Andalusien

Heute heisst es Abschied nehmen von Hannelore, Sonja und Ernst, die noch eine Woche bleiben. Wir verlassen Els Poblets und fahren auf der Autobahn via Alicante, Elche, Murcia und Lorca bis Nijar, wo wir zur Küste in den Nationalpark El Cabo de Gata abzweigen. Zum ersten mal wird die Landschaft trocken und karg. Dieser Park gilt als einer der letzten Naturparadiese an der spanischen Mittelmeerküste, mit herrlichen Sandstränden und atemberaubenden Felsformationen , Halbwüste im Landesinneren und kleinen Dörfern an der Küste. Wir übernachten etwas ausserhalb des kleinen Fischerdorfes San Jose. Am nächsten Tag fahren wir an der Küstenstrasse entlang in Richtung Almeria. Endtäuschend: In der Region um Almeria sind ganze Täler und Landschaften unter Plastik. Treibhäuser soweit das Auge reicht. Wo noch einige Bäume zu sehen sind, gibt es in der Regel einen Campingplatz. Scheusslich - aber man muss den Locals zugestehen, dass sie lieber hier leben als ins Ausland zu gehen. Und in dieser heissen trockenen Gegend ist der Gemüseanbau für den Export wohl nur so möglich. - Die steil abfallenden Küstenfelsen zwingen die Strasse in enge Kurven und die kleinen Dörfer sind - an die Küste angelehnt - bis zum Meer gebaut. Ihre Namen, eines heisst übersetzt "viele Knochen", scheinen den Eindruck von alten Piratennestern zu bestätigen. Nach Almeria fahren wir wieder ins Landesinnere und steigen an den Hängen der Sierra Nevada bis über 800 m hoch zu unserem heutigen Ziel Otura, von wo wir mit dem Bus bequem nach Granada fahren können.

Heute haben wir einen stahlenden blauen Himmel und es verspricht über 30°C zu werden. Jede Stunde fährt ein Bus nach Granada und wir sind pünktlich um 10.°°Uhr zur Eröffnung der Alhambra an der Kasse - in einer Schlange! Durch die vielen Besucher, Abgase und die sengende Sonne hat diese Sehenswürdigkeit sehr gelitten. So musste, mit einer gross angelegten Restaurierung, gleichzeitig die Zugangszahlen beschränkt werden. Für uns heisst das: Die Billette gleich kaufen - Eintritt erst um 14.°°Uhr. Also mit dem Bus wieder runter in die Stadt. Wollten wir doch unbedingt noch die Kathedrale und das arabische Viertel Albaicin mit seinen unzähligen kleinen Gassen endtecken. Aber wer kann schon die Zeit einschätzen, wenn er wirklich etwas erkunden will? Ich nicht! So heisst es schon nach dem Besuch der grossartigen Kathedrale wieder mit dem Bus hoch zur Alhambra. Die Stadt der Paläste arabischer Herrscher ist von einem gewaltigen Befestigungswall umgeben. In der von den Mauren gebauten Festung Alcazaba waren auch die Soldaten untergebracht. Das Innere ist geschützt durch labyrinthartige Verteidigunggswälle. Von dem Rundturm hat man einen fantastischen Rundblick über die Stadt bis zu den schneebedeckten Hängen der Sierra Nevada.  Innerhalb der Alhambra haben nur wenige arabische Bauten die Jahrhunderte überlebt. Der Zorn der christlichen Rückeroberer fegte nicht nur die arabischen Heere, sondern auch die maurischen Bauwerke hinweg. Darum ist der Palacios Nazaries mit seinen gut erhaltenen Baukunstwerken bestimmt ein Höhepunkt der Alhambra. Ebenso der Alhambra-Palast, der Palacio de Carlos, die Medina und die prachtvollen Gartenanlagen des Generalife, die ausserhalb der Befestigungsmauern sind. Reich an grossartigen Eindrücken, todmüde und mit heissen Füssen sind wir erst um 20.°°Uhr zurück und beschliessen: Morgen geniessen wir einen faulen Tag auf unserem im grünen stehenden Campingplatz. Zeit zum Bilder bearbeiten und Schreiben!

Nach nur ca. 200 km durch gebirgige Landschaft erreichen wir, über eine gut ausgebaute Hochstrasse, Ronda. Die Kleinstadt ist eine der ältesten Spaniens und ist eines der weissen Dörfer im Landesinneren. Der Ort ist vor allem bekannt, weil der Rio Guadalvin eine bis zu 90 m tiefe Schlucht in den Felsen gegraben hat und das Städtchen in Neu und Alt teilt. Wir nützen die Gelegenheit eine Stierkampfarena zu besichtigen. Interessant ist, dass auch die Nebenräume, also Pferde- und Stierstallungen, Reitschule u s w für die Besucher zugänglich sind. Sehr schön sind auch die Gässchen der Altstadt, die alten türkischen Bäder und natürlich sehr imposant die alte Brücke die über die Schlucht die beiden Stadtteile verbindet. Auch sie kann im Innern begangen werden  und es bietet einem immer wieder neue überraschende Perspektiven. Unser Campingplatz ist etwas ausserhalb. Sind wir am Morgen noch frisch fröhlich die 1,5 km ins Dorf gelaufen und haben uns über die buntblühenden Wiesen- und Ackerblumen gefreut, so sind wir am Abend sehr froh um das Taxi das uns heim bringt.

Schon sind die zwei Nächte in Ronda vorbei und wir fahren heute weiter nach Tarifa, dem südlichsten Punkt dieser Reise. Die afrikanische Küste ist hier nur 14 km entfernt und kann bei klarem Wetter von unserem Standplatz aus gesehen werden. Durch den stetigen, kühlen Wind gilt diese Küste als Mekka für Windsurfer. Aber schon die Fahrt durch die kurvenreiche Gebirgslandschaft mit grandiosen Weitblicken, blühenden Alpweiden, Korkeichenwälder die noch bewirtschaftet werden, vielen kleinen weissen Bergdörfern und einzelnen Gehöften, sowie eine ca. 80 - 100 Storchennester umfassende Kolonie bei San Roque sind ein grossartiges Erlebnis.

Heute wollen wir das britische Gibraltar besuchen. Die Strasse führt uns der Küste entlang, macht aber immer wieder einen Schwenker ins Landesinnere. Faszinierend sind die vielen Windgeneratoren die ganze Hügelketten überziehen. Obwohl sie in einem Naturpark stehen, werden sie weder als Fremdkörper noch als Umweltverschandelung wargenommen. Der Verdacht steigt in uns auf, dass diese Argumentation bei uns eher als Ausrede benutzt wird um nichts machen zu müssen. Haben wir gestern die afrikanische Küste nur ahnungsweise im Dunst sehen können, sind wir heute auf einer Anhöhe glückliche Bewunderer des Atlasgebirges das sich über der Meeresenge im morgentlichen Gegenlicht zeigt. Das die Strasse von Gibraltar zu den meistbefahrenen Schiffahrtswegen gehört, zeigen die vielen Frachter die das Mittelmeer verlassen. Eine Schnellfähre zieht eine lange weisse Heckwelle hinter sich her. In nur 35 Minuten erreicht sie den schwarzen Kontinent. Nach ca. 30 Min. Fahrt überqueren wir den britischen Zoll zur Halbinsel und den Stadtstaat Gibraltar - und fahren mit dem Camper über die Lande- und Startpiste des Flugplatzes. "Bahnschranken" halten den Verkehr auf, wenn ein Flugzeug die Piste benötigt. Wir konzentrieren uns auf den Wegweiser der zur Gondelbahn auf den Affenfelsen weist und einen grossen Parkplatz verspricht. Der ist auch da - aber erst hier zeigen uns gelbe Schilder, dass Autos über 2,5T. nicht geparkt werden dürfen und abgeschleppt werden. Durch die engen Gassen zwängen wir uns wieder zurück in Richtung Zoll. Unter einer Brücke, eingeklemmt zwischen Stadtmauer und Häusern werden wir doch noch fündig. Trotz erstem Aerger - Glück gehabt! Durch das alte Stadttor, früher der einzige Zugang, treten wir in die Altstadt ein und bummeln an vielen Geschäften vorbei wieder zur Seilbahn zurück und mit der Gondel schweben wir zum berühmten Affenberg hoch. Hier geniessen wir den Ausblick aufs Meer, den Hafen und über zwei Kontinente und drei Staaten. Nämlich Europa und Afrika - und dann vom britischen Gibraltar zum spanischen Algeciras hinüber nach Marokko. Auf der Rückreise am Abend hat sich der Dunst über der Meeresenge so weit aufgelöst, dass das Atlasgebirge mit mehreren Gebirgszügen zu erkennen ist und ganz deutlich glänzen drüben die Ortschaften in der Abendsonne.