesem Park übernachten wir dann auch neben dem Millionen Dollar Wasserfall, dessen Rauschen uns in den Schlaf singt. Auf unserer Weiterfahrt am nächsten Morgen überqueren wir ,über der Baumgrenze auf über 1000 Meter, den Haines Sumnit. So früh am Morgen muss Hanspeter richtig aufpassen, dass er nicht eines der vielen Erdhörnchen überfährt die auf und neben der Strasse die warme Sonne auf ihren Pelz scheinen lassen. Nur unwillig mit einem verärgerten Hopser gehen sie von der warmen Strasse weg. Ein gefundenes Fressen für Raben und Elstern. Es scheint darum fast logisch, dass uns am Strassenrand auch ein Grauwolf begegnet. Am Abend erreichen wir Haines und fahren zuerst zum Fährhafen um eine Ueberfahrt nach Skagway zu buchen. Hier hören wir, dass das Schiff nur 3x wöchentlich verkehrt. Das nächste Mal läuft sie heute Nacht um 02.15 Uhr aus! Um 01.00 Uhr stehen wir mit vielen anderen Campern bereit. Die Ueberfahrt dauert ca. 1,15 Stunden. Nach der Ankunft steuern wir den nächsten Parkplatz an und schlafen weiter. Beim öffnen der Vorhänge ankern um uns herum vier gigantische Kreuzfahrtschiffe und beim Frühstücken beobachten wir Seehunde die vor einer Fischleiter auf einfache Beute warten. Skagways Lage am Ende eines langgestreckten Fjordes, unter hochaufragenden Bergen ist einzigartig. Seinen Höhepunkt erreichte dieser Ort, zusammen mit Dyea, während des Klondike Gold Rushs. Für die Erhaltung der historischen Stätten wurde in den letzten Jahren viel getan. Die Gebäude an der Hauptstrasse stehen heute als Bestandteile des Klondike Gold Rush National Historical Parks unter Denkmalschutz. Wir schauen beim Visitor Center rein und nutzen die Möglichkeit eine Dia-Show zu besuchen, die einen plastischen Eindruck vermittelt vom Chaos und den Entbehrungen auf dem beschwerlichen Weg über den Chilkoot Pass in Richtung Dawson City. Wir fahren weiter zur "Geisterstadt" Dyea zum schön gelegenen Campgound im Wäldchen am Taiya River ganz in der Nähe vom Startpunkt des legendären Chilkoot Pass Trail. Heute, den 21. August, fahren wir von Null in Skagway auf über 1000 Meter Höhe über den White Pass auf den auch heute noch ein nostalgischer Zug fährt. Die reizvolle Streckenführung geht bis auf baumlose Höhen und jedes Felsloch bildet einen Pool. Auf der Passhöhe, entlang des Tutshi Lakes, überfahren wir ohne grosse Formalitäten die Grenze zwischen der USA und Kanada. Kurz nach Carcross gilt unser nächster Stopp der 'kleinsten Wüste der Welt', ein 160 ha grosses Sanddünengebiet. Nur 40 km vor unserem heutigen Ziel geniessen wir den Blick auf das türkisfarben leuchtende Wasser des Emerald Sees. Weil es nachts schon empfindlich kühl wird, entschliessen wir uns im Caribou RV Park bei Whitehorse zu wohnen, der uns neben den Annehmlichkeiten eines voll ausgerüsteten Campingplatzes auch die Möglichkeit gibt, wieder einmal Schweizerdeutsch zu sprechen. Fränzi und Martin haben erst vor einem Jahr diesen Platz gekauft. Wir fühlen uns sofort wohl und Martin hilft uns beim Einrichten des Tom Tom und installiert das WIFI neu, so dass wir entlich drahtlos mit unserem Laptop ins Internet können. Wer mehr über die Beiden wissen möchte, hier ihre Internetadresse: caribourvpark@northwestel.net  

In Whitehorse fahren wir eine Dodgevertretung an die endlich herausfinden soll, wo das Problem bei unserem Camper liegt. Heute ist Mittwoch und wieder einmal heisst es:" Nicht vor Freitag am 24. 8. vor 8.°° Uhr". Hier hören wir dann, dass die Benzinpumpe defekt ist, dass sie aber erst eine Neue in Edmonton bestellen müssen. Also wieder warten bis Montag. Noch von der Werkstatt rufen  wir Rolf in Vancouver an. Er bespricht sich mit dem Werkstattchef - und ist bereit die über 800-Dollar Rechnung zu übernehmen. Ausserdem macht er uns das Angeboht nach Vancouver zurück zu kommen um das Auto auszutauschen. Wir nutzen die Woche um: Mit einem alten Tram dem Yukon River entlang zu fahren und wieder zu Fuss zurück - machen eine kleine Erkundungstour zu einer der vielen Inseln im Fluss - gehen fein essen bei' Den Wolfs Restaurant' , das bei unserem Campground liegt und ebenfalls von Schweizern geführt wird - und geniessen einfach das nur -tun -müssen, was -wir -auch -wollen.

Am 28. 8. können wir endlich weiterfahren. Ca. 100 km nach Watson Lake übernachten wir hoch über dem Liard River neben der Strasse die uns nach Fort Nelson führt. Mit dem Stone Mountain Park erreichen wir die nördlichsten Ausläufer der Rockys. Ein grandioser Strassenverlauf führt hier durch die Berge und Täler und ausser einiger Minidörfer gibt's hier nur noch einsame Rasthäuser und Campingplätze. Ein Höhepunkt der Strecke ist der Muncho Lake mit seiner jadegrünen Färbung. Leider begleitet uns auf diesem Weg der Hochnebel und auf der Passhöhe sind wir mitten in den Wolken. Dafür sind uns einsam wandernde Bisonbüffeln und kleine Herden von Bisonkühen mit ihren Kälbern begegnet. Wir haben Dickhornschafe bewundert, Bergziegen beim Spielen zugeschaut, Wapitihirsche und Rentiere beobachtet und Hanspeter hat fast eine Elchkuh umgefahren, die nach einer Kurve mitten auf der Strasse stand. Wir haben noch nie an einem Tag so viele Wildtiere gesehen. Was macht da schon das bisschen Nebel?

Nach einer Uebernachtung in Fort Nelson fahren wir weiter in allgemeiner Richtung Jasper Np. Die Strecke ist ziemlich eintönig. Kurz nach Traylo biegen wir zum Kiskatinaw Provinzialpark ab, wo wir einen Tag ausruhen wollen. Heute am 3. Sept. erreichen wir nach zwei erreignislosen Fahrtagen via Dawson Creek mit der Mile Zero Post ,die Mitten auf der Kreuzung die 0 Meile des Alaska Hwy anzeigt und über Grande Cache, den Jasper Nationalpark. Kurz nach der Eingangskontrolle zum Nationalpark begegnen uns ein Schwarzbär, Dickhornschafe und Wapitihirsche. Was für ein Versprechen für die nächsten Tage! Wir haben uns im Whistlers Campground einquartiert. Obwohl er mit 781 Plätzen sehr gross ist, wirkt er nicht überladen, ist zentral gelegen und bekannt dafür, dass er trotz der vielen Menschen regelmässig von Wapitihirschen aufgesucht wird.

Heute wollen wir zum Maligne Lake, der als einer der schönsten Ausflugsziele im Park beschrieben wird. Gleich am Anfang zeigt uns ein Schild den Weg zur pitoresken Kalksteinschlucht des Malagne Canyon. Ein etwas holpriger Weg, zum Teil über Stufen, führt über 5 Brücken durch die Schlucht. Tief unten tost das Wasser durch den Engpass. An diversen Stellen sind unterirdische Zuflüsse in den Maligne River zu sehen. Vom Maligne Lake fliesst der Maligne River zum Medicine Lake, wo das Wasser in Karsthöhlen versickert und erst nach Kilometern hier in der Schlucht an die Oberfläche kommt. Wir geniessen eine unglaublich abwechslungsreiche eindrückliche Wanderung von der ersten bis zur fünften Brücke und überqueren somit mehrfach den Cayon der auf diesen zwei Kilometern vom tosenden Bergbach zum breiten, über sein Steinbett hüpfenden Fluss wird. Zurück beim Auto wollen wir natürlich auch die beiden Bergseen in den Rocky Mountains besuchen. Am glasklaren Maligne Lake laden einige Trails zum Wandern ein. Wir entschliessen uns den kleinen Moose Lake zu besuchen. Ein wunderschöner, romantischer See im Wald in dessen ruhigem Wasser sich die Gipfel der umliegenden Berge spiegeln. Auf dem Rückweg werden wir von einer Hirschkuh aufgehalten, die den schmalen Waldpfad nützt um bequem die Wildpflanzen zu geniessen. Obwohl wir uns wegen der Bären laut unterhalten, ist sie nicht geflüchtet. Hebt nur kurz den Kopf, taxiert uns und findet uns Zweibeiner vielleicht etwas lästig - aber ungefährlich. Einmal mehr sind wir freudig überrascht, wie furchtlos die Wildtiere in Nationalparks verhalten. Trotzdem ist uns bewusst, dass dieses Tier - wenn es sich in die Enge getrieben fühlt - gefährlich werden kann. So warten wir geduldig und geniessen!Heute Morgen - beim öffnen der Vorhänge - liegt vor unserem Auto ein 14-Ender Wapitihirsch mit seiner ganzen Familie zwischen den Bäumen. Was für ein Anblick! Sie lassen sich auch durch meine Fotoattacken nicht stören und das Frühstück wird zur reinen Nebensache. Eher entäuschend ist der Besuch bei den ehemaligen Kohlenminen in Pocahontas. Den Rest des Tages nutzen wir fürs Einkaufen, Schreiben und Telefonieren mit Rolf in Vancouver. Unser Camper ist leider immer noch nicht in Ordnung und wir wollen nun zurück fahren, um das Auto auszutauschen.

Die nächsten zwei Tage im  Jasper Np. fahren wir in Richtung Banff NP. zu den Columbia Icefields. Unser erster Halt gilt den Atabasca Falls undspäter den Sunwapta Falls. Sehr eindrücklich ist die Fahrt zum 325 Quadratkilometer grossen Columbia Icefield, von dem gleich drei grosse Ströme ihre Quellen haben. Der Atabasca River, der ins Polarmeer fliesst, der North Saskatchewan River, der im Atlantik endet und der Columbia River, der seinen Weg zum Pazifik sucht. Das Eisfeld selbst ist in den Berghöhen verborgen. Von der Strasse aus sind aber immer noch 3 Gletscher zu sehen. Eine kurze Wanderung führt uns zur Eiszunge des Atabasca Gletschers. Tafeln mit den Jahreszahlen zeigen den, vor allem in den letzten Jahren, rasanten Rückgang des Eises. Unterhalb der Gletscherzunge liegt der Sunwaptapass, der mit seinen über 2000 m Höhe auch der Eingang zum Banff NP ist. Auf einer langen grandiosen Abfahrt geniessen wir herrliche Ausblicke auf die schneebedeckten Berge der Rocky Mountains. Auf einer Kurzwanderung zum Mistaya Canyon bewundern wir die Kalksteinschlucht durch die sich das Wasser mit merkanten Windungen tief unten  durchfrisst. Auf dem Rückweg zu unserem Campingplatz bewundern wir die unglaubliche Farbe vom Peyto Lake. Ueberhaubt sind die Farben in diesen Bergseen einzigartig. Sie reichen von Eisblau über Türkis, Smaragdgrün bis Jade. Hervorgerufen durch die verschiedenen Sedimente die im Zusammenspiel mit dem Sonnenlicht und Bacterien diese Farben hervorbringt. Nicht selten leuchtet ein See, indem er an verschiedenen Stellen in unterschiedlichen blau/gün Tönen strahlt.

Heute am 8. Sebt. beginnt unsere Fahrt nach Vancouver. Ab Cach Creek sind wir auf derselben Strecke wie vor 10 Wochen - nur in umgekehrter Richtung. Obwohl unser 'Schnüfeli' seit 2 Tagen Oel verliert, hält er durch und wir treffen uns am 11. Sebt. mit Rolf, der das Auto sofort in seiner Hauswerkstatt anmeldet. Er veranlasst auch noch einen Getriebeoelwechsel. Am Abend finden Hanspeter und Rolf, dass es eigentlich blöd sei ein Auto auszutauschen an dem schon so viel neu gemacht wurde. Ich vertraue den Beiden - nicht zuletzt, weil wir uns in unserem Camper sehr wohl fühlen. Den Tag haben wir bei 30°C. an einem Seitenarm des Frazer River verbracht, wo wir auch übernachten wollen.

Weil im März im Yellowstone NP noch tiefer Winter ist, entschliessen wir uns jetzt von Vancouver aus auf dem schnellsten Weg dahin zu fahren. In 3 Tagen wollen wir die1500 km schaffen um dann einige Tage in diesem berühmten Park zu verbringen. Rolf rät uns, statt alles Autobahn, einen Teil der Fahrt auf einer gut ausgebauten Nebenstrasse zu fahren. Wie immer nehmen wir solche Tipps gerne entgegen und verabschieden uns mit dem Versprechen ihm via Internet zu berichten, wie es uns geht. Unser Weg führt uns in den nächsten Tagen durch riesige Kornfelder im Staate Washington, wir durchqueren den Nordteil von Idaho und fahren durch die Gebirge und Wälder ins Cowboyland Montana. Am 3. Tag erreichen wir unser Ziel, den Yellowstonepark in Wyoming.