Boston - New York - Washington DC

Auf unserem Weg nach New York wollen wir heute am 14. Oktober eine Stadtbesichtigung in Boston  mitmachen. Wir entschliessen uns für die Boston-Duck-Tours, eine etwas andere Art die Stadt kennen zu lernen. Ein findiger Reiseunternehmer hat die Amphibienfahrzeuge aus der Zeit des 2. Weltkrieges der Armee abgekauft, sie bunt gespritzt und junge aufgestellte Typen fahren nun mit den Touristen durch die Stadt und zeigen auf eine fröhliche, unkomplizierte und witzige Art, was sie alles zu bieten hat. Ein zusätzliches Erlebnis bietet sich durch die Möglichkeit ein Stück durchs Hafenwasser zu schippern, von wo wir einen herrlichen Blick zur Skyline von Boston haben. Dass dann im Charles River die kleinen und grossen Kinder auch noch selber ans Ruder dürfen, macht den Mutigen sichtlich Spass. Ich habe noch nie soviel auf einer Stadtrundfahrt gelacht. Mit unserem Schlachtruf: "Duck, Duck, How are you?" haben wir auch den seriösesten Bänker und Polizisten ein schmunzelndes Winken abgetrotzt. Aber natürlich haben wir auch die Insiderinformationen bekommen, die man auf einer geführten Tour erwartet. So fahren wir auch am Kaffeegeschäft vom Grossvater J. F. Kennedys vorbei. Wobei wir mit einem Augenzwinkern erfahren, dass er das ganz grosse Geld mit dem Kaffeeschmuggel verdient habe. Hier in Boston scheint man heimlich ganz stolz auf alle zu sein die der Obrigkeit ein Schnippchen schlagen. Am Hafen  fahren wir an dem herrlich renovierten Segelschiff Beaver vorbei und sofort und sichtlich stolz hören wir die Geschichte der Boston Tea Party: " Mitte des 18. Jahrhunderts verlangte König Georg III. von England höhere Steuern wegen des Krieges gegen Frankreich. Die Bostoner Bürger bildeten eine Protestbewegung, setzten sich mit flammenden Reden zur Wehr und umgingen die Steuern, indem sie Waren aus anderen Ländern einführten. Bei einer Hausdurchsuchung durch das Militär, kam es zu dem Boston Massacre, bei dem 5 Bostoner Bürger getötet wurden. Erst im Jahr 1773 wurden die Steuergesetze und Einschränkungen rückgängig gemacht - bis eben auf die Teesteuer. Als Indianer verkleidet warfen einige Bostoner Bürger die Fracht des mit Tee beladenen Handelsschiffes Beaver über Bord. Mit diesem Ereignis, das als Boston Tea Party in die Geschichte einging, wurde der Unabhängigkeitskampf eingeläutet." Noch heute kann man die Stadt erkunden, indem man dem "Freiheitspfad", einer rot markierten Linie, entlang läuft und so an die wichtigen Geschichtspunkte geführt wird. Wie immer nach einem Stadtbummel beschliessen wir auch jetzt, Morgen einen Ruhetag zu einzulegen.

Heute wollen wir weiter nach Clinton. Dieser Ort liegt nördlich von New York am Atlantik und hat den Vorteil, dass wir von hier mit der Metro in die Stadt fahren können. Unser Campingplatz gehört zu einer Farm. Also ideal für uns; am Tag Cityrummel und Abends ländliche Idylle. Auf der Fahrt hierher bemerkt Hanspeter, dass mit den Bremsen etwas nicht in Ordnung ist. So melden wir unseren Camper in einer Werkstatt an. Wir haben Glück. Wenn wir Morgen nach New York fahren, holt der Inhaber der Garage unseren Camper am Bahnhof ab, ersetzt die vorderen Bremszangen und am Abend können wir ihn anrufen, damit er uns von der Metro abholen kann - auch wenn es deutlich nach Feierabend sein sollte. So können wir unseren ersten Tag in New York ohne Zeitdruck geniessen.

So fahren wir mit der Metro zum Grand Central Terminal von wo man Downtown Manhatten sehr gut zu Fuss erkunden kann. Wir spazieren gemütlich zum Battery Park und kaufen im Castle Clinton die Tickets um mit dem Schiff zur Freiheitsstatue und Ellis Island zu fahren. Diese Insel war bis 1952 für Millionen von Einwanderern die erste Station in Amerika. Das schön renovierte Hauptgebäude beinhaltet eine umfangreiche Ausstellung. Man kann sich gut verstellen wie die Immigranten durch den riesigen Registry Room geschleust worden sind. Ein Film "Insel der Hoffnung / Insel der Angst" führt eindrücklich ins Thema ein. Ausserdem kann eine Audio - Kassette in Deutsch gemietet werden. Nach unserer Rückkehr fällt uns im Battery Park ein beschädigter bronzener Globus auf. An einer Tafel ist zu lesen, dass er aus den Trümmern des World Trade Centers geborgen wurde. Dies ist unser nächstes Ziel. Am Ground Zero ist wegen der Bauabschrankungen gar nicht viel zu sehen. Unter dem inzwischen aufgeräumten Gelände entstand der neue Verkehrsknotenpunkt für Süd - Manhatten, die beschädigten Bürohäuser sind wieder hergestellt und von der beschlossenen Gedenkstätte und dem Freedom Tower ist noch nichts zu sehen. So führt unser Weg weiter zur neugotischen Trinity Church aus rotem Sandstein. In ihrem Friedhof ruhen wichtige Persönlichkeiten aus der Zeit der blutjungen Demokratie. Für uns die Gelegenheit dem lieben Gott Hallo zu sagen und zu danken für all das Schöne das wir bis jetzt erleben durften. Direkt gegenüber beginnt mit der Wall Street der Himmel der freien Marktwirtschaft. Wir folgen ihr um den Hafen und die beliebte Brooklyn Bridge zu erreichen. Am Pier 16 und 17 können nostalgische Schiffe besichtigt werden. Darunter die eindrucksvolle Viermastbark 'Peking' und ein "Leuchtfeuerschiff" das als schwimmender Leuchtturm seinen Dienst tat. Auf der Brücke der 'Peking' stehend sehen wir die Sonne hinter den Wolkenkratzern verschwinden. Für uns höchste Zeit mit der Metro nach Clinton zu fahren wo wir, wie versprochen, vom Werkstattchef abgeholt und zum Camper gefahren werden. Es ist schon dunkel bevor wir auf unserem Campingplatz ankommen. Die vielen leuchtenden Kürbisse, flatternden Geister und blinkenden Lichter künden vom nahen Halloween.

Heute wollen wir unseren 2. Tag in dieser quirligen, pulsierenden Metropole etwas ruhiger angehen und buchen eine Citytour mit einem Doppeldeckerbus. Unser Begleiter heisst Peter und ist vor vielen Jahren als Bub mit seinen Eltern von Heidelberg hierher ausgewandert. Er spricht noch fliessend deutsch und switcht auf witzige Art zwischen den Sprachen hin und her. Aus allen seinen Erzählungen spürt man die Liebe zu seiner Stadt und als Gratiszugabe bekommt man manchen privaten Tip: Wo man den besten Jazz hört, den delikatesten Sushi isst oder wo man für sämtliche Broadway Shows die Tickets zum halben Preis bekommt. Dabei fahren wir durch Midtown an Museen, Kirchen, dem Trump Tower, am Rockefeller Center und dem Central Park, entlang der 5th Avenue mit ihren wunderschönen alten Villen, vorbei. Erfahren wo wir grosse Chancen haben im Park Yoko Ono, die Wittwe John Lennons, zu treffen. Oder wo sich der Regisseur Woody Allen am liebsten mir seiner jungen Frau aufhält. Beide Berühmtheiten seien sehr bescheiden und nett und würden sich gerne mit den Leuten unterhalten. Wir hören viel informatives wie zum Beispiel, dass in ganz New York jedes Haus mit mehr als fünf Stockwerken einen Wasserturm benötigt. Erst jetzt fallen uns die hölzernen Bottiche auf vielen Dächern auf. Hölzern darum, weil das Wasser darin weniger schnell gefriert. Selbst die modernen Hochhäuser wie das seit dem 11. September 01 wieder höchste Gebäude der Stadt, das Empire State Building, haben genau so einen Wasserturm wie die Häuser von Harlem, durch dessen Strassen wir nun fahren. Peter zeigt uns ein grosses Haus an dem alles rund ist, innen wie aussen gibt es keine einzige Ecke. Dieses Krankenhaus wurde in einer Zeit gebaut wo man glaubte, dass Bakterien und Krankheitskeime in den Ecken wohnen. Peter hat uns ein liebenswertes, gegensätzliches, farbiges, lebendiges New York gezeigt. Vielen Dank! Solltet ihr nach New York kommen, empfehlen wir eine Fahrt mit den blauen (es gibt auch rote) Doppeldeckerbussen - und unbedingt nach Peter fragen. Grüsst ihn von uns. Bevor wir nach Hause gehen ist natürlich auch für uns ein Blick vom Empire State Building ein muss. Also nichts wie hin und mit dem Lift die ersten 80 Stockwerke hoch. Hier muss umgestiegen werden. Also schnell durch die Gänge, um die Ecken - und hart gebremst. Wir stehen hinter einer Menschenschlange, deren Anfang nicht zu sehen ist. Aber wenn wir schon einmal da sind! Da kommt ein rettender Engel: "Wer sich zutraut die letzten 6 Stockwerke zu Fuss zu gehen, kann die Treppe benutzen". Jupiee, wir sausen mit anderen Sportstypen los und überhören die warnende Stimme: "Es gibt aber keine Möglichkeit mehr für eine Liftbenutzung!" Wir alle finden; was soll's - es sind ja  nur 6 Etagen. Nur - von den Zwischenstockwerken und den 200 Stufen hat niemand gesprochen. Nach einem Viertel der Strecke werden nicht nur unsere Schritte langsamer. Und spätestens ab der Mitte ist auch bei deutlich sportlicheren Typen das Japsen in ein Schnaufen und Stampfen übergegangen, das einer Dampflokomotive alle Ehre gemacht hätte. Das enge Treppenhaus und die leicht schwankende Eisentreppe unter unseren trampelnden Füssen steigert das Wohlbefinden auch nicht gerade. Aber wir haben es geschafft und geniessen den unglaublichen Panoramablick über das fantastische New York!

Schon ist es der 20. Oktober und für uns Zeit in Richtung Washington DC zu fahren. Bevor wir den Staat New York verlassen, müssen wir eine $ 10.- Telefonkarte aufbrauchen, die ausserhalb dieses Landkreises nichts mehr gilt. So haben wir die Gelegenheit mit Familie und Freunden in Spanien, Deutschland und der Schweiz zu plaudern. Was für ein Spass!

Nach so viel Grossstadt nehmen wir uns viel Zeit auf unserer Fahrt nach Washington DC. So kommen wir erst am 26. Oktober in Millersville an, von wo wir die Hauptstadt der USA erkunden wollen. Obwohl der Campingplatz sehr teuer ist, buchen wir für drei Nächte. Ein Grund ist das schlechte Wetter. Es wird sogar für tiefer liegende Wohngebiete eine Ueberflutungswarnung heraus gegeben. Es ist unglaublich, was für eine Wassermenge an einem Tag und 2 Nächten herunter prasseln kann! Wiedereinmal haben wir Glück. Wir stehen sicher und können einfach auf schönes Wetter warten. Ja, und dann ist es so weit. Am 28. fahren wir bei schönstem Sonnenschein mit der Metro ins Herz von Washington. Wieder sind wir zu Fuss unterwegs zum Weissen Haus und gleich vis a vis steht das Washington Monument. Ein schmuckloser Marmorobelisk, der zur Erinnerung an den ersten US-Präsidenten erbaut wurde. Vorbei am 2. Weltkriegs Monument gehen wir weiter zum Lincoln Memorial und von da über den Potomac River zum Arlington Friedhof. Dem wohl meistbesuchten Militärfriedhof der USA, auf dem auch das Grab von Präsident John F. Kennedy und seiner Frau Jacqueline Kennedy Onassis liegt. Dieser Friedhof wurde ursprünglich für die im Bürgerkrieg getöteten Soldaten eingerichtet. Das Gelände und die Villa oben am Hang gerhörten damals Robert E. Lee, dem Führer der Konföderierten. Fast 300'000 Gefallene liegen hier unter einfachen weissen Grabsteinen. Am Tomb of the Unknowns, wo die Soldaten vom ersten  und zweiten Weltkrieg, sowie die in Korea und Vietnam Gefallenen liegen, patrolliert ein Wachsoldat. Jede Stunde wird eine feierliche Wachablösung zelebriert, der auch wir beiwohnen. Danach haben wir keine Lust mehr auf weitere Sehenswürdigkeiten.Wir gehen zur nächsten Metro die uns noch vor Sonnenuntergang zu unserem Camper bringt.

Nach den vielen Grossstätten haben wir wieder richtig Lust aufs Land. Diese Region der USA strotzt nur so von Historie. So ist es nicht schwer eine Fahrt in die Geschichte des Landes in Verbindung mit Natur zu organisieren. Wir entschliessen uns für das historische Dreieck auf der schmalen Halbinsel östlich von Richmond, zwischen dem James River und dem York River. Eine schöne Fahrt auf dem US - 5 führt uns durch Plantagenland mit wunderbaren Grundstücken und Herrenhäusern aus dem 18. Jahrhundert. In Yorktown besichtigen wir das Museumsdorf und fahren am Schlachtfeld vorbei wo sich 1781 die geschlagenen Truppen unter Cornvallis den vereinten Streitkräften unter Georg Washington ergaben. Ganz in der Nähe tauchen wir ins Leben einer mittelgrossen Farm ein, wie sie vor 300 Jahren aussah. Mitarbeiter in Kleidern von damals, beleben diesen Hof. Hier wird gekocht, gegärtnert und gearbeitet wie es damals üblich war. Hinter dem dazu gehörenden Museum stehen wir mitten in einem Kriegslager des 18. Jahrhunderts. Auch hier wird die Geschichte gelebt und erlaubt so einen sehr guten Einblick in die damalige Zeit. Es wird uns viel erklärt und in persönlichen Gesprächen bekommt man auf seine Fragen gut fundierte Auskunft. Wir kennen diese Form der Geschichtskunde aus Fersehsendungen wie die Pfahlbauer von Pfyn. Nur  - hier sind wir mitten drin und ein Teil davon. Wir geniessen diesen "geschichtsträchtigen" Tag. Morgen wollen wir weiter nach West Virginia.